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Relief marron sur noir

Ident. Nr.: NG 55/91

ObjID: obj:964915

Schenkung Otto van de Loo
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Antoni Tàpies (1923 - 2012),
Künstler*in
Datierung
1962
Weitere Titel
Sammlungstitel: Relief marron sur noir
Braunes Relief auf Schwarz
Übersetzung: Brown Relief on a Black Background
Provenienz
Galerie Stadler,
1963
Otto van de Loo, München,
1963–1991
Abmessungen
Höhe x Breite: 113 x 147 cm
Erwerbung
1991 Schenkung Otto van de Loo, München

Objektbeschreibung

In sackartigen Wülsten, die an Sofapolster erinnern, breitet sich eine dunkel übermalte Zementmasse in der unteren Hälfte des Formats aus. Durch das plastische Material wird der Rahmen der Malerei beinahe verlassen. Nach dem surrealistisch geprägten Frühwerk hatte Tàpies Ende der 1950er-Jahre diese „informelle“, materialbetonte, gleichzeitig von sehr reduzierten Einschreibungen durchsetzte Malerei entwickelt. Mit Bildern dieser Werkphase erlangte er auf der „Biennale von Venedig“ 1960 internationale Bekanntheit. Die materielle Präsenz und die wie von Narben bedeckte Oberfläche seiner Bilder rücken diese in unmittelbare Nähe zum menschlichen Körper. Horizontale Bildelemente können so als Metaphern des Liegens gelesen und in letzter Konsequenz auch mit Schwäche, Krankheit, Tod assoziiert werden. Das Relief ist motivisch vielfach mit anderen Werken verbunden, so vor allem mit „Rose Painting with Black Stripe“ (1963, WVZ Augustí 1208), „Matter-Armchair“ (1966, WVZ 1582) und „Signs over White Ovals“ (1963, WVZ 1583) sowie dem Objekt „Matratze“ von 1971 (WVZ 2380). Die Matratze bildet gewissermaßen auch die inhaltliche Brücke zu der „Malerei mit Bettenden“ von 1967 (B 900). | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson