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Bäuerin in der Küche

Ident. Nr.: A III 38

ObjID: obj:965143

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Mons (1890 - 1947),
Künstler*in
Datierung
1921/1922
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bäuerin in der Küche
Übersetzung: Peasant Woman in the Kitchen
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 65 x 51,5 cm
Erwerbung
1927 Ankauf durch den Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, aus der "Herbstschau hessischer Kunst" für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Eine ältere Frau ist lesend in einem kleinen, ärmlichen Innenraum dargestellt. Licht fällt durch die nur einen Spaltbreit geöffnete Holztür. Über der Tür des großen Ofens in der Mitte trocknet ein Lappen, und auf dem Boden davor liegen Holzscheite. An der Wand daneben hängen eine Schüssel und ein Besen, weitere Behältnisse stehen herum. Die Frau trägt ein einfaches blaues Kleid, ihr kräftiger Unterarm, der durch die hochgekrempelten Ärmel sichtbar wird, verweist auf ein von körperlicher Arbeit geprägtes Leben. Über der Tür deutet die in die Farbe gekratzte Signatur auf den Schöpfer und das Entstehungsdatum des Werkes hin. Das Bild wurde 1921 gemalt, entspricht jedoch in keiner Weise dem modernen Zeitgeschmack. Sowohl das Motiv als auch die überwiegend in Braun- und Grautönen gehaltene Farbauswahl scheinen sich eher am Realismus des 19. Jahrhunderts, etwa der Kunst eines Wilhelm Leibl, zu orientieren. Das Gemälde weist auch Züge der niederländischen Genremalerei auf. Mons war 1906 in der Schwälmer Künstlerkolonie Willingshausen in die Lehre gegangen, besuchte die Kunstakademie in Düsseldorf und wohnte seit 1911 mit Unterbrechungen in Röllshausen, einem kleinen Dorf unweit der Künstlerkolonie. Seine Bilder stehen ganz im Zeichen der Schwälmer Heimatmaler, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die kulturelle Tradition der Region in ihren Werken lebendig zu halten und sich dem bäuerlichen Leben sowie den heimischen Landschaften zu widmen. Ihr bekanntester Vertreter, Carl Bantzer, ist vor allem durch die typischen Trachten bekannt, die er in seinen Bildern in Szene setzte („Hessische Bauernhochzeit“, 1903/1904, A III 312). | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Najaden

Najaden

In Marmor schuf Steger eine Gruppe zweier Wassernymphen, die sie als Dreiviertelrelief direkt aus dem Stein meißelte. Die kräftig-voluminös gearbeiteten Najaden, die laut der griechischen Mythologie über Quellen, Flüsse, Sümpfe und Seen wachen, sind kompakt und zugleich sinnlich bewegt ausgeführt. Mit geschlossenen Augen recken die beiden Flussgöttinnen ihre Köpfe gen Himmel. Die kniende und die halb sitzende Figur sind nahezu unbekleidet, zwei Tücher bedecken sie nur leicht. Stegers klassizistisch anmutende Figuren der 1930er- und 1940er-Jahre erfuhren während der Zeit des Nationalsozialismus durchaus Anerkennung. Sie waren auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ in München zu sehen, 1936 und 1940 nahm die Bildhauerin an Kunstwettbewerben für die Olympischen Spiele teil, 1938 erhielt sie den Villa-Romana-Preis. 1934 hatte der Kunstkritiker Fritz Nemitz Stegers Figuren als „Ausgleich und Synthese zwischen statischer, blockgebundener Kunst und dynamischer, offener Plastik“ beschrieben, die ihre „schöne, schwingende Mitte zwischen diesen Polen plastischen Gestaltens und auch die Mitte zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit“ gefunden hätten (Fritz Nemitz, Milly Steger, in: Die Kunst für Alle, 50. Jg. [1934], H. 1, S. 11). Zu den Erfolgreichen des Regimes gehörte Steger dennoch nicht: Große, erhoffte (Bau-)Aufträge blieben aus. Einige ihrer Arbeiten wurden 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt, darunter das „Schreitende Mädchen“ (1931; Verbleib unbekannt) in der Sammlung der Nationalgalerie. Nach 1945 blieb Steger kaum Zeit, an die Erfolge der Vorkriegszeit anzuknüpfen: 1948 erlag sie einem Krebsleiden. | Maike Steinkamp

Stehende III (Entwurf)

Stehende III (Entwurf)

Ursprünglich waren „Stehende II“ (B III 141) und „Stehende III“ (B III 142) Teil eines Entwurfs für eine Figurengruppe, die in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück am Fuß des Pylonen mit der Tragenden (B I 718) platziert werden sollte. Lammert schuf eine 15-köpfige Gruppe von Frauen und Mädchen, deren Gesichter und Körper von Hunger, Leid und Todesangst gezeichnet sind. Die Köpfe sind in unterschiedliche Richtungen gewendet, doch die Blicke sind leer und perspektivlos, die Körper ausgezehrt und schwach. Im Gegensatz dazu vermittelt Fritz Cremers Buchenwaldmahnmal (1952–1958; B I 694 und B III 279) noch kämpferischen Überlebenswillen. Als Lammert 1957 starb, waren die Figuren unvollendet und konnten zunächst nicht zur Aufstellung gebracht werden. 1985 wurden 13 der Figuren gegossen und als Mahnmal vor dem Alten Jüdischen Friedhof an der Großen Hamburger Straße 26 in Berlin-Mitte aufgestellt. In Unterlebensgröße auf einem Sockel stehend, begegnen sie den Passant*innen auf Augenhöhe. Die Wahl des Ortes sowie die Neuaufstellung waren das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen den Erben Lammerts, der Berliner Akademie der Künste und des Magistrats von Ost-Berlin. Die Gestaltung basiert auf einem Entwurf von John Heartfield für eine Plastik, die ursprünglich für die Lammert-Gedächtnisausstellung in der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin 1959 vorgesehen war. | Anja Pawel

Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas

Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas

Collagen und Assemblagen waren für Göritz, die bis 1963 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee studiert hatte, wichtige Ausdrucksformen, um sich mit dem Zeitgeschehen und persönlichen Erleben auseinanderzusetzen. Mit „Chile 73. Zum Tode Pablo Nerudas“ reagierte sie auf den Militärputsch in dem südamerikanischen Land am 11. September 1973. Die drei Jahre zuvor demokratisch gewählte Regierung des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende war gestürzt und in der Folge eine brutale Militärdiktatur errichtet worden. Kurze Zeit nach dem Putsch war zudem der unter militärischer Bewachung stehende chilenische Dichter Pablo Neruda, Nobelpreisträger und Freund Allendes, gestorben. In der DDR zerbrach mit Allendes Regierung die Hoffnung vieler Bürger*innen auf demokratische Reformen im eigenen Land. Ungemein breit fiel daher auch das künstlerische Echo auf das Ereignis aus. Als eindrückliches Beispiel hierfür steht Göritz’ Assemblage in Kontrast zum offiziellen Kunstschaffen in der DDR, für das Anfang der 1970er-Jahre noch die klassischen Gattungen und eine realistisch-figürliche Formauffassung maßgebend waren. In Göritz’ Bild wirken die aufwendig arrangierten, alltäglichen Materialien wie versprengt. Die spröde, silbrig-graue Farbgebung lässt die etwas dunklere untere Bildhälfte rußig wirken. Ein mittig aufgebrachtes, ärmelähnliches Stück Stoff und seine stellenweise rote Übermalung eröffnen Assoziationen an Verletzung und Schmerz. So mutet das Werk als Sinnbild auf Zerfall und Auslöschung an. | Sophie Thorak

Stehende

Stehende

Für die Skulptur aus Erlenholz stand Kirchner seine Freundin Erna Schilling (1884–1945) Modell. Erst im Frühjahr 1912, kurz nach seinem Umzug von Dresden nach Berlin, hatte er sie und ihre Schwester Gerda kennengelernt. Beide Frauen arbeiteten als Tänzerinnen in einem Nachtlokal. Mit ihrem kinnlangen Kurzhaarschnitt verweist die Figur – trotz der zeitlosen Nacktheit – auf die Gegenwart. Der zur Seite geneigte Kopf und der Tanzschritt verleihen der „Stehenden“ mit ihren vor dem Schoß verschränkten Händen eine starke Dynamik. Auf der Rückseite ist die Figur dagegen flach und relativ wenig ausgearbeitet. Dies resultiert aus der Form des Holzblocks und signalisiert zugleich klar, dass sich der Künstler von den Gestaltungsidealen akademischer Bildhauerei bewusst abgrenzte und stattdessen an außereuropäischer Kunst sowie der deutschen Frührenaissance orientierte. Auch mit der Wahl des Materials Holz, der damit einhergehenden Rückbesinnung auf die „Hand“ des Künstlers und mit der Maxime, direkt „aus dem Material“ zu schaffen, distanzierte sich Kirchner von der etablierten Arbeitsweise, nach der vom Tonmodell über den Gipsabguss zur Bronzeplastik zu gelangen war. 1925 reflektierte er sein Vorgehen: „Wie anders sieht gegen solche Figuren eine Plastik aus, die der Künstler selbst mit seinen Händen aus dem echten Material bildet, wo jede Wölbung und Vertiefung von der Sinnlichkeit der Hand des Schaffenden geformt wird, wo scharfer Hieb und zartestes Schnitzen unmittelbar das Gefühl des Künstlers ausdrücken“ (Louis de Marsalle [Kirchner], Über die plastischen Arbeiten von E. L. Kirchner, in: Der Cicerone, 17. Jg. [1925], H. 14, S. 696). | Aya Soika

Waldinneres auf Bali

Waldinneres auf Bali

In den 1910er- und 1920er-Jahren wurde der Maler, Grafiker und Bühnenbildner Heuser als expressionistischer Künstler bekannt. Er war seit 1913 Mitglied der Berliner Freien Secession und gehörte 1919 zu den Gründern der Darmstädter Sezession. 1926 reiste Heuser zusammen mit dem Maler Robert Genin nach Java, Sumatra und Bali. Dort fertigte er viele Aquarelle sowie das Gemälde „Waldinneres auf Bali“. Das Bild zeigt einen dichten Wald, aus dem sich zwei halb bekleidete indigene Frauen auf ihn zu bewegen. Sie sind umgeben von Bäumen, Blumen und weiteren Pflanzen in verschiedenen intensiven Grün- und Brauntönen. Heuser wollte unbedingt die Einwohner Balis malen. In seinem Aufsatz „Modellsorgen auf Bali“ hat er beschrieben, wie schwer es war, Frauen als Modelle zu gewinnen oder sie unbemerkt zu beobachten, um sie zu zeichnen (Heinrich Heuser, Modellsorgen auf Bali, in: Kunst der Zeit, 1. Jg. [1927], H. 2, S. 44 f.). Sein Blick auf das scheinbar „Exotische“, der auch im Aufsatz zum Ausdruck kommt, resultierte aus einem seit Jahrzehnten allgemein wachsenden Interesse für die vermeintlich unberührte Natur in von europäischen Ländern kolonialisierten Regionen sowie die Lebensweise ihrer Einwohner. Weitere in Deutschland kulturell Tätige reisten wie Heuser und Genin nach Indonesien (damals Niederländisch-Indien), sowohl bekannte, wie die Autorin Vicki Baum und der Künstler Walter Spies, als auch weniger einflussreiche Personen, zum Beispiel der Maler Arnold Busch. | Emily Joyce Evans

Der Spaziergänger

Der Spaziergänger

Das Sujet des Spaziergängers oder Wanderers begleitete Barlach über viele Jahre. Einerseits ging er selbst täglich über Land, andererseits war ihm das Wandermotiv auch ein Symbol für den Lebensgang an sich. In seiner Skulptur schreitet der füllige Spaziergänger in kräftiger Bewegung mit auf dem Rücken verschränkten Händen gegen den Wind aus. Barlach hat in seinen Taschenbüchern und Skizzenheften ab 1909 unzählige Studien zu Gehenden und Stehenden festgehalten. Die Anlage der Figur folgt einer Kohlezeichnung von 1911 (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1060), in den Taschenheften von 1912 gibt es Einzelstudien zu Gesicht und Händen (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 2, Heft 1163, 6, 21, 22). Noch in seinen Aufzeichnungen von 1916 sinnierte der selbstkritische Künstler über diese Skulptur: „Nur zum Beispiel in dem ‚Schlafenden Paar‘ und dem ‚Spaziergeher‘ liegt so etwas von schlichter Ledigkeit, ledig von allzu stündlicher Zeitigkeit, Weltgefühl, Hängen im großen, bloßen Dasein ohne Zeiteinteilung sind drin. Ich ging bei verwölktem Vollmond auf den Parumer Wiesen und stocherte nach Pilzen“ (Ernst Barlach, Güstrower Tagebuch, Heft 4, 9.11.1916, zit. nach Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1: Vorworte, Einleitung. Plastik 1894–1937, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 54). Nach dem ersten Entwurf in Ton schuf Barlach noch 1912 eine Fassung in Eichenholz (WVZ Laur 2006, 190). Die ersten Bronzegüsse entstanden 1938 in der Berliner Gießerei Noack. In diesem Zusammenhang könnten auch die verschiedenen Stukkogüsse wie der vorliegende gefertigt worden sein. | Angelika Wesenberg

Berglandschaft

Berglandschaft

Ob die „Berglandschaft“ auf einen konkreten Ort bezogen ist, etwa den Drachensee in Tirol vor der Mieminger Bergkette, ist unklar, denn eine Urlaubsreise Jaeckels ist für das Jahr 1919 nicht belegt: Allerdings verzeichnete der Künstler beachtliche Erfolge wie die Aufnahme in die Akademie der Künste zu Berlin im Januar 1919 und verkaufte offenbar so gut, dass Ende des Jahres „fast gar keine Bilder mehr verfügbar“ waren (Willy Jaeckel an Anton Brüning, Dezember 1919, zit. nach Dagmar Klein, Der Expressionist Willy Jaeckel, 1888–1944. Gemälde – Biographie – Künstlerbriefe, Köln 1990, S. 591) und im Frühjahr 1920 ein Haus in einem Hochtal im Allgäu erworben werden konnte. Künstlerisch beschäftigte sich Jaeckel 1919 vor allem mit religiösen Themen und theosophischen Fragen. Rückblickend schrieb er 1921: „Zurückgekehrt aus grauenhaftem Kriegslärm, sah ich das Land, das der Bebauung harrte. Neue Regungen zu neuen Werten waren bereit, mitzuhelfen an dem geistigen Dome der Menschheit. Das Licht schien wieder, das Licht aus eigenem Licht geboren. Die Dämmerung zerreißend, sah ich es wieder, und es zu sehen, heißt auch erkennen“ (Willy Jaeckel, in: Das graphische Jahr, Berlin 1921, S. 64, zit. nach Klein, S. 36). Dieses zeittypische Bedürfnis nach Spiritualität scheint dafür zu sprechen, Jaeckels „Berglandschaft“ mit einem See im von Frühnebel durchzogenen Hochgebirge als Sinnbild für den Beginn einer neuen Zeit zu deuten. | Dieter Scholz