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Die Wächter

Ident. Nr.: A IV 411

ObjID: obj:962995

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Hofer (1878 - 1955),
Künstler*in
Datierung
1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Wächter
Übersetzung: The Watchmen
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 152 x 127 cm
Erwerbung
1980 Ankauf von den Erben Karl Hofers, Familie Müller, Dresden, aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Zu Hofers Werk gehören sowohl zahlreiche Selbstporträts als auch vielfach Darstellungen von Rufern, Trommlern, Bläsern, Wächtern, Spähern und anderen Personen, die Aufgaben des Warnens, Aufklärens oder Weckens wahrnehmen. Vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte sowie der gesellschaftskritischen Einstellung des figurativen Malers und persönlichen Schicksalsschlägen sind solche Figuren metaphorisch, als Sinnbilder des mahnenden Beobachtens soziopolitischer Verhältnisse zu verstehen. „Der Künstler ist eben ein Seismograph, der das Unheil vorausregistriert“, schrieb Hofer 1947 (Brief an Hans-Carsten Hager, zit. nach Kassandra. Visionen des Unheils 1914–1945, Ausst.-Kat., Berlin, 2008, S. 19). Es verwundert deshalb nicht, dass viele der Gestalten in Hofers Bildern dem Maler physiognomisch ähneln – so auch „Die Wächter“. Stumm frierend starren die drei einsamen Feldhüter in die Ferne, jeder in eine andere Richtung. Ihre Blicke sind so leer und düster wie die unheilschwangere Öde der nächtlichen Winterlandschaft, in die man sie postiert hat. Sie halten Speere bereit für eine mögliche Verteidigung; eine Trompete zur Warnung oder zum Kampfaufruf liegt in Reichweite am Boden. Erinnerungen an Hofers dreijährige Internierung als Kriegsgefangener in Frankreich während des Ersten Weltkriegs schwingen in diesem 1936 entstandenen Bild ebenso mit wie seine Erfahrungen als verfemter Künstler im nationalsozialistischen Deutschland. 1934 mit Mal- und Berufsverbot belegt und aus der Hochschule in Berlin entlassen, war er – wie die Wächter – in jenen Jahren zu Untätigkeit, Einsamkeit und seelischem Rückzug verdammt. | Christina Thomson

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson