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Lots Töchter

Ident. Nr.: NG 28/76

ObjID: obj:962272

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renato Guttuso (1911 - 1987),
Künstler*in
Datierung
1968
Weitere Titel
Sammlungstitel: Lots Töchter
Originaltitel: Figlie di Lot
Übersetzung: Lot's Daughters
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 170 x 220 cm
Erwerbung
1976 Schenkung des Künstlers zur 'Donation Haftmann'

Objektbeschreibung

Von April bis August 1968 war Guttuso als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg tätig. Während einer Parisreise wurde er Zeuge der politischen Maiunruhen in der französischen Hauptstadt. In diesem Spannungsfeld sind die biblischen Motive zu deuten, die Guttuso 1968 bearbeitete. Im Buch Genesis (Gen 19,16–38) wird die Zerstörung der sündhaften Stadt Sodom geschildert. Lot und seine Töchter bleiben verschont und leben abgeschieden in einer Gebirgshöhle. Als sich die Töchter Kinder wünschen, aber keine anderen Männer zur Verfügung stehen, machen sie ihren Vater betrunken und zeugen mit ihm Nachkommen. Guttuso holte die Handlung in die Gegenwart und verlegte sie in einen Schuppen, durch dessen Öffnung ein blutroter Himmel zu sehen ist. Zwischen einem Autoreifen rechts und einer (zeichnerisch nur angedeuteten) Weinflasche mit Trinkschale links liegt Lot nackt auf einer Luftmatratze, während eine der Töchter zu ihm herankriecht und die andere zuschaut. Im ersten Entwurf (Kunsthalle Bremen) ist das Gesicht der Beobachterin noch fratzenhaft verzerrt, in der Endfassung dagegen von ihrem Haarschopf verdeckt. Ihre Pose ähnelt einem Pin-up, und ohne das Wissen um den biblischen Hintergrund wäre die Szene auch deutbar als einvernehmlich erotisches Vorspiel und das Werk damit ein Zeitzeugnis der sexuellen Revolutionsbestrebungen. Dass der Kommunist Guttuso mit dem Motiv des Inzests eine Kritik der als bürgerlich-dekadent empfundenen kapitalistischen Gesellschaft im Sinn hatte, lässt sich nur über den Bildtitel erschließen. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson