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50 Jahre Oktoberrevolution

Ident. Nr.: B III 232

ObjID: obj:962986

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Datierung
1972-1977
Weitere Titel
Sammlungstitel: 50 Jahre Oktoberrevolution
Übersetzung: 50th Anniversary of the October Revolution
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 54,5 x 25 x 31,5 cm
Erwerbung
1985 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Die Figur des „Aufsteigenden“ beschäftigte Cremer über mehr als zehn Jahre. Eine kleinere Studie (B III 157) zeigt die Grundidee, nach der der Mann mit seinem ganzen Körper emporstrebt und dabei einen Arm weit nach oben ausstreckt. Der andere Arm bleibt angewinkelt, der Kopf gesenkt wie in großer Konzentration oder unter Anstrengung. Es ist ein Moment angehaltener Bewegung. Die monumentale Ausführung hat einen erweiterten Titel, der zugleich eine Lesart vorgibt: „Den um ihre Freiheit kämpfenden Völkern gewidmet“ (B III 207). Das Streben nach Freiheit ist das Streben himmelwärts. Das Werk lässt sich anhand der weltpolitischen Situation zur Zeit der Entstehung einordnen. Im Dezember 1960 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 1514 (XV) verabschiedet, in der es heißt: „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung; kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihren politischen Status und verfolgen frei ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“ Von 1960 bis 1969 wurden über 40 ehemalige Kolonien souverän; die angesprochene Freiheit in Cremers Titel passt zu dieser Entwicklung. 1973 wurden die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland in die Vereinten Nationen aufgenommen, und die DDR schenkte der Organisation aus diesem Anlass den ersten Guss des „Aufsteigenden“. Cremer verwendete die Figur des aufsteigenden Mannes erneut im Denkmalentwurf „50 Jahre Oktoberrevolution“ (B III 232). Zum 1. Mai 1972 hatte er einen Vertrag mit dem Kulturfonds der DDR abgeschlossen, für ein Honorar von 120.000 Mark plus Gusskosten fünf überlebensgroße Figuren zum „Aufsteigenden“ zu entwickeln (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 301). Sein gedanklicher Ausgangspunkt war, dass eine Figur je ein Jahrzehnt seit der Russischen Revolution von 1917 repräsentieren sollte (ebd.). Die unterste, also erste Figur liegt auf dem Boden, dann reckt sie sich, steigt in zwei Phasen langsam empor, bis die ausgestreckte rechte Hand des „Aufsteigenden“ in der fünften und obersten Figur den Höhepunkt erreicht. Jahre später erinnerte Cremer sich an eine negative Kritik des ostdeutschen Kunsthistorikers Peter Feist: Die Figur müsse „aufgestiegen“ sein, denn „Völker steigen objektiv auf“ (ebd.). Diese Notizen gewähren einen Einblick in die Rezeption der Kunst gemäß marxistisch-leninistischer Doktrin: Nach diesem positivistischen Weltbild ist die Entwicklung der Völker in einer bestimmten (sozialistischen, befreienden) Richtung quasi ein Naturgesetz. So gesehen müsste der Bildhauer den Erfolg des Aufstiegs und nicht den Kampf auf dem Weg zu diesem Ziel zeigen. Cremer wollte jedoch das Prozesshafte und die Entwicklung des Menschen zeigen und bei den Betrachtenden die Auseinandersetzung damit fördern. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson