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Leuna 1969

Ident. Nr.: A IV 246

ObjID: obj:963029

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willi Sitte (1921 - 2013),
Künstler*in
Datierung
1967-1969
Abmessungen
Höhe x Breite: 275 x 490 cm
Erwerbung
1970 Ankauf vom Künstler, Halle/Saale, aus Mitteln des Ministeriums für Kultur der DDR

Objektbeschreibung

Das 275 × 490 Zentimeter messende Monumentalbild „Leuna 1969“ ist das Pendant zu dem im Jahr zuvor fertiggestellten „Leuna 1921“ (A IV 241). Anders als dort gab Sitte hier ein positives Bild vom Leben im Sozialismus. Leuna galt als Vorzeigewerk für die Petrolindustrie, die für Fortschritt und Moderne in der DDR stand. Sittes Gemälde sollte das Chemiewerk und das damit verbundene Erfolgsversprechen triumphal inszenieren. Wie auch bei „Leuna 1921“ nutzte er die künstlerische Form des Simultanbildes und setzte verschiedene Themen und Erzählstränge nebeneinander. Mit expressiven künstlerischen Mitteln und indem er sich Techniken der Werbegrafik und Motiven aus dem Alltag bedient, entwirft Sitte ein optimistisches Zukunftsbild der arbeitenden Klasse in der DDR. Die schweißtreibende körperliche Arbeit ist von der Tätigkeit am Schaltpult abgelöst worden, durch die die Geschicke des Betriebs im Einklang zwischen Arbeit, Partei und Wissenschaft gelenkt wird. Links und rechts von dieser zentralen Szene beschreibt Sitte den Wiederaufbau der Leunawerke nach dem Zweiten Weltkrieg sowie deren Modernisierung und Technisierung mit Unterstützung der Sowjetunion. Dieser Fortschritt führt zu der in der rechten Bildhälfte dargestellten, lachenden Familie. Die politische Botschaft ist eindeutig: Die gelungene Wirtschaftspolitik der DDR bringt glückliche Bürger*innen hervor. Inhaltlich folgt Sitte damit ganz den Vorgaben des Sozialistischen Realismus, nutzt dafür aber eine dynamische, expressive Bildsprache sowie Motive und Themen aus den Massenmedien. Diese formalen Freiheiten waren in der DDR nur denjenigen Künstler*innen gestattet, die sich eindeutig zum politischen Programm der SED bekannten. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp