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Neuererdiskussion

Ident. Nr.: A IV 237

ObjID: obj:963932

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willi Neubert (1920 - 2011),
Künstler*in
Datierung
1969
Weitere Titel
Sammlungstitel: Neuererdiskussion
Übersetzung: Innovators' Discussion
Provenienz
Bundesvorstand des FDGB,
1970
Abmessungen
Höhe x Breite: 190 x 230 cm
Erwerbung
1970 Übereignung vom Bundesvorstand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) der DDR

Objektbeschreibung

Die kleinste Arbeitsgruppe in der Planwirtschaft war die Brigade. Wie das Arbeiterporträt gehörte auch das Brigade- bzw. Diskussionsbild, also die Darstellung der Debatten um den Produktionsprozess, zum klassischen Bildprogramm des Sozialistischen Realismus. Wirkten Figurenkonstellationen oft statisch und ihre Handlungen plakativ, da meist ein Agitator den Arbeiter*innen etwas erklärte (vgl. Horst Strempel, „Plandiskussion“, 1949, A IV 87), so gestaltete sich das Motiv in den 1960er-Jahren dynamischer, wie in Neuberts Gemälde: Lebensgroß dargestellte Arbeiter und Ingenieure brüten über ausgebreiteten Plänen, beraten sich intensiv, interagieren, hören zu und suchen Blickkontakt. Ihre Diskussion ist kein Selbstzweck, sondern lotet die optimale Lösung für ein Problem aus. Die Presse jubelte bei einem Atelierbesuch: „Gedankenaustausch, gemeinsame Suche nach der richtigen Entscheidung, Meinungsstreit in der sozialistischen Gemeinschaft – aus dem Atelier gehoben und bewusst gemacht in einem Bild unserer Zeit“ („Freiheit“, 27.2.1969), das allerdings ohne Frauen auskommen musste, wie ein anderer Autor bemängelte. Neubert, in der DDR populär, heute fast vergessen, war eine Art sozialistischer „Vorzeigekünstler“, der nicht dem politischen Kulturprogramm des Bitterfelder Weges gemäß in die Betriebe geschickt werden musste. Als Schlosser und Stahlwerker kam er von dort. Talent, technisches Zeichnen und ein spätes Studium brachten ihn zu einer Kunst, die unter anderem von Willi Sitte beeinflusst ist. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp