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Or

Ident. Nr.: B 1097

ObjID: obj:964034

1978 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Köthe (1916 - 2005),
Künstler*in
Datierung
1975
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 75 cm
Erwerbung
1978 Ankauf vom Künstler, Berlin (West), durch das Land Berlin

Objektbeschreibung

1965 entwickelte Köthe mit hyperrealistisch dargestellten, in Öl gemalten Collagen seine charakteristische Bildsprache, die er bis zu seinem Tod beibehielt. Er malte eingerissene Werbeplakate, die nur noch in Fetzen am Untergrund haften, Falten werfen oder sich aufrollen und in mehreren Schichten übereinandergeklebt sind. In dem Gemälde „Or“ geben rot lackierte Fingernägel den Blick auf eine weibliche Nasen- und Mundpartie frei, wobei die geschminkten Lippen besonders hervortreten. Am linken unteren Bildrand tauchen zwei angeschnittene blaue Buchstaben auf schwarzem Grund auf, die den Werktitel erklären. Mit seinem verwirrenden Spiel unterschiedlicher Bildebenen verweist Köthe auf die Vielfalt und Austauschbarkeit der beworbenen Konsumgüter. Die massenhaft medial verbreiteten Bilder haben ihre Aktualität eingebüßt, sie werden abgerissen und durch neue ersetzt. In anderen, komplexeren Werken verschränkte der Maler die in erster Linie an männliche Konsumenten gerichteten Werbebilder noch stärker miteinander, indem er Elemente von Autos und Motorrädern, Verkehrszeichen oder Zigaretten einbrachte und diese neben die sexualisierten Körper von Pin-Ups setzte. Ab 1967 stellte Köthe wieder vermehrt aus, 1972 richtete ihm der Neue Berliner Kunstverein im Schloss Charlottenburg in Berlin seine erste große Werkschau aus. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz