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Geschlagener Jude

Ident. Nr.: B III 161

ObjID: obj:962681

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Theo Balden (1904 - 1995),
Künstler*in
Datierung
1943
Weitere Titel
Sammlungstitel: Geschlagener Jude
Übersetzung: Beaten Jew
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1976
Material / Technik
Blei und Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 44 x 25 x 32 cm
Erwerbung
1976 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Im Januar 1942 hatten Vertreter der nationalsozialistischen Regierung auf der Wannsee-Konferenz in Berlin die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Damit erreichte die Verfolgung, Deportation und Vernichtung von Juden im Deutschen Reich und den von ihm besetzten Gebieten eine neue grausame Dimension. Sicher ist es kein Zufall, dass Balden kurze Zeit später, 1943, seine eindringliche Plastik „Geschlagener Jude“ schuf. Eindeutig hat der Bildhauer den von ihm gestalteten Kopf durch den traditionellen Bartwuchs sowie die stereotype Darstellung mit buschigen Augenbrauen und großer Nase als Juden ausgewiesen. Durch die unregelmäßige, expressiv gestaltete, eingedrückte Gesichtspartie mit aufgequollenen Augenlidern, den demütig gesenkten Blick und die deformierte Kopfform werden eindringlich das Leid und die Demütigungen visualisiert, welche die europäischen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus zu erleiden hatten und die mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs immer grausamere Züge annahmen. Diese Entwicklungen waren auch im Ausland nicht unbemerkt geblieben. Balden, der nach England emigriert war, gehörte zu den ersten Künstlern, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzten. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp