Logo

Porträt Hanna Kiel

Ident. Nr.: B I 667

ObjID: obj:963231

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Kolbe (1877 - 1947),
Künstler*in
Datierung
1928
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt Hanna Kiel
Übersetzung: Portrait of Hanna Kiel
Geografische Bezüge
Provenienz
Hanna Kiel,
399721
Schrottlager der tschechoslowakischen Militärmission, Berlin-Osthafen,
393434
Magistrat von Groß-Berlin, Amt Museen und Sammlungen, Referat Rückführungen,
1948–5.11.1949
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 46 x 16 x 21 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1948 im Berliner Osthafen aufgefunden und der Nationalgalerie zur Aufbewahrung übergeben. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (Ost)

Objektbeschreibung

Neben Porträts berühmter Männer (vgl. „Ferruccio Busoni“, B 72/10; „Paul Cassirer“, B III 76; und „Max Slevogt“, B I 483) schuf Kolbe in den 1920er-Jahre auch eindrucksvolle Frauenbildnisse wie das der promovierten Germanistin Hanna Kiel (1898–1988). Diese wandte sich in der Folgezeit der bildenden Kunst zu. 1935 veröffentlichte sie ein Buch über die Bildhauerin Renée Sintenis. Vor allem arbeitete sie als Übersetzerin und Kunstkritikerin, schrieb aber auch einige Novellen und Romane. Hanna Kiel gehörte zum Schweizer Freundeskreis von Erika und Klaus Mann. Kolbe hatte sie wohl über den Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise kennengelernt. Das Bildnis war ein Privatauftrag. 1928 wurden zwei Bronzegüsse hergestellt: Einer gelangte in Privatbesitz, den anderen erhielt Kiel selbst. Das Porträt zeigt sie als moderne Frau mit kurzem Haar, darin glich sie ihrer Freundin Sintenis. In der Nationalgalerie hielt man das Bildnis lange für einen Jünglingskopf. Nach Kriegsende wurde Kiel darüber informiert, dass ihre Berliner Wohnung durch einen Bombenangriff zerstört worden war – damit galt auch ihr Porträt als verloren. Doch der Kopf war erhalten geblieben. Kurt Reutti, der im Auftrag der Stadt Berlin nach verschollenen Kunstwerken suchte, entdeckte ihn 1948 im Schrottlager der tschechoslowakischen Militärkommission im Berliner Osthafen und übergab ihn dem Magistrat von Groß-Berlin. 1949 gelangte die Bronze in die Nationalgalerie (Ost), seit 1951 gilt sie als deren Eigentum. In den 1970er-Jahren erfuhr Hanna Kiel, dass ihr Porträt auf der Museumsinsel ausgestellt war. Ein Rückgabebegehren erschien ihr damals aussichtslos (Briefwechsel von 1973–1975, Archiv Georg Kolbe Museum, Berlin). | Ursel Berger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz