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Gartenstraße (Wedding)

Ident. Nr.: B 65/23

ObjID: obj:963125

1954 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gustav Wunderwald (1882 - 1945),
Künstler*in
Datierung
1927
Weitere Titel
Sammlungstitel: Gartenstraße (Wedding)
Übersetzung: Gartenstraße, Berlin, Wedding
Gartenstraße in Berlin N
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1945
Nachlass/Vermächtnis: Berta Wunderwald, Berlin,
1945–1954
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1954–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 84,5 x 102,5 cm
Erwerbung
1954 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Der als Bühnenmaler ausgebildete Wunderwald arbeitete bis 1917 an verschiedenen Theatern in Deutschland und in Stockholm. 1912 kam er nach Berlin, wo er zunächst am jüngst eröffneten Deutschen Opernhaus in Charlottenburg anheuerte, bevor er sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs dazu entschied, ausschließlich als freischaffender Künstler zu leben. Schon während seiner Tätigkeit als Kulissenmaler hatte er immer wieder Landschaftsbilder von den Regionen, in denen er ansässig war, geschaffen. Ab 1918/1919 wandte er sich Berlin und dessen Umgebung zu. Wunderwalds wohlkomponierte Gemälde sind von einem realistisch-dokumentarischen Stil geprägt. Sie zeigen die durch Industrie und Gewerbe bestimmten Gebiete im Wedding und in Moabit, Fabriken, Mietskasernen, Kleingärten ebenso wie Brücken oder Straßenzüge, zum Beispiel die winterliche Gartenstraße in Mitte. Diese war damals eine der nördlichen Ausfallstraßen der Stadt; bis heute führt sie von der Torstraße bis nach Gesundbrunnen. Wunderwald stellte auf seinem Bild den südlichen Teil auf Höhe der Schröderstraße dar, der in der Zeit der Weimarer Republik eine Wohngegend für Handwerker, Kaufleute, Beamte und Studenten war, mit günstigen Mieten sowie zahlreichen Gaststätten und Vergnügungslokalen. Von der Lebendigkeit des Viertels ist auf dem Gemälde nichts zu spüren. Wunderwald interessierte sich in seinem Werk zumeist nicht für die Menschen, sondern für das Stadtbild: die hohen Mietshäuser, die Verkehrswege und Fahrzeuge wie hier die gelbe Straßenbahn. Nur als entindividualisierte Passanten treten Personen in Erscheinung, die auf breiten, von Schnee freigeräumten Gehwegen entlanglaufen. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz