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Najaden

Ident. Nr.: B 43

ObjID: obj:964095

1950 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Milly Steger (1881 - 1948),
Künstler*in
Datierung
um 1940
Weitere Titel
Sammlungstitel: Najaden
Übersetzung: Naiads
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1948
Nachlass/Vermächtnis: Frieda Bauer, Berlin, Nachlassverwalterin,
1948–1950
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1950–1968
Material / Technik
Marmor
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 49,5 x 34 x 22 cm
Erwerbung
1950 Schenkung aus dem Nachlass der Künstlerin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

In Marmor schuf Steger eine Gruppe zweier Wassernymphen, die sie als Dreiviertelrelief direkt aus dem Stein meißelte. Die kräftig-voluminös gearbeiteten Najaden, die laut der griechischen Mythologie über Quellen, Flüsse, Sümpfe und Seen wachen, sind kompakt und zugleich sinnlich bewegt ausgeführt. Mit geschlossenen Augen recken die beiden Flussgöttinnen ihre Köpfe gen Himmel. Die kniende und die halb sitzende Figur sind nahezu unbekleidet, zwei Tücher bedecken sie nur leicht. Stegers klassizistisch anmutende Figuren der 1930er- und 1940er-Jahre erfuhren während der Zeit des Nationalsozialismus durchaus Anerkennung. Sie waren auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München zu sehen, 1936 und 1940 nahm die Bildhauerin an Kunstwettbewerben für die Olympischen Spiele teil, 1938 erhielt sie den Villa-Romana-Preis. 1934 hatte der Kunstkritiker Fritz Nemitz Stegers Figuren als „Ausgleich und Synthese zwischen statischer, blockgebundener Kunst und dynamischer, offener Plastik“ beschrieben, die ihre „schöne, schwingende Mitte zwischen diesen Polen plastischen Gestaltens und auch die Mitte zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit“ gefunden hätten (Fritz Nemitz, Milly Steger, in: Die Kunst für Alle, 50. Jg. [1934], H. 1, S. 11). Zu den Erfolgreichen des Regimes gehörte Steger dennoch nicht: Große, erhoffte (Bau-)Aufträge blieben aus. Einige ihrer Arbeiten wurden 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt, darunter das „Schreitende Mädchen“ (1931; Verbleib unbekannt) in der Sammlung der Nationalgalerie. Nach 1945 blieb Steger kaum Zeit, an die Erfolge der Vorkriegszeit anzuknüpfen: 1948 erlag sie einem Krebsleiden. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson