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Ruhender Wanderer

Ident. Nr.: B I 692

ObjID: obj:965341

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Barlach (1870 - 1938),
Künstler*in
Datierung
1910
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ruhender Wanderer
Übersetzung: Resting Wanderer
Geografische Bezüge
Provenienz
Alfred Neumann,
405603
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale Frankfurt am Main,
15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15.8.1935
Material / Technik
Gips, getönt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18 x 50 x 15 cm
Erwerbung
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunstbeständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Alfred Neumann, Frankfurt am Main

Objektbeschreibung

Barlach und der Schriftsteller wie Kunstkritiker Theodor Däubler (1876–1934) begegneten sich 1909 in Florenz. Beide waren zu dieser Zeit Stipendiaten der Villa Romana. Eine damals entstandene Skizze zu der späteren Skulptur beschriftete der Bildhauer so: „[N]ach Teodor Däubler am Tage an dem er die Nachricht erhielt, daß [sein Versepos] ‚Nordlicht‘ nun – doch – endlich – gedruckt werden würde. Während einer Rast am Strand, auf dem Wege von Forte dei Marmi nach Pietra Santa. 1909 Zum Holz ‚ruhender Wanderer‘“ (zit. nach WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 840). Über den 1910 entstandenen Entwurf in Gips notierte Barlach: „[…] er liegt da, etruskisch und landstreicherisch zugleich, mir schon gelungen scheinend, aber ich fürchte, ihm wird das Landstreicherische zu sehr überwiegen“ (zit. nach Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1: Vorworte, Einleitung. Plastik 1894–1937, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 41). So wählte Barlach einen neutralen Titel für sein Werk, das er noch 1910 in Holz ausführte (WVZ Laur 2006, 156) und 1910/1911 auch in Bronze gießen ließ. In den folgenden Jahren blieben die beiden Künstler in Kontakt. Däubler besuchte Barlach in Güstrow und brachte seine Wertschätzung für ihn in Vorträgen zum Ausdruck. Barlach ließ sich von Däublers imposanter Figur weiterhin plastisch, aber auch literarisch anregen: „Seine mächtige Leiblichkeit ist bei allem schwebend, nicht lastend. Ziellosigkeit ist sein Wesen, denn eigentlich ist er immer am Ziel“ (Ernst Barlach, Diario Däubler, 1912, zit. nach Ernst Barlach. Werke und Werkentwürfe aus fünf Jahrzehnten, Band 1, Ausst.-Kat., Berlin, 1981, S. 42; vgl. auch den Romanversuch „Seespeck“, 1913). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson