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Kniende (Fragment)

Ident. Nr.: B I 424

ObjID: obj:963301

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919),
Künstler*in
Datierung
1911
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kniende (Fragment)
Übersetzung: Kneeling Woman (fragment)
Geografische Bezüge
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Anita Lehmbruck,
1919
Material / Technik
Steinguss
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 124,5 x 64 x 124 cm
Erwerbung
1919 Ankauf von der Witwe des Künstlers, 1945 kriegszerstört

Objektbeschreibung

1911 stellte Lehmbruck im Pariser Salon d’Automne erstmals die „Kniende“ aus. Selbst wohlwollende Wegfährten hatten anfangs Schwierigkeiten, die überlangen Gliedmaßen und die ungewöhnliche Haltung der Frauengestalt wertzuschätzen. So berichtet Julius Meier-Graefe in seinem am 5. Januar 1932 in der „Frankfurter Zeitung“ veröffentlichten Artikel „Lehmbrucks 50. Geburtstag: 4. Januar“ von der Herausforderung seiner Sehgewohnheiten durch das Werk. Anstatt mit der vollplastischen Geschlossenheit, die Lehmbrucks zuvor entstandene Skulpturen auszeichnet, war er nun mit einzeln herausstechenden Kompositionselementen konfrontiert. „Wohl muss man jetzt auf alle Teile eingehen“, so Meier-Graefe, „[d]ann ändert sich jede Form. Brust, Hände, Arme, Schenkel, vorher zerrissen und kahl, gewinnen sanfte Fülle. Die erhobene Hand setzt den Traum des Antlitzes fort, und noch der weit zurückfluchtende Fuß ist notwendige Folge des aufragenden Körpers“. Mit der gegenseitigen Bedingtheit der Teile spricht Meier-Graefe das konstruktive Prinzip an, aus dem Lehmbruck die Komposition unabhängig von mimetischen Aspekten entwickelt hatte. Die plastische Präsenz der einzelnen Komponenten zeigt sich sogar bei dem Fragment der „Knienden“ – einem Überbleibsel des 1919 kurz nach Lehmbrucks Freitod von Ludwig Justi für die Nationalgalerie erworbenen Steingusses. Nachdem das Werk 1937 bei der Aktion „Entartete Kunst“ nicht beschlagnahmt worden war – anders als Exemplare der Museen in Dresden und Mannheim –, wurde es 1945 bei einem Bombenangriff zerstört, lediglich vier Bruchstücke blieben zurück. | Nina Schallenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson