Logo

Im Park der Technischen Hochschule

Ident. Nr.: A III 79

ObjID: obj:963667

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Julius Jacob der Jüngere (1842 - 1929),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Im Park der Technischen Hochschule
Übersetzung: In the Park at the Technical University
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 105,5 x 151 cm
Erwerbung
1926 Ankauf auf der Frühjahresausstellung der Berliner Akademie der Künste

Objektbeschreibung

1878 zeigte Jacob erstmals zwei Ansichten Berlins in einer öffentlichen Kunstausstellung, darunter das Gemälde „Vor dem Luisenstädtischen Kirchhof in der Hasenheide“ (1878, A I 940). Seitdem war der Künstler als unsentimentaler Chronist des sich in der Gründerzeit radikal wandelnden Berliner Stadtbilds von den Zeitgenossen geschätzt. Selbst der preußische Staat erwarb 1885 für die Sammlung der Zeichnungen der Nationalgalerie siebzig seiner Aquarelle; eine Ansicht des Schöneberger Ufers in Öl ergänzte den Bestand seit 1895 (Kriegsverlust), weitere Ankäufe folgten. Jacobs Malerei, die sich weniger durch die minutiöse Wiedergabe von Straßenzügen und Architektur auszeichnet als durch das Interesse des Malers, Stimmungen der aufstrebenden Metropole einzufangen, entwickelte sich im Laufe der Jahre von einem atmosphärischen Naturalismus hin zu einem detailreichen Impressionismus. In seinem Œuvre steht daher die fast idyllisch wirkende Ansicht des baumumstandenen Luisenstädtischen Friedhofs neben Bildern eines regen Stadttreibens am Humboldthafen (1897, NG 8/64) oder von bei der Jannowitzbrücke mit Rauch und Dampf in den Himmel speienden Industriebetrieben (1891; Stiftung Stadtmuseum Berlin). In der leicht erhöhten Perspektive, der Wiedergabe von Brücke und Eisenbahnen scheint das Bild des Humboldthafens dabei von Claude Monet beeinflusst zu sein. Die Darstellung der Gartenbauarbeiten in der Grünanlage der Technischen Hochschule ist schließlich einem Spätimpressionismus zuzurechnen. In der Ansicht des Parks mit der palastartigen Architektur auf der rechten und den Gartenarbeitern auf der linken Seite hat Jacob außerdem Anregungen Adolph Menzels aufgegriffen. Dessen „Palaisgarten des Prinzen Albrecht“ (1846/1876, A I 989) war seit 1908 kontinuierlich in der Nationalgalerie zu sehen. | Regina Freyberger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson