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Kleine Gärtnerei

Ident. Nr.: A IV 257

ObjID: obj:963896

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Werner Hofmann (1907 - 1983),
Künstler*in
Datierung
1932-1933
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kleine Gärtnerei
Übersetzung: Small Nursery
Provenienz
Erika Hofmann, Dresden,
1971
Material / Technik
Öl auf Leinwand auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 60 cm
Erwerbung
1971 Ankauf von der Ehefrau des Künstlers, Erika Hofmann, Dresden

Objektbeschreibung

Die im rechten Bildvordergrund zu sehende titelgebende Gärtnerei von Paul Schäme befand sich in der Geisingstraße im Dresdner Stadtteil Striesen. Dort waren um 1890 über fünfzig große Gärtnereien ansässig gewesen, die in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr dem Bedarf der wachsenden Stadt nach Wohnraum weichen mussten: Die Baugrube im linken Vordergrund bezeugt diesen Umstand und wirft gleichzeitig die Frage auf, wie lange die verbleibende Gärtnerei noch wird bestehen können. Ganz offensichtlich befindet sich das Vorstadtidyll im Umbruch. Das verdeutlichen auch die Perspektivwechsel und der scharfe Schattenwurf im Bild sowie weitere Details der Szenerie: Ein letztes Pferdefuhrwerk steht in der Straße, die Autos im Vorder- und Hintergrund und die Shell-Werbung an der Hauswand, über allem schwebend, künden von der zunehmenden Mobilität der Gesellschaft. Hofmann lebte zur Zeit der Entstehung des Gemäldes nur wenige Gehminuten von der Geisingstraße entfernt. Auf seinen Streifzügen durch die Straßen der Nachbarschaft entstanden städtische Impressionen abseits der berühmten Dresdner Stadtsilhouette, die mit Detailfreude das Leben des „kleinen Mannes“ schildern. Die dem Maler durchaus wichtige Kritik an sozialen Missständen tritt in anderen Gemälden und vor allem in seinen Grafiken deutlicher zutage, ist aber grundsätzlich subtiler geäußert als in den Werken seiner Mitstreiter in der Assoziation revolutionärer bildender Künstler (ASSO) wie Hans Grundig oder Otto Griebel. Hofmanns Œuvre vor 1939 hat sich nur rudimentär erhalten: Rund 500 seiner Werke gingen in den verheerenden Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 verloren. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson