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Atelierecke

Ident. Nr.: NG 1/97

ObjID: obj:963177

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938),
Künstler*in
Datierung
1919/1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Atelierecke
Übersetzung: Studio Corner
Provenienz
Kauf: Nationalgalerie (Kronprinzenpalais), Berlin,
1923–1937
Beschlagnahmung: Deutsches Reich / Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin,
16.8.1937–7.3.1940
Verwahrung: Depot Schloß Schönhausen, Berlin,
8.1938 - 7.3.1940
Tausch: Galerie Ferdinand Möller, Berlin,
7.3.1940–1943
Kunsthändler Ferdinand Möller, Zermützel,
1943–1948
Leihe: Moritzburg-Museum, Halle (Saale),
1948–1953
(Ehem.) Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie,
16.11.1953–1996
Restitution: Ferdinand Möller Stiftung, Berlin,
1996–20.6.1997
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 126 x 121 cm
Erwerbung
1923 Ankauf im Tausch. 1937 als "entartet" beschlagnahmt. 1940 an den Kunsthändler Ferdinand Möller. 1953 vom Moritzburg-Museum, Halle (Saale), an die Nationalgalerie Berlin (Ost) gegeben. 1995 an die Erben Ferdinand Möllers restituiert. 1997 Rückerwerb.

Objektbeschreibung

Nach seinem Umzug in die Schweizer Berge im Jahr 1917 veränderte sich Kirchners Motivwelt. Mit dem Thema des Künstlerateliers griff er zwar auf ein von ihm oftmals behandeltes Sujet zurück, doch ist seine „Atelierecke“ mit früheren Interieurs kaum zu vergleichen. Das Gemälde gibt die subjektive Sicht des Künstlers durch seine mit eigenen Holzskulpturen und anderen Schnitzereien ausgestattete Stube im Haus „In den Lärchen“ in einem Bauerndorf oberhalb von Davos wieder. Der ornamental bemalte „Adam und Eva“-Stuhl vorne rechts, die Arvenholz-Skulpturen „Bube mit Beil“ und „Kuh“ auf dem Geländer links sowie die am rechten Bildrand dargestellte „Bank mit Kuhköpfen“ lassen sich als Werke Kirchners identifizieren. Vom Treppengeländer im Vordergrund schweift der Blick der Betrachter:innen durch den Raum bis hinaus zum Balkon und in die Berge. Dem fast quadratischen Format der Darstellung hat Kirchner durch vertikale, horizontale und diagonale Streifen eine beinahe chaotische Dynamik verliehen. Das Gemälde ist in seiner verwirrenden Formenfülle und der starken Farbigkeit, die von einem kräftigen Rot dominiert wird, eher untypisch für seine Kunst in den frühen 1920er-Jahren, die von einem Streben nach streng strukturierten, teilweise monumentalen Kompositionen geprägt war. Die Perspektive erinnert an Kirchners leicht gekippte Aufsichten in den Stadtbildern von 1914 (vgl. „Der Belle-Alliance-Platz in Berlin“, B 129). | Aya Soika

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson