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Buch-Collage

Ident. Nr.: NG 18/80

ObjID: obj:962589

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Jiří Kolář (1914 - 2002),
Künstler*in
Datierung
1973
Weitere Titel
Sammlungstitel: Buch-Collage
Übersetzung: Gravestone of Pure Poetry
Material / Technik
Collage-Objekt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 98 x 72,5 x 10 cm
Erwerbung
1980 Schenkung der Galerie Johanna Ricard, Nürnberg

Objektbeschreibung

Im Zuge der raschen Entwicklung des Surrealismus in der Tschechoslowakei wurden in den 1930er-Jahren viele Menschen autodidaktisch Künstler*innen. Dazu gehörte auch Kolář, der als gelernter Tischler in verschiedenen handwerklichen Berufen gearbeitet hatte. Ab 1934 schrieb er experimentelle visuelle Gedichte und schuf Collagen, die sich durch Gegensätze und die Montage von Texten und Bildern auszeichnen. Kolář empfand das Zerreißen und Zerschneiden von Reproduktionen und Texten nie als Destruktion, sondern als eine Kritik an der Sprache und dem Glauben an ihr Potenzial, die Wirklichkeit abzubilden. Während der Stalin-Ära war er inhaftiert, weil seine künstlerische Strategie das Vertrauen in die Propaganda untergraben haben könnte. Er spielte oft mit Unlesbarkeit als Phänomen, das die visuelle Seite der Schrift und die assoziative, poetische Kraft der Sprache betont. Für seine Serie „Buch-Collagen“, die er „Chiasmage“ nannte, nutzte er jeweils einen Text (bzw. ein Buch oder ein Bild), den er in gleichgroße Fetzen zerlegte und neu komponierte. Das Buch-Objekt der Nationalgalerie ist überdimensioniert. Einband und Rücken sind dicht mit ausgeschnittenen anatomischen, astrologischen und kartografischen Motiven aus einem Atlas oder einem Kompendium des Allgemeinwissens beklebt. In dieser Weise stellte Kolář den Mikrokosmos des menschlichen Körpers dem Makrokosmos gegenüber. Das Buch kann nicht geöffnet werden: Es ist unlesbar, ein Verweis auf die Intransparenz des Wissens und Kolářs mangelndes Vertrauen in die Sprache, das Symbol des Logozentrismus. | Marta Smolińska

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson