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Kamminke, geteerte Netze

Ident. Nr.: A IV 418

ObjID: obj:962845

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Otto Niemeyer-Holstein (1896 - 1984),
Künstler*in
Datierung
1942
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kamminke, geteerte Netze
Übersetzung: Tarred Nets in Kamminke
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 21 x 30 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Künstler aus Mitteln des Kulturfonds der DDR.

Objektbeschreibung

1933 zog sich Niemeyer-Holstein, von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt, an die Ostsee zurück, wo er sich schließlich bei Koserow auf Usedom niederließ. Als Wohnraum diente ihm zunächst ein Waggon der Berliner Stadtbahn, den er nach und nach um Anbauten ergänzte. Wie zuvor in seinen Stillleben (vgl. „Staubwedel mit Flasche“, A IV 416) entschied sich der Maler auch bei Ansichten nach der Natur für die Darstellung unspektakulärer Motive – nunmehr mit breitem und lockerem Pinselstrich. Und auch hier entwickelt der Bildgegenstand, im vorliegenden Gemälde eine mit Holzteer imprägnierte Reuse, ein wundersames Eigenleben. Wie ein semitransparenter Wurm mit großen dunklen Gliedern zieht sich das Netzgebilde fast durch die gesamte Komposition. Spezifische Hinweise auf den Ort des Geschehens fehlen. Lediglich der Titel verrät, dass es sich um das rund dreißig Kilometer südöstlich von Koserow gelegene Kamminke handelt. Heute befindet sich das Dorf kurz vor der Grenze zu Polen. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson