Logo

Schleppdampferhafen

Ident. Nr.: A II 752

ObjID: obj:962198

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Kaus (1891 - 1977),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1931
Weitere Titel
Sammlungstitel: Schleppdampferhafen
Übersetzung: Steam Tugboat Harbour
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1932
Material / Technik
Öl auf Leinwand auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 74 x 90 cm
Erwerbung
1932 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

In den Sommern der Jahre 1926 bis 1934 erkundete Kaus per Segelboot auf der Havel und den Mecklenburger Seen Orte und Landschaften außerhalb Berlins. Bei der Motivsuche vom Boot aus wird den Künstler vor allem der damit verbundene Perspektivwechsel gereizt haben. Die dem „Schleppdampferhafen“ eng verwandten Motive „Zillen und Ziegeleien II“, „Ziegeleikanal II“ und „Schlepper, Zillen und Ziegeleien“ aus demselben Jahr (WVZ Schmitt-Wischmann 1990, 171–173) lassen sich konkret auf dem Ziegeleigelände Mildenberg verorten, und es liegt nahe, dass die vorliegende Ansicht ebenfalls von dort stammt. Allen diesen Werken ist gemein, dass es sich hierbei nicht um Landschaftsbilder im engeren Sinne handelt. Vielmehr hat Kaus Eindrücke von (Industrie-)Architekturen und Booten aufgegriffen und sie als verschachtelte und tief gestaffelte Komposition wiedergegeben. Die gespiegelten Umrisse der Boote beleben die sonst ruhige Wasseroberfläche und vervielfachen die bewegten Linien der Darstellung. Ordnende und stabilisierende Horizontalen und Vertikalen sind – ungewöhnlich für Kaus’ Bildaufbauten dieser Zeit – weitgehend reduziert. Durch den Farbklang erhält die Komposition dennoch Festigkeit. In gewisser Weise kündigen sich hier schon die flächigen, ornamentalen Strukturen an, die nach 1945 das Spätwerk des Malers charakterisieren sollten. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Flandern

Flandern

Am 22. August 1914 war Dix zum Militär eingezogen worden. Im Laufe des Krieges beteiligte er sich an verschiedenen Schlachten, im Dezember 1918 wurde er entlassen. Der Erste Weltkrieg hinterließ deutliche Spuren in seinem Werk (vgl. „Die Skatspieler“, FNG 74/95). Aufgrund drastischer, antiheroischer Darstellungen wie in dem verschollenen „Schützengraben“ (1920–1923) provozierten seine Bilder schon in den Jahren der Weimarer Republik Anfeindungen von reaktionären und konservativen Kräften. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Dix 1933 fristlos als Professor der Dresdner Kunstakademie entlassen, bald prangerten die Femeschauen „Entartete Kunst“ (1937–1941) sein Werk als „Antikriegsagitation“ an. Trotz solcher Angriffe malte Dix ab 1934 mit „Flandern“ seine letzte Kriegslandschaft. Der Titel bezieht sich auf Kämpfe an der Westfront, an denen er selbst teilgenommen hatte. Die Wiedergabe des Kriegsschauplatzes mit kauernden Soldatenleibern im Schlamm, Granattrichtern und Ruinen sowie apokalyptisch-meteorologischen Szenarien legt Bezüge zu den Antikriegsromanen von Henri Barbusse („Das Feuer“, 1916) und Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“, 1928) nahe. Nachdem „Flandern“ 1938 im Zürcher Kunstsalon Wolfsberg ausgestellt worden war, beschädigte es die Gestapo in Dix’ Atelier in Hemmenhofen am Bodensee. An Franz Lenk schrieb der Maler wenig später: „Die Leute, die neulich die Haussuchung bei mir machten, haben in mein großes Kriegsbild ein Loch gestoßen. [Sie sagten,] das sei das Beste, was diesen Bildern passieren könnte, daß man sie kaputt machte“ (Otto Dix, Briefe, Köln 2013, S. 496). | Ina Jessen

Atelierecke

Atelierecke

Spielten Stillleben in Strempels Schaffen bis 1945 eine eher untergeordnete Rolle, so widmete er sich dieser Gattung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges umso häufiger. Dazu zählen auch Torsi und Atelierbilder, die er in den späten 1940er-Jahren vermehrt malte (vgl. WVZ Saure 1992, 711). Der gezeigte Ausschnitt der „Atelierecke“ scheint weniger arrangiert als unaufgeräumt und zugestellt: Achtlos zurückgelassene Tücher hängen an den Möbeln, eine Stellwand (möglicherweise mit einem Spiegel) steht ohne Effekt halb im Raum, Rahmen und Hocker wirken irgendwie verstaut. Blickfang auf einem schiefen Tisch sind ein weißer Frauentorso, ein leerer Krug und eine Rolle sowie auf dem Boden ein roter Kegel. Tatsächlich ist das alles kaum zufällig: Strempel griff immer wieder Formen und Stile anderer Kunstepochen auf. In der Inszenierung des Zimmers setzte er eine am Kubismus geschulte Bildsprache ein, die im Kontrast steht zu dem antikisierten Körperfragment. Möglicherwiese stand Pablo Picasso Pate, der diese stilistischen Gegensätze bereits zusammengeführt hatte. Ob Strempel hier das klassische Thema von Maler und Modell aufgreift, ob er sich dabei auf das Pygmalion-Motiv bezieht oder im Torso metaphorisch die versehrte deutsche Gegenwart der Nachkriegszeit ausdrückt (vgl. WVZ Saure 1992, S. 92), die Deutung ist den Betrachter*innen überlassen. Das Gemälde bildet ein schönes Gegenstück zu seiner Arbeit „Im Atelier“ (A IV 549), das – anders als hier – der Maler und seine Modelle bevölkern. | Sven Haase

Le Parc St. Maur (L'avenue Médici)

Le Parc St. Maur (L'avenue Médici)

Der 1883 geborene Utrillo war der Sohn von Suzanne Valadon, einem bekannten Modell der Impressionisten und selbst Künstlerin. Maurice saß seinerseits häufig Modell für seine Mutter; sie war es auch, die ihn zu eigenen künstlerischen Arbeiten anregte. Diese entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts und waren impressionistisch geprägt, was angesichts seiner Herkunft nicht verwundert. Finden sich in seinen künstlerischen Anfängen auch Landschaften, wandte sich Utrillo um 1908 nahezu ausschließlich städtischen und architektonischen Darstellungen zu. Die Persistenz, mit der er dabei immer wieder um dieselben Themen kreiste, darf wohl getrost als Obsession bezeichnet werden, die auch in der enormen, sich steigernden Produktivität aufscheint. Oft malte Utrillo kurz hintereinander dasselbe Motiv nahezu identisch; anders als die nuancierten Serien der Impressionisten gewinnen diese Wiederholungen dem Motiv nur selten neue Facetten ab. Lediglich im künstlerischen Ausdruck erlaubte sich Utrillo schnelle Wechsel zwischen linear scharf und impressionistisch weich erfassten Szenerien. 1920 begann sein Aufstieg zum gefeierten Künstler; wenige Jahre später wurden seine Werke auch in Deutschland vermehrt rezipiert und für Sammlungen angekauft. Oskar Schürer versuchte sich in der Zeitschrift „Die Kunst für Alle“ an einer Erklärung für das gesteigerte Interesse an einem Maler, der vor seiner Entdeckung bereits 15 Jahre lang tätig gewesen war, und benannte gleichzeitig die dem Œuvre immanente Problematik: Utrillos „heutiges Schaffen“ äußere sich „in unerschöpflicher Produktion, in fast manischer Malwut […]. Noch rauscht eine Vielfalt durch diese immer gleichen Motive der Straßen und Mauern […], daß der Gedanke drohender Monotonie nicht aufkommt“ (Oskar Schürer, Maurice Utrillo, in Die Kunst für Alle, 42. Jg. [1927/1928], S. 160). | Katharina Wippermann

Farbige Formen

Farbige Formen

Das Haus Nummer 15 des Herkulesufers am Berliner Landwehrkanal, heute eine Freifläche zwischen Bauhaus-Archiv und der Villa von der Heydt, gehörte in den frühen 1920er-Jahren zu den Fixpunkten der Berliner Avantgarden. Regelmäßig kamen Künstler wie László Moholy-Nagy, El Lissitzky und Arthur Segal in Buchholz’ dort gelegenem Atelier zusammen. Dieser hatte 1922 damit begonnen, seinen im vierten Stock befindlichen Arbeitsraum nach konstruktivistischen Prinzipien umzugestalten. Gründerzeitliche Elemente wie Bogenfenster und Kachelofen verschwanden hinter Einbauten, die Wände wurden in geometrisch geformte, farbige Flächen unterteilt. Plastische Körper, darunter eine weiße Kugel und goldene Quader, sorgten für eine spannungsreiche Balance. Vor dem Hintergrund dieser innenarchitektonischen Gestaltung entstanden 1922 drei kleinformatige Gemälde auf Glas, die verdeutlichen, dass Buchholz das Quadrat und den Kreis als zentrale Pole seiner Kompositionen begriffen hat. Das Werk „Farbige Formen“ widmete er noch im selben Jahr seinem Freund Arthur Segal, dessen Malerei wesentlich von der prismatischen Zerlegung der Farben, also vom Zusammenhang zwischen Farbe und Licht, ausging – das Geschenk eines durchscheinenden Bildes auf Glas lag hier nahe. Als Segal 1933 zunächst nach Mallorca emigrierte, gab er Buchholz das fragile Werk vermutlich zurück, weshalb dieser es 1953 an die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ verkaufen konnte, über die es schließlich in die Sammlung der Nationalgalerie gelangte. | Nina Schallenberg

Bild 56 (Holländische Mühle)

Bild 56 (Holländische Mühle)

Als eine der ersten Frauen hatte Heemskerck von 1897 bis 1901 die Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag besucht. Nach einjährigem Studienaufenthalt in Paris kehrte sie 1905 in die Niederlande zurück, lernte den Kreis um Piet Mondrian kennen, wandte sich der Anthroposophie zu und ließ sich ab 1913 durch Herwarth Walden und dessen Berliner Galerie Der Sturm vertreten. Im September 1916 begegnete sie dem Medizinstudenten und späteren Psychiater Frederik Willem Zeylmans van Emmichoven. Nach intensiven Gesprächen notierte dieser im Januar 1917 zu ihrem „Bild 56“: „Gedanken über die Arbeit, die Ruhelosigkeit des Geistes. Als Hauptmotiv eine Mühle, einfach, kraftvoll aufgebaut. Die Flügel scheinbar still, darunter jedoch kräftige Kreisbögen, schwarz und orangefarben, die durch ihre wiederholte, abwechselnde Erscheinung Gedanken an unermüdliche Arbeit, an das Durchschwingen der Mühlenflügel hervorrufen. Rund um all dies in Rot und Grün das Spiel der menschlichen Emotionen und der Leidenschaft inmitten des unaufhaltsam fortströmenden Lebens. Zwischen all dem steigt die Mühle empor – in hellem Violett – als Symbol des Wertes der Arbeit, der heiligen und erlösenden Aufgabe der Menschheit. Über den Hintergrund spannt sich schwarz und drohend ein Brückenbogen, dazwischen weisen schlanke, dunkle Spitzen nach oben. Eine Darstellung der aufsteigenden Kraft der ruhelosen Arbeit, und des Glücks und der Ruhe, die sie – vollbracht – gewährt“ (zit. nach Jacoba van Heemskerck, 1876–1923. Eine expressionistische Künstlerin, Ausst.-Kat., Berlin [West]/Stuttgart/Den Haag, 1983, S. 27). | Dieter Scholz

Invasion

Invasion

Richter gehörte zur Film-Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zuvor hatte sich der von der Malerei kommende Künstler 1916 der Dada-Bewegung angeschlossen. Unter dem Einfluss des Konstruktivismus entwickelte er zusammen mit dem Schweden Viking Eggeling ab 1919 erste Ideen zum abstrakten Film. Hierfür fertigte Richter lange, horizontale Rollenbilder an, auf denen er die zeitliche Bewegung von Formen mithilfe der Malerei dynamisch darzustellen versuchte. Diese Experimente mündeten schließlich in „Rhythmus 21“ (1921), ein Schlüsselwerk des abstrakten Films. Ab 1933 floh Richter quer durch Europa, bis ihm 1941 die Emigration in die USA gelang. Nach 15-jähriger Pause von der Malerei entstanden ab 1943 drei Rollenbilder zum Krieg und zur Befreiung von der Naziherrschaft, in denen Richter Collagetechnik und konstruktivistische Bildsprache miteinander verband. „Momentum of Invasion“ konzipierte er zunächst als rein abstraktes Rollenbild. Zu einem späteren Zeitpunkt kürzte er nicht nur den Titel auf „Invasion“, sondern fügte Schlagzeilen, Nachrichten, Fotos und Landkarten ein, die den Kriegsverlauf von der Landung der Alliierten in Frankreich über die Überquerung des Rheins durch US-amerikanische Truppen bis zur Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 nachzeichnen. Kompositorisch versinnbildlichte Richter die Gefechte durch horizontal voranstrebende und vertikal dagegenhaltende geometrische Elemente. Als Zeichen der Hoffnung steht ganz links ein kleines rotes Kreissegment, das immer weiter anwächst. Wahrscheinlich begann der Künstler das Bild 1944. 1946 stellte er es zum ersten Mal aus. Zu diesem Zeitpunkt waren die Zeitungsausschnitte noch nicht eingeklebt. Es trug den Titel „Momentum of Invasion“, war auf 1945/1946 datiert und noch nicht signiert. Wann genau die Collageelemente und die Signatur samt Datierung angebracht wurden, lässt sich nicht ermitteln. In den Katalogen von 1959 ist die Arbeit noch ohne Zeitungsschnipsel reproduziert, trägt den Titel „Dynamische Entwicklung in 3 Sätzen“ und ist mit 1944/1945 datiert. Im italienischen Katalog von 1962 ist sie ebenfalls uncollagiert und unsigniert abgedruckt und wird als „Invasione“ bezeichnet. Die Jahreszahl lautet hier ebenfalls 1944/1945. Richter muss das Bild irgendwann zwischen 1962 und seinem Tod 1976 in den heutigen Zustand gebracht haben. Vermutlich hat er das Jahr 1945 gewählt, um damit auf das Ende des Krieges zu verweisen. | Sven Beckstette

Stillleben

Stillleben

Irritierend ist die Ähnlichkeit dieses 1908 entstandenen Stilllebens mit einem Stillleben von Henri Matisse aus dem Jahre 1910 (Pinakothek der Moderne, München). Beide Bilder zeugen von einem lebhaften Geben und Nehmen sowie von der Rolle Purrmanns bei der Vermittlung der Kunst des Franzosen in Deutschland. 1905 war Purrmann nach Paris gegangen. Hier hatte er sich dem Kreis der Künstler im Café du Dôme angeschlossen. Im selben Jahr entdeckte er die Werke von André Derain und Henri Matisse im Pariser Herbstsalon, wo die umstrittenen Künstler ihren Spottnamen „fauves“ (Wilde) erhielten. Bald lernte er Matisse auch persönlich kennen. Es entstand der Plan einer Académie Matisse, die unter der organisatorischen Leitung Purrmanns 1908 öffnete. Im Atelier der Académie malte er sein Stillleben, das in Komposition und Farbgebung dem späteren Stillleben des Lehrers so verwandt scheint, wozu die schräg von links unten nach rechts oben gleich einer Gebärde drapierte Stoffbahn mit dem gleichen Muster, blaue Ranken auf Weiß, nicht unwesentlich beiträgt. Während jedoch Matisse’ Stillleben von Primärfarben bestimmt wird, ist Purrmanns Gemälde nicht nur konventioneller aufgebaut, sondern auch farblich matter. Im Sommer 1908 reiste Matisse in Begleitung Purrmanns erstmals nach Deutschland. 1910 besuchten sie gemeinsam Hugo von Tschudi, den Direktor der Pinakothek in München. Dieser hatte, vermittelt durch Purrmann, Matisse im Jahr zuvor in Paris kennengelernt und war auch in dessen Atelier gewesen. Gefallen hatten ihm zwei Stillleben, die jedoch bereits vergeben waren. So malte Matisse ein neues, in der zuvor dem Schüler vermittelten Manier. | Angelika Wesenberg