Logo

Stehender Jüngling

Ident. Nr.: B 1132

ObjID: obj:962411

1980 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Hofer (1878 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1907
Weitere Titel
Sammlungstitel: Stehender Jüngling
Übersetzung: Boy Standing
Provenienz
Leihe: (im unfertigen Zustand) Theodor Reinhart, zur Ansicht,
1903
Tausch: Theodor Reinhart,
Januar 1912 - 1919
Nachlass/Vermächtnis: Erben von Theodor Reinhart,
1919
Nachlass/Vermächtnis: Sammlung Oskar Reinhart, Winterthur,
1965
Galerie Pels-Leusden, Berlin,
1979–1980
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 122 x 78 cm
Erwerbung
1980 Ankauf von der Galerie Pels-Leusden, Berlin, durch das Land Berlin aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie

Objektbeschreibung

1901 lernte der an der Karlsruher Kunstakademie studierende Hofer den in Winterthur ansässigen Kaufmann Theodor Reinhart kennen, der kurz darauf zu seinem wichtigsten Förderer wurde. Reinhart ermöglichte dem Künstler 1903 einen mehrjährigen Studienaufenthalt in Rom, wo einige Akte in antikisierenden Posen entstanden, darunter das Bild des anmutigen jungen Mannes im klassischen Kontrapost. Hofer zeigte sich beeindruckt von „Form und Schönheit der Einfachheit, Anstand und würdevolle[r] Haltung“ seiner italienischen Modelle (Karl Hofer, Erinnerungen eines Malers, Berlin [West] 1953, S. 96). Seine Kunst war zu dieser Zeit stark durch die Werke der neuidealistischen Deutschrömer beeinflusst. Insbesondere in den arkadischen Bildkompositionen und der tonigen Modulation der Figuren von Hans von Marées erkannte Hofer eine ihm verwandte neuklassische Haltung. Reinhart hatte 1903 vertraglich festgehalten, den Künstler für fünf Jahre zu finanzieren und im Gegenzug jährlich alle neuen Ölbilder zur Ansicht zu bekommen, von denen er jeweils drei behalten dürfe. Hofers „Stehender Jüngling“ war eines der ersten Gemälde, die der Maler an den Sammler schickte, im noch unfertigen Zustand. Anschließend ging das Werk an Hofer zurück, der es erst 1907 vollendete. 1912 erwarb es Reinhart schließlich, im Tausch gegen ein anderes Hofer-Gemälde aus seinem Besitz. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson