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Unreifes Korn

Ident. Nr.: A IV 93

ObjID: obj:963207

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Carl Lohse (1895 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Unreifes Korn
Übersetzung: Unripe Grain
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 76 x 95 cm
Erwerbung
1966 Ankauf von der Kunstausstellung Kühl, Dresden

Objektbeschreibung

Im Frühjahr 1915 war Lohse zum Militär eingezogen und im August 1919 aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Über eine ehemalige Mitschülerin kam der Kontakt zu dem in Bischofswerda ansässigen Armaturenfabrikanten Karl Hebenstreit zustande, der Lohse einlud, für einige Zeit Gast seiner Familie zu sein. So arbeitete der Maler ab Oktober 1919 im Atelier von Hebenstreits Schwägerin, der Malerin Rose Scheumann. Dort entstanden seine stark farbigen und eruptiv wirkenden expressiven Gemälde. In „Unreifes Korn“ verwendete Lohse einen hoch liegenden Horizont, ähnlich wie Vincent van Gogh bei seiner Darstellung südfranzösischer Weizenfelder 1889/1890. Lohse lenkt den Blick auf sanft ansteigende Felder, deren blaue Kornblumen und roter Mohn zu dichten Farbströmen werden, die unter einem essigroten Himmel wie Lava dahinzufließen scheinen. Die expressive Wirkung wird durch den gespachtelten Farbauftrag noch verstärkt. Als das Gemälde im April 1921 in Lohses erster Einzelausstellung bei Emil Richter in Dresden gezeigt wurde, schwärmte ein Rezensent, Lohses Landschaftsbilder seien „geradezu von Beethovenscher Größe und Schönheit. […] laßt Euch berauschen von dieser farbigen Musik dieses herrlichen Symphonikers“ (Willibald Piltz, Sonderausstellung Carl Lohse, Hamburg, in: Elbtal-Abendpost, 22.4.1921, zit. nach Carl Lohse. Kraftfelder. Die Bilder 1919/21, Ausst.-Kat., Hamburg/Dresden, 2017, S. 128). | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson