Logo

Sinnende

Ident. Nr.: B 1051

ObjID: obj:963591

1973 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919),
Künstler*in
Datierung
1913/1914 (Guss um 1926 oder später)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sinnende
Übersetzung: Contemplative Woman
Geografische Bezüge
Provenienz
Familienbesitz Lehmbruck, Stuttgart,
1925–1973
Leihe: Dauerleihgabe aus dem Familienbesitz Lehmbruck im Lehmbruck Museum Duisburg,
1964–1973
Kauf: Land Berlin,
1973
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 208 x 47 x 43 cm
Erwerbung
1973 Ankauf vom Sohn des Künstlers, Guido Lehmbruck, Stuttgart, aus Mitteln der Deutschen Klassenlotterie, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Mit der „Sinnenden“ kehrte Lehmbruck in den Jahren 1913/1914 zur Darstellung einer stehenden weiblichen Figur zurück. Während ihre kantige Gestalt und die überlangen Beine noch dem Formenrepertoire der „Knienden“ (vgl. B II 47) entsprechen, knüpft der geschlossene statuarische Aufbau an die „Stehende weibliche Figur“ von 1910 an. Ein Unterschied besteht jedoch in der Ansichtigkeit der Skulpturen – ein an der Wende zum 20. Jahrhundert viel diskutierter bildhauerischer Topos. Die frühen Werke von Lehmbruck sind meist als Rundplastiken angelegt und ermöglichen daher, befördert durch ihre runden Plinthen, eine Betrachtung aus vielen Perspektiven. Bei der „Knienden“ konzentrierte sich der Künstler hingegen auf die Ausarbeitung einiger weniger Ansichtsseiten, was auch die eckige Plinthe widerspiegelt. Die frontale Ausrichtung der „Sinnenden“ folgt diesem Weg. Mit der Entscheidung gegen die Vielansichtigkeit griff Lehmbruck die skulpturtheoretischen Überlegungen des Bildhauers Adolf von Hildebrand auf. Dieser hatte in seiner 1893 veröffentlichten Schrift „Das Problem der Form in der bildenden Kunst“ gefordert, dass Skulpturen trotz ihrer Plastizität an der Fläche orientiert und damit als „klare Bilderscheinung“ konzipiert sein sollten (Adolf von Hildebrand, Das Problem der Form in der bildenden Kunst, Straßburg 1893, S. 78). Wie der frühestens um 1926 ausgeführte posthume Nachguss der „Sinnenden“ zeigt, führte dieser Ansatz zur Stärkung eines architektonischen Aufbaus von Lehmbrucks Werken. | Nina Schallenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson