Logo

Arbeiter mit Kind

Ident. Nr.: NG 54/80

ObjID: obj:963097

Schenkung Pressestiftung Tagesspiegel
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Hoetger (1874 - 1949),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1927/1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Arbeiter mit Kind
Übersetzung: Worker with Child
Provenienz
verm. im Besitz des Künstlers,
1949
Nachlass/Vermächtnis: Sammlung und Nachlass Helene (Lee) Hoetger, Berlin,
1949 - um 1980
Graphisches Kabinett Wolfgang Werner KG, Bremen,
1980
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 77 x 20 x 26 cm (inkl. Plinthe)
Erwerbung
1980 Schenkung Pressestiftung Tagesspiegel, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Sechs vergrößerte Güsse von Hoetgers achtteiligem Figurenzyklus „Lebensstufen unter der Last schwerer Arbeit und Not“ (1927/1928) wurden an der Fassade des Bremer Volkshauses angebracht, ein Gewerkschaftshaus, das zwischen 1926 und 1928 nach Plänen des Architekten Richard Jansen entstand. Das Gebäude stellte ein wichtiges Symbol der Bremer Arbeiterbewegung dar, deren kulturelles und politisches Selbstverständnis damit zum Ausdruck kam. Die Art und Weise der Eingliederung der Figuren in die Fassade und ihre extremen Erscheinungsformen, die auf die Missstände der Zeit aufmerksam machten, waren zur Zeit der Anbringung Gegenstand heftiger Kritik in der Presse, sowohl von bürgerlicher Seite als auch vonseiten der Arbeiterschaft, die sich nicht angemessen repräsentiert sah. Die sechs kleineren Ausführungen in der Nationalgalerie symbolisieren die verschiedenen Lebensalter von Männern und Frauen, deren Leid unter Armut und schwerer Arbeit deutlich sichtbar ist: ein ausgehungerter Junge (NG 51/80) und ein Mädchen (NG 53/80), eine stillende Mutter mit einem weiteren Kind (NG 2/87), eine alte, bucklige Frau (NG 52/80) und zwei Männer (NG 1/87), davon einer mit Kind (NG 54/80). Sie sind alle deutlich vom Leben gezeichnet, wobei der Künstler ihre charakteristischen Merkmale teils bis zur Entstellung überbetont hat. Vor allem die beiden Männer und die alte Frau weisen eine raue Oberflächengestaltung auf, die ihre Haut wie übersät mit Geschwüren und Narben erscheinen lässt. Hoetger hatte bereits 1912/1913 für das Volkshaus in Bern einen Figurenzyklus geschaffen, der jedoch nicht annähernd von einem solch sozialkritischen Gestus gekennzeichnet war. 1933 wurden die Figuren in Bremen von den Nationalsozialisten abgenommen und größtenteils zerstört. Nach schwerer Beschädigung des Klinkergebäudes 1944 folgte schon 1949/1950 dessen Wiederaufbau. Seit 1979 sind auch die von dem Bildhauer Manfred Lohrengel nachgegossenen Figuren an der Fassade wieder zu sehen. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Italienische Landschaft

Italienische Landschaft

1905 reiste Großmann erstmals nach Paris, wo er mit Unterbrechungen acht Jahre lang blieb. Hier gehörte er zum Künstlerkreis des Café du Dôme und schloss mit Hans Purrmann, dem Begründer der Matisse-Schule in Paris, eine lebenslang währende Freundschaft. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs trafen sich viele der „Dômiers“ in Berlin wieder, so auch diese beiden. 1922/1923 weilte Großmann in Italien, zeitweise gemeinsam mit Purrmann, danach lebte er wieder in Berlin. Zeichnungen und Lithografien von Großmann zum Thema Italien erschienen 1925 in zwei Kunstmappen, jeweils mit einem Text von Annette Kolb: „Veder Napoli e partire. Italienische Reiseskizzen“ im Pontos-Verlag und „Spitzbögen“ bei S. Fischer. Die Ansicht einer Sitzenden auf dem Balkon, die in eine Landschaft mit einem See vorn und Bergen im Hintergrund schaut, zeigt aber vermutlich nicht die Schriftstellerin, sondern Großmanns junge Gattin. Seine Malweise ist stets durch eine zeichnerische Situationserfassung gekennzeichnet. Ludwig Justi schätzte an Großmann, dass „dessen Malerei durch ihre spielende Leichtigkeit und Durchsichtigkeit einer bestimmten Einstellung des heutigen Großstädters entspricht, der wir auch sonst begegnen. Seine Begabung ist nicht nur auf das Ölbild gerichtet; er zeichnet viel, gern Bildnisse, mit Hang zum Karikieren“ (Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 95). In der Nationalgalerie wurden 1937 fünf Arbeiten Großmanns als „entartete Kunst“ beschlagnahmt, ein Schicksal, dem dieses Italien-Gemälde und einige Zeichnungen entgingen. | Angelika Wesenberg

Frühlingsfest

Frühlingsfest

Reges Treiben herrscht auf einer Wiese an einem Fluss. Mehrere kleine Grüppchen größtenteils unbekleideter Männer und Frauen sind in erotischer Zweisamkeit zu sehen. Dabei erscheinen vor allem die männlichen Figuren als raue Gestalten, während die Frauen ihnen gegenüber zurückhaltend wirken. In der Mitte des Geschehens schreitet, offenbar unbeeindruckt von den Vorgängen, die Frühlingsgöttin. Sie hält einen Blumenstrauß in der Hand und blickt die Betrachter:innen an, während sie Blüten zwischen den Pärchen verteilt. Aus einem Busch vorn links trägt ein satyrhafter Flötenspieler die Musik zur Szene bei. Die Malweise tendiert ins Pointillistische, wodurch nicht nur die Figuren als in Bewegung begriffen erscheinen, sondern mit ihnen die gesamte Natur. Das signierte Bild ist Degners Frühwerk zuzuschreiben, in dem er noch der antikisierenden Romantik des Symbolismus verpflichtet war. Thematisch und stilistisch erinnert es an das „Bacchanale“ (Landesmuseum Hannover), wie es Lovis Corinth 1896 dargestellt hatte und Degner es selbst 1915 in einem Gemälde („Bacchantenzug“, vgl. Degner, 1888–1972: Arthur Degner – Malerei, Graphik, Plastik, Ausst.-Kat., Berlin, 2014, S. 28) als Motiv wählte. Corinth zählte zu Degners Förderern. Er ermöglichte dem 30 Jahre jüngeren Maler die Teilnahme an Werkschauen der Berliner Secession ab 1911 – im selben Jahre wurde Degner deren Mitglied –, woraufhin 1912 seine erste Einzelausstellung in der Galerie Paul Cassirer folgte. Folglich dauerte es nicht lange, bis seine Werke in renommierten Kunstzeitschriften wie „Kunst und Künstler“, „Der Cicerone“ oder „Pan“ besprochen wurden. | Anja Pawel

Komposition: Die Taube

Komposition: Die Taube

Ab 1909 war der Italiener Severini eines der führenden Mitglieder der Futuristen gewesen. Von deren Formensprache ist diese „Komposition“ jedoch weit entfernt. Vielmehr steht das Bild für die Rückbesinnung auf das klassische Erbe und die „Rückkehr zur Ordnung“ der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, die auch Severinis 1921 in Paris veröffentlichtes Buch „Du cubisme au classicisme“ verdeutlicht: eine Verbindung zwischen der Moderne und dem klassischen Erbe. Anfang der 1930er-Jahre schuf Severini mehrere Gemälde, die in Komposition und Motivwahl ähnlich sind und diese Beziehung zwischen Kubismus und Klassizismus auf den Punkt bringen (WVZ Fonti 1988, 507–524). Zeigen die ersten acht jener Bilder im Hintergrund noch erkennbare Stadtansichten, tritt in weiteren zehn eine Fantasielandschaft an deren Stelle – so auch im Werk der Nationalgalerie. Im Vordergrund hat Severini ein kubistisch anmutendes Stillleben aus Gefäßen, einem Saiteninstrument, Trauben, beschriebenen Blättern und einer Taube arrangiert. Nach links und rechts ist eine Art dichte Wolkendecke wie ein Vorhang zur Seite gezogen, um den blauen Himmel freizugeben. Davor stehen antik aussehende Architekturfragmente: ein blockhaftes Tor, eine klassizistische Ruine mit Säulen und dahinter eine graue Fläche mit der Zeichnung eines antik wirkenden Frauenaktes, alles in ganz unterschiedlichen Maßstäben und Dimensionen. Vorder- und Hintergrund haben keinen räumlichen, sondern einen gedanklichen Bezug zueinander. | Emily Joyce Evans

Doppelbildnis 
Verso: Skizze (drei Akte)

Doppelbildnis Verso: Skizze (drei Akte)

In seinem „Doppelbildnis“ zeigt sich Pechstein mit seiner damaligen Freundin, der 17-jährigen Charlotte Kaprolat (1893–1965). Als wichtigstes Modell des Malers nimmt sie auf zahlreichen Figurenbildern der Jahre 1909 bis 1913 eine zentrale Position ein. Doch der selbstbewusste Blick des Künstlers und sein stattlicher Aufzug geben unmissverständlich zu erkennen, dass dieses Mal er die Hauptperson ist. Lotte dagegen verschmilzt in ihrem gelben Kleid nahezu mit dem Wandbehang im Hintergrund. Es ist kein Zufall, dass sich der künstlerische Rebell Pechstein im Sommer 1910 durchaus bürgerlich darstellte. Der 28-jährige Maler war kurz zuvor, am 11. Mai, zum Präsidenten der Neuen Secession gewählt worden und galt als Sprachrohr all jener, die sich nach der Zurückweisung ihrer Arbeiten durch die Berliner Secession zusammengeschlossen hatten. Lotte stand Pechstein auch für sein legendäres Ausstellungsplakat der Neuen Secession mit der Darstellung einer mit Pfeil und Bogen bewaffneten Amazone Modell. Anders als auf diesem „Secessionslogo“, das im selben Jahr entstand, wirkt Lotte im „Doppelbildnis“ jedoch eher schüchtern und zurückhaltend. Künstler und Modell waren im Sommer 1910 seit anderthalb Jahren ein Paar. Sie heirateten Ende März 1911, zehn Jahre später wurde die Ehe geschieden. Das „Doppelbildnis“ verblieb als Erinnerung an die glücklichen Tage der Beziehung in Pechsteins Besitz, wurde aber von seiner zweiten Frau Martha nicht gern gesehen. So überließ es der Maler in den 1920er-Jahren seinem engen Freund, dem Kunsthistoriker und Kunsthändler Eduard Plietzsch, von dessen Witwe Mica die Nationalgalerie (West) es 1966 erwarb. | Aya Soika

Stahl 4/63

Stahl 4/63

Hauser absolvierte von 1945 bis 1948 eine Lehre als Stahlgraveur und belegte ab 1949 Kurse an der Freien Kunstschule Stuttgart. Bald gewann er Preise für seine Arbeiten: 1953 den Kunstpreis der Jugend, 1963 den Kunstpreis „Junger Westen“ in Recklinghausen, 1969 den Großen Preis der X. Kunstbiennale von São Paulo. Er nahm dreimal an der Documenta teil. „Stahl 4/63“ (NG 60/85) gehört zur Gruppe der freistehenden Plastiken, die Hauser von 1962 bis 1967 aus Edelstahl schuf, gleich betitelte und durchnummerierte. Die Form ist auf den ersten Blick abstrakt und schwer definierbar. In Begriffen der Geometrie ist dieses Objekt mit seinen unregelmäßigen Flächen, Kanten und Winkeln nicht zu fassen. Die Oberfläche zeigt Spuren der Bearbeitung wie Unebenheiten und Kratzer. Sie lassen den Stahl umso massiver erscheinen, wie ein Wesen, das nicht nachgibt. Die Arbeit war im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie aufgestellt, ohne Sockel oder Plinthe direkt auf dem grauen Granit. Das Werk ohne Titel, das Hauser fast 20 Jahre später schuf, besteht ebenfalls aus Stahl (FNG 23/82). Der Glanz der glatt polierten Oberfläche, die Aufhängung an der Wand und die präzisen Formen – der Kreis als Grundform, in der Mitte wie von einem scharfen Keil durchtrennt, der auf eine Spitze zuläuft, – lassen es graziler und leichter erscheinen als „Stahl 4/63“. Beide Skulpturen fordern die Betrachtenden dazu auf, sich in aller Offenheit hinsichtlich der Deutung mit dem Material Stahl und dessen Wirkkraft auseinanderzusetzen. | Emily Joyce Evans

Clown (Der leere Zirkus)

Clown (Der leere Zirkus)

Nach expressionistischen Anfängen wandte sich Zeller in den 1920er-Jahren der Neuen Sachlichkeit zu. Von 1921 bis 1924 unterrichtete er als Lehrer für Grafik an der Staatlichen Kunstschule Dorpat (heute Tartu in Estland), danach war er freischaffend tätig. In dieser Zeit entstand das vorliegende Gemälde. Soeben war in Deutschland der Höhepunkt der Hyperinflation überschritten. Vor diesem Hintergrund ist das Motiv des „Artisten“, der in heilig-komischem Stolz seinen Auftritt vor nahezu leeren Rängen absolviert, unschwer als bittere Parabel auf die Existenz des Künstlers zu erkennen. Der Reiz der Darstellung liegt dabei in dem Widerspruch zwischen der Dürftigkeit der Sensation – nur der Pudel bietet einen Gang auf den Hinterbeinen – und dem ekstatischen Pathos des Clowns, dessen Haltung mit dem cäsarenhaft in den Nacken geworfenen Haupt in keinem Verhältnis zu seinem Reittier steht: nicht etwa ein feuriges Ross, sondern ein Esel. Die Parallele zum Einzug Christi in Jerusalem als demütiger Friedensfürst steigert womöglich noch die Dissonanz, denn nicht das jubelnde Volk begrüßt den Erlöser mit geschwungenen Palmwedeln, sondern nur vier ausgelaugte Gestalten belauern mit höhnischem Grinsen den kunstlosen Ritt des Clowns. Allerdings entsprechen die Strenge der scharfen Zeichnung und der zwischen pompösem Rot und Gold und aschfahlen Grautönen austarierte Farbklang vollkommen der ganz in sich gefangenen Würde des Reiters und rechtfertigen sie auf höherer Ebene. | Kyllikki Zacharias

Informelle Struktur

Informelle Struktur

Der als „Nagelkünstler“ bekannt gewordene Uecker hatte nach einer Lehre als Reklamegestalter zunächst an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar und an der Kunstakademie Berlin-Weißensee studiert, bevor er nach dem Aufstand des 17. Juni 1953 die DDR verließ und nach West-Berlin ging. 1955 setzte er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. Dort experimentierte er mit Materialcollagen und pastoser Malerei, zu deren Bearbeitung ihm der Pinsel nicht mehr ausreichte. Uecker nutzte auch Kämme und fertigte eine Bürste aus Nägeln an, wobei er feststellte, dass dieses Handwerkszeug einen eigenen ästhetischen Ausdruck besaß. „So kehrte sich einfach das Instrument um zu dem, was ich eigentlich wollte, und wurde dann die Basis meines weiteren Tuns. Ich hatte nun ein Material, das in den wirklichen Raum eindringt – nicht in den illusionistischen Raum, der durch die Leinwand sichtbar wird.“ (Günther Uecker, Schriften. Gedichte – Projektbeschreibungen – Reflexionen, hrsg. v. Stephan von Wiese, St. Gallen 1979, S. 144f.) 1956/57 begann Uecker damit, Holzplatten mit Leinwand zu beziehen, sie monochrom zu grundieren und Nägel hineinzuschlagen. Der radikale Wandel in der Bildauffassung zeigt sich in „Informelle Struktur“, einer der frühesten Nagelarbeiten Ueckers. Während an den Bildrändern Abstände und Richtungen der Nägel relativ gleichmäßig sind, gibt es im Zentrum unterschiedliche Einschlagswinkel, sodass keine Regelmäßigkeit auszumachen ist, nur Widerborstigkeit. | Dieter Scholz