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Gebirgsdorf

Ident. Nr.: A IV 597

ObjID: obj:964901

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Arthur Segal (1875 - 1944),
Künstler*in
Datierung
1925
Weitere Titel
Sammlungstitel: Gebirgsdorf
Übersetzung: Mountain Village
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 105 cm
Erwerbung
1988 Ankauf von Hermann Exner, Berlin (Ost), mit Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Die Zeit des Ersten Weltkriegs verbrachte Segal in Ascona am Monte Verità, einem Zufluchtsort für Aussteiger, Pazifisten, Anthroposophen und Künstler. Hier pflegte er Kontakt zu Marianne von Werefkin, Alexej von Jawlensky und Paul Klee sowie zu den Zürcher Dadaisten wie Hugo Ball, Hans Arp und Hans Richter. In diesem Umfeld entwickelte der Künstler um 1916/1917 sein Prinzip der Gleichwertigkeit, nach dem er seine Bilder in Raster aus gleichmäßigen Rechtecken unterteilte. Jedes einzelne Segment und das darin Abgebildete erhielten so die gleiche Bedeutung. Das „Gebirgsdorf“ entstand nach dieser Gestaltungsweise in Berlin, wohin Segal 1920 zurückgekehrt war. In der Vereinfachung der dargestellten Häuser zu geometrischen Grundformen wie Quadraten und Dreiecken ergibt sich eine Nähe zum Kubismus. Zwar ist das Gesamtbild erkennbar und eine gewisse Zentralperspektive zu bemerken, Segal grenzte aber die einzelnen Zellen farbig voneinander ab, sodass verschiedene Bilder im Bild entstanden. Neben der Gleichwertigkeit der Gegenstände und Figuren in der Fläche entwickelte er seit 1921 eine Theorie des Prismatismus, die er ebenfalls im vorliegenden Werk anwandte: Der Künstler beschränkte sich weitgehend auf die Grundfarben Rot, Gelb und Blau, die er pointillistisch auftrug. Mitte der 1920er-Jahre gehörte Segal dem Vorstand der Novembergruppe an, war Mitglied der Gruppe Die Abstrakten und in der Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (ASSO) aktiv. Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten floh der jüdische Künstler aus Deutschland, zunächst nach Mallorca und 1936 nach London, wo er 1944 verstarb. | Irina Hiebert Grun

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson