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Häftling eines Konzentrationslagers

Ident. Nr.: B I 666

ObjID: obj:964793

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Koelle (1895 - 1953),
Künstler*in
Datierung
1946
Weitere Titel
Sammlungstitel: Häftling eines Konzentrationslagers
Übersetzung: Concentration Camp Prisoner
Geografische Bezüge
Provenienz
Kauf: Magistrat von Groß-Berlin,
1950–1951
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe: 22 cm
Erwerbung
1950 Ankauf für die Galerie des 20. Jahrhunderts. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wagte der Bildhauer Koelle eine Gratwanderung. Er hatte im NS-Staat berufliche Erfolge erlebt, für ihn günstige Kontakte zur Politik gepflegt und mehrmals auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ ausgestellt, in der das Regime die politisch akzeptierte Kunst zeigte. Ab 1945 stellte er sich als Antifaschist dar und trat unmittelbar nach Kriegsende der KPD bei. Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck, damals Vorsitzende der SED und später die politische Führung der DDR, besuchten sein Münchner Atelier. 1947 kaufte das Zentralkomitee der SED einen Guss von „Häftling eines Konzentrationslagers“; drei Jahre später erwarb der Magistrat von (Ost-)Berlin den Guss, der heute der Nationalgalerie gehört. Es handelt sich um eine kleinere Version dieser Figur; die große wurde als Denkmal für die KZ-Gedenkstätte Dachau konzipiert und später dort aufgestellt. Sie ist dem „unbekannten Häftling“ gewidmet. Der abgemagerte Internierte nimmt eine entspannte, selbstbewusste Pose ein, die an Koelles „Bergarbeiter vor der Einfahrt“ von 1927 erinnert (B I 477). Er hat keine sonstigen Merkmale, die ihn als Arbeiter einordnen lassen; er ist auch nicht, wie etwa die KZ-Mahnmalfiguren von Fritz Cremer, Teil einer sozialistischen Erzählung vom Widerstand oder Sieg der Antifaschisten (vgl. Cremers Buchenwald-Entwürfe, B I 694 und B III 279). Koelles Figur hängt vielmehr mit seiner Darstellung eines Menschentypus zusammen, den er über viele Jahre mit unterschiedlichen politischen oder sozialen Bezügen realisierte. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson