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Mädchen mit großem Tuch

Ident. Nr.: B III 35 a

ObjID: obj:963961

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gerhard Marcks (1889 - 1981),
Künstler*in
Datierung
1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchen mit großem Tuch
Übersetzung: Girl with Drapery
Provenienz
Übernahme des Gipses von Gutav Seitz durch die Nationalgalerie,
18.5.1960–1967
Prof. Gustav Seitz, Berlin/Hamburg,
1967
Material / Technik
Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 104,5 x 34 x 26 cm
Erwerbung
1967 Schenkung des Gipsmodells durch Gustav Seitz, Berlin/Hamburg

Objektbeschreibung

Seit seinem expressionistischen „Frauenakt mit Tuch“ von 1920 (WVZ Rudloff 1977, 78) zieht sich die Darstellung der weiblichen Aktfigur mit Tuch in motivischer Variation durch Marcks’ Œuvre. Dem vordergründig zum Abtrocknen, Verhüllen oder Bekleiden eingeführten Tuch liegt die stille Interaktion und Haltungsmotivation zugrunde, aber auch die reizvolle Verbindung von dominanter Vorder- und interessanter Rückenansicht. Neben der „Schreitenden Frau mit Tuch“ von 1926 (WVZ 141) gelang Marcks diese Verschränkung vor allem beim „Mädchen mit großem Tuch“. Er überführte das in der Plastik von 1926 dynamisch ausformulierte Schrittmotiv mit um den Oberkörper gelegtem Tuch in eine zum Kontrapost ausgewogene Schrittstellung, in der das eine Bein vor, das andere hinter das Tuch gesetzt ist. Modell standen ihm in jener Zeit meist seine Kinder, zum Teil im Wechsel für ein und dieselbe Plastik: Zwar ist im Werktagebuch für „Gyps & Bronze 1935–1969“ (Nr. 170, Archiv Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen) als Modell für das „Mädchen mit großem Tuch“ seine damals 15-jährige Tochter Ute (1921–1993) genannt, die mädchenhaften Gesichtszüge sind jedoch der jüngsten Tochter Gottliebe (1923–2016) entlehnt. Der Gipsguss aus dem Besitz des Bildhauers Gustav Seitz wurde 1967 der Nationalgalerie (West) übereignet, um mit Einverständnis des Künstlers einen Bronzeguss für diese anzufertigen. Seitz bewunderte Marcks: „Er ist der Bildhauer[,] der für uns Jüngere eine feine Anregung ist und für uns Wegbereiter bleibt“ (Brief an Fritz Griebel, 22.4.1937, in: Gerhard Marcks, 1889–1981. Briefe und Werke, München 1988, S. 93). Ein zweites, 1967 gegossenes Exemplar, besaß der Bildhauer Waldemar Grzimek (Verbleib heute unbekannt), ein drittes von 1985 befindet sich in der Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen. Zudem sind eine von Barth in Rinteln hergestellte Bronze im Kunsthandel (Galerie Nierendorf, Berlin) und ein Gipsguss im Kunstmuseum Ahrenshoop nachweisbar. Das Gipsmodell der Nationalgalerie ist seit dem Bronzeguss durch die Berliner Gießerei Noack den Gussteilen entsprechend zersägt. | Yvette Deseyve

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson