Logo

Mädchenkopf, sich umwendend

Ident. Nr.: B 131

ObjID: obj:964179

1955 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919),
Künstler*in
Datierung
1913/1914
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchenkopf, sich umwendend
Übersetzung: Girl Turning her Head
Übersetzung: Girl’s Torso, Turning around
Geografische Bezüge
Provenienz
Galerie Flechtheim, Düsseldorf,
1920
Kauf: Privatbesitz, Berlin,
392013
Kommission: Galerie Alfred Flechtheim, Berlin,
1931 - max. 1933
Privatbesitz, Paris,
392016
Galerie Rudolf Springer, Berlin,
1955
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1955–1968
Material / Technik
Steinguss
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 42 x 26 x 19 cm
Erwerbung
1955 Ankauf von der Galerie Rudolf Springer, Berlin, durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Bei sämtlichen Büsten, die Lehmbruck vor dem Ersten Weltkrieg in Paris schuf, handelt es sich um Fragmente von Ganzfiguren. Dies gilt auch für den „Mädchenkopf, sich umwendend“, der auf die 1913/1914 entstandene „Schreitende“ zurückzuführen ist. Indem der Bildhauer hier sogar auf die ausgeprägten Schultern der Figur verzichtete, konzentrierte er das Werk gänzlich auf die seitliche Drehung und die leichte Neigung des Kopfes. In dieser Haltung offenbart sich eine nach innen gerichtete geistige Schau. Wie zahlreiche Künstlerinnen und Künstler seiner Zeit stand Lehmbruck Erkenntnismethoden kritisch gegenüber, die von einer positivistisch erfassbaren materiellen Wirklichkeit ausgingen. Stattdessen machte er mittels seiner geneigten Köpfe die metaphysische Erkenntniskraft des Geistes anschaulich. Der ruhig-kontemplative Eindruck des Motivs wird durch den gefärbten Steinguss unterstrichen, der zu Lehmbrucks favorisierten Werkstoffen gehörte. Aus dem Bereich der Architektur stammend hatte sich dieses neue Material Anfang des 20. Jahrhunderts als günstige Alternative zu Bronze und Marmor etabliert. Lehmbrucks Wertschätzung des Steingusses hatte vermutlich nicht nur finanzielle, sondern auch ästhetische Gründe, da die matt-seidigen Oberflächen Ebenmäßigkeit und Ruhe vermitteln. Noch ungeklärt ist die Provenienz des „Mädchenkopfes“, der 1920 erstmals über die Galerie Alfred Flechtheim in Düsseldorf auf den Markt gelangte und 35 Jahre später von der West-Berliner Galerie Rudolf Springer an das Land Berlin verkauft wurde. | Nina Schallenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson