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Anklagende

Ident. Nr.: B I 649

ObjID: obj:962313

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1947/1948 (Guss 1951)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Anklagende
Übersetzung: Accuser
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 257 x 80 x 93 cm
Erwerbung
1952 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Zu Cremers ersten Werken nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten Denk- und Mahnmale für die Opfer des NS-Regimes. Als Kommunist stand er vielen politisch verfolgten Menschen nahe, auch wenn er persönlich keinen gewaltsamen Repressionen ausgesetzt war. Er war 1940 eingezogen und in Griechenland eingesetzt worden, gegen Ende des Krieges Gefangener in Jugoslawien. Nach seiner Freilassung ging er nach Wien, wo seine damalige Lebensgefährtin, die österreichische Tänzerin Hanna Berger, lebte. Von 1947 bis 1950 entwarf Cremer mindestens sechs Denkmale. Das „Mahnmal für die Opfer für ein freies Österreich 1934–1945“ (1947/1948, Wien, Zentralfriedhof), war den Verfolgten der Rechten und Nationalsozialisten gewidmet. Diese Arbeit weckte das Interesse des Direktors der Nationalgalerie und der Staatlichen Museen zu Berlin, Ludwig Justi. Im September 1951 erreichte Cremer die Anfrage, ob zwei Figuren vom Wiener Mahnmal für das wiederhergestellte Treppenhaus der Nationalgalerie in Bronze gegossen werden könnten. Die ausgewählten Figuren, die „Anklagende“ (B I 649) und die „Trauernde“ (B I 648), stehen solide auf beiden Füßen und tragen lange Gewänder, die ihnen etwas Zeitloses und Universelles verleihen. Sie verkörpern unterschiedliche Reaktionen auf das NS-Regime. Die „Anklagende“ blickt mit ernster Miene geradeaus, den rechten Arm über den Kopf erhoben, als wollte sie gleich mit dem Finger auf eine schuldige Person zeigen. Die „Trauernde“ dagegen hält ihre Hände vor das gesenkte Haupt; sie basiert auf einer Figur in Cremers „Trauernde Frauen (Gestapo)“ von 1936 (B III 32) und der Plastik „Trauernde“ von 1937/1938 (Gerd Brüne, Pathos und Sozialismus, Weimar 2005, Abb. S. 37). Zwischen den Figuren der in sich verschlossenen Trauer und der nach außen gerichteten Aktion besteht ein gewisses Gleichgewicht. Im Jahr 1954 standen die überlebensgroßen Figuren links und rechts in der Vorhalle des ersten Geschosses der Nationalgalerie auf der Museumsinsel (Berlin, Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, ZA 2.17.1./00930 und ZA 2.17.1./00931). Der ursprüngliche Bezug der Figuren auf die Verbrechen des NS-Regimes war an dem Standort nicht mehr erkennbar. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Badende

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Die Statue scheint 1909 für einen mehrfigurigen Brunnen konzipiert worden zu sein, was den Titel „Badende“ erklärt. Um 1910 wurde jedoch nur eine einzelne Bronzefigur hergestellt, die an der Fassade eines 1910/1911 errichteten Miets- und Geschäftshauses in der Hardenbergstraße 1 in Berlin-Charlottenburg ihre Aufstellung fand. Der Eigentümer dieses „Haus am Knie“ genannten Gebäudes und damit auch der Figur war der Architekt und Immobilienunternehmer Arthur Vogdt. Die Fassade hatte der junge Bruno Taut entworfen. Die Statue stand auf einem hohen Sockel am Eingang des Hauses; ihre auffallende Drehung war auf diesen Standort abgestimmt. Wegen eines Schreibens des Bildhauers Richard Scheibe wurde die Figur früher auf 1904/1905 datiert; das trifft jedoch genauso wenig zu wie die Datierung um 1906 (Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914, Ausst.-Kat. Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin, 1990, Nr. 124). Die Angabe „um 1910“ dagegen entspricht der Bauzeit des Hauses. Damals schuf Kolbe auch eine große Frauenstatue nach dem Modell der späteren Bildhauerin Renée Sintenis (Georg Kolbe, 1877–1947, Ausst.-Kat. Georg Kolbe Museum, Berlin, 1997, Abb. S. 27). Wegen der Proportionen, der aufgerichteten Haltung und des herben Gesichts dürfte die „Badende“ nach demselben Modell entstanden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Haus am Knie“ zerstört. Die Statue gelangte in den Besitz von Kurt Reutti, der zahlreiche Kunstwerke aus Berliner Kriegsruinen rettete. 1957 war die Bronze eine der ersten Erwerbungen für die Nationalgalerie (West). | Ursel Berger

Mädchen aus Xanten

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Der Düsseldorfer Bildhauer Zimmermann schuf Plastiken für den öffentlichen Raum und für Kirchen. Er hatte an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Alexander Zschokke studiert; kurzzeitig lebte er in Berlin (1932/1933) und Kassel (1936). Während der NS-Zeit war er beruflich erfolgreich. Das „Mädchen aus Xanten“ schuf er wohl im Auftrag der Xantener Dombauhütte. Es existierte eine Fassung aus Ton, deren Verbleib unbekannt ist. Die Bronze befand sich bereits 1937, im Jahr ihrer Entstehung, im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin. Damit changierte die Wahrnehmung der Figur: zwischen der Lesart in einem religiösen Zusammenhang und der als ideologisch geprägte, politisch sanktionierte Darstellung, die offenbar geeignet erschien, ein nationalsozialistisches weibliches Ideal zu repräsentieren. Das „Mädchen“, das eher nach einer herangereiften jungen Frau aussieht, steht solide in Lebensgröße da, die Form ist einfach und glatt. Unter der eng anliegenden Kleidung zeichnen sich die weiblichen Konturen deutlich ab, ohne Erotik auszustrahlen; die Gestalt ist kräftig, aber nicht muskulös, der Kopf mit einem Tuch bedeckt. Das Werk war wohl nie in Berlin öffentlich ausgestellt; nach 1945 geriet es, höchstwahrscheinlich aufgrund seines Besitzes durch eine NS-belastete Institution, in völlige Vergessenheit. In den 1970er-Jahren wurde es im Keller des Pergamonmuseums in einer Holzkiste gefunden und 1980 der Nationalgalerie (Ost) übergeben. | Emily Joyce Evans