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Selbstbildnis

Ident. Nr.: NG 63/81

ObjID: obj:963233

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1944
Weitere Titel
Sammlungstitel: Selbstbildnis
Übersetzung: Self Portrait
Selbstbildnis (Maske)
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 28 x 14 x 15,5 cm (ohne Sockel)
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Noch während des Krieges, im Sommer 1944, schuf Sintenis ihr letztes Selbstporträt. Ebenso wie das Bildnis von 1933 (NG 64/81) ist es ein Fragment. Die Haarpartie hat die Künstlerin ausgespart, was die markanten, gealterten Gesichtszüge akzentuiert. Zwischen der Maske von 1944 und jener von 1933 liegen elf Jahre, in denen die Bildhauerin erhebliche seelische und physische Erschütterungen durchlebt hatte. Die brutale Wirklichkeit der (kultur-)politischen Gegenwart im Nationalsozialismus – mit der Verfolgung von Freunden, Berufsverboten, Ängsten und zerstörten Hoffnungen, den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, dem Tod ihres Mannes, Emil Rudolf Weiß, 1942 wie der Vernichtung von Teilen ihres künstlerischen Werkes durch die Zerstörung ihres Ateliers und ihrer Wohnung bei einem Bombenangriff – hatte sie nachhaltig erschüttert. Ihre Maske von 1944 ist sicher das psychologisch stärkste Selbstporträt der Künstlerin. Gleichzeitig spiegelt sich in ihm exemplarisch die Stimmung einer ganzen Generation, wie es der Kritiker Karl Ludwig Skutsch beschrieben hat: „Es ist die Sprache des Menschen, des wissenden Menschen jener vor 1900 geborenen Generation, der mit Sensibilität und Erkenntnis in den Wandlungen, Stürzen und grundsätzlichen Veränderungen einer schicksalhaften, völligen Welt- und Kunstwandlung steht. Ein Antlitz, stellvertreterisch für die Situation des Geistes in Jahrzehnten der Bedrohung, der Umwertung, der Abwertung von allem, was humanitär, was humanistisch gesichert schien; ein Antlitz der Strenge gegen sich selbst, der Stille der Trauer“ (zit. nach Britta Buhlmann, Renée Sintenis, Darmstadt 1987, S. 25). | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson