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Raum im Gewebe

Ident. Nr.: B 1232

ObjID: obj:963264

1983 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Olga Jevrić (1922 - 2014),
Künstler*in
Datierung
1969-1978
Weitere Titel
Sammlungstitel: Raum im Gewebe
Originaltitel: Prostor u tkanju
Material / Technik
Eisen und Zement
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 42 x 23 x 18 cm
Erwerbung
1983 Ankauf von der Künstlerin, Belgrad, durch das Land Berlin aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie (West)

Objektbeschreibung

Jevrić gehörte zur ersten Künstlergeneration der Nachkriegszeit im sozialistischen Jugoslawien. Sie absolvierte eine Ausbildung als klassische Pianistin an der Belgrader Musikakademie (1946) und schloss 1949 ihr Studium der Bildhauerei an der Akademie der Schönen Künste in Belgrad ab. Zu dieser Zeit dominierte bereits der Sozialistische Realismus  auch in der Bildhauerei. Mit ihrer ersten Soloausstellung in der Galerie der ULUS (Union der bildenden Künstler Serbiens) in Belgrad 1957 führte Jevrić einen völlig neuen Ansatz abstrakter Bildhauerei ein, der sowohl mit der realistischen Darstellung als auch mit den traditionellen Materialien der Skulptur radikal brach. Sie bezeichnete diese frühen Werke als „Raumkompositionen“, ein Hinweis auf die enge Verbindung zwischen ihrer bildhauerischen Sprache und ihrem Interesse an Musik. Die webstuhlförmige Skulptur „Raum im Gewebe“ besteht aus neun Zementblöcken, die vertikal und horizontal von Eisenstangen durchbohrt und zusammengehalten werden. Die Formen erinnern zugleich an die Hämmer und Saiten eines Klaviers, eine Anspielung an die Musik, die in Jevrićs Schaffen immer wieder auftaucht. „Die Musik, wie ich sie erlebe, ist eine Kombination aus Klangmassen, Stille und Zwischenräumen, um eine melodische Phrasierung zu erzeugen, die sich über die Zeit und durch den Raum erstreckt. In der Besonderheit dieser komplexen Wechselbeziehung ist eine Aussage enthalten, ein Grund, den Klang als kreatives Mittel zu aktivieren. All dies entspricht dem Kern und dem Wesen meiner bildhauerischen Sprache“, erklärte sie in dem Film „Prostor i Vreme“ (Raum und Zeit), der 1982 für eine Retrospektive im Belgrader Museum für zeitgenössische Kunst produziert wurde. | Svetlana Jevtovic Montua

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson