Logo

Bergleute in Parade

Ident. Nr.: A IV 128

ObjID: obj:965316

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Willibald Mayerl (1896 - 1977),
Künstler*in
Datierung
1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bergleute in Parade
Übersetzung: Miners in Uniform
Provenienz
im Besitz des Künstlers, Hohndorf (Kreis Stollberg),
1967
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 194 x 132 cm
Erwerbung
1967 Ankauf vom Künstler, Hohndorf

Objektbeschreibung

Mayerl, der 42 Jahre im Bergbau arbeitete, bis er aufgrund einer Berufserkrankung mit 55 Jahren pensioniert wurde, malte in seiner Freizeit. 1963 schrieb er an die Nationalgalerie in Ost-Berlin: „Ich bin Bergmann und male seit 1928. Ausgebildet habe ich mich durch Selbststudium und einige Malstunden bei einer Chemnitzer Malerin. […] Da ich bald 70 Jahre alt werde, würde ich meine Arbeiten gern in der Nationalgalerie ausstellen. In unserem Arbeiter- und Bauernstaat müßte es doch möglich sein. Ich bin seit 16 Jahren Mitglied der SED.“ Zum Schluss grüßte er „Mit freundlichem Glückauf“ (Brief an die Direktion der Nationalgalerie, 27.5.1963, SMB-ZA, V/AS 917). Damals versuchte er bereits seit fast drei Jahren, die Zusage für eine Ausstellung in der Nationalgalerie zu erhalten; 1970 erhielt er die letzte Ablehnung (SMB-ZA, II A/NG 83, Bl. 261–300). 1967 war das Museum aber seinem Wunsch entgegengekommen, ein Bild zu erwerben. In der DDR wurden Mayerls Werke häufig öffentlich gezeigt, und Karlheinz Mund drehte 1975 einen Dokumentarfilm über ihn. Darin erzählt der Porträtierte über sein Leben und seine Kunst und scherzt unter anderem, dass die Beine seiner Figuren zu kurz seien, weil er von oben nach unten male. Ob uniformierte „Bergleute in Parade“ oder fast unbekleidete Arbeiter unter Tage, Mayerls Figuren reichen oft bis an den Bildrand, sodass sie körperliche Kraft und eine dominierende Präsenz ausstrahlen. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp