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Knabenbildnis

Ident. Nr.: A IV 60

ObjID: obj:963020

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Völker (1889 - 1962),
Künstler*in
Datierung
1927
Weitere Titel
Sammlungstitel: Knabenbildnis
Übersetzung: Portrait of a Boy
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
367589
Nachlass/Vermächtnis: Horst Völker, Halle/Saale,
1963–1965
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 48 x 37,5 cm
Erwerbung
1965 Ankauf aus dem Nachlass vom Sohn des Künstlers

Objektbeschreibung

In der ersten Hälfte der 1920er-Jahre vollzog sich im Werk Völkers eine Abkehr von expressionistischen Stilelementen oder ihre Weiterentwicklung hin zur Neuen Sachlichkeit (nach dem suggestiven Titel der Mannheimer Ausstellung von Gustav Friedrich Hartlaub 1925). Neben stark vereinfachenden Holzschnitten etwa für die Zeitschrift „Das Wort“, für die auch Künstler wie George Grosz, Gerhard Marcks, Frans Masereel, Erich Heckel und Heinrich Zille arbeiteten, entstanden in dieser Zeit die wichtigen Industriebilder Völkers mit Fabrikanlagen oder Bahnhöfen. Die Wendung zur Sachlichkeit zeigt sich auch deutlich im „Knabenbildnis“ von 1927. Im Gegensatz zum „Spielenden Kind“ von 1919 (A IV 608) ist das Porträt in altmeisterlicher Manier mit streng kontrollierten Öllasuren über einer Hell-Dunkel-Anlage in Temperafarbe gemalt, zum Teil über pastose, strukturgebende Weißuntermalungen. Das Motiv hat der Künstler mit messerscharfen Konturen und einem unerbittlichen Realismus erfasst, die nicht auf Schönheit, sondern auf Wahrhaftigkeit zielen. Über die Person des Wiedergegebenen ist nichts bekannt; im Museum Junge Kunst in Frankfurt/Oder findet sich die Darstellung eines Mädchens mit rotem Kleid aus demselben Jahr in der Art eines Gegenstücks. Verwandt sind auch die nicht mehr erhaltenen Wandbilder mit Kinderdarstellungen im Kinderkurheim Bad Frankenhausen, die Völker ebenfalls 1927 ausgeführt hat. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson