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Kaschemme II

Ident. Nr.: A IV 132

ObjID: obj:965370

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernest Neuschul (1895 - 1968),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kaschemme II
Übersetzung: Dive bar II
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1967
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 98 x 80 cm
Erwerbung
1967 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Nach Studien an der Graphischen Lehranstalt in Wien, der Kunstakademie in Krakau und der Akademie der bildenden Künste in Prag zog Neuschul 1920 mit seiner Freundin und späteren (ersten) Ehefrau Lucie Lindermann, einer holländisch-javanischen Tänzerin, nach Berlin. 1922 gingen die beiden unter den Namen Takka-Takka und Yoga-Taro auf Welttournee und feierten mit ihren Auftritten als javanisches Tanzpaar Erfolge in ganz Europa, den USA und Kanada. 1926 kamen sie zurück nach Berlin; im selben Jahr entstand Neuschuls „Kaschemme II“. Eine Variante des Gemäldes mit lediglich vier Figuren befindet sich im Hessischen Landesmuseum Darmstadt („Die Säufer“, 1927). Neben seiner Begeisterung für javanischen Tanz, asiatische Philosophie und Parapsychologie interessierte sich der Maler schon früh für gesellschaftliche Fragen. 1919 war er der KPD beigetreten, 1926 der Novembergruppe. Die „Kaschemme“ als Ort der Erholung für die arbeitende Bevölkerung erscheint in seinem Gemälde als dunkel abgedämpfter und zugleich sachlich klarer Raum für eine Gesellschaft der Übermüdeten: Vier der sechs Dargestellten haben ihre Augen geschlossen, die anderen beiden hängen rauchend ihren Gedanken nach. Bewusst entschied sich Neuschul gegen eine subjektiv gefärbte Darstellungsweise: Die „soziale Funktion der Kunst“ war ihm bei Weitem wichtiger, als „die individuelle Persönlichkeit des Künstlers in den Vordergrund“ zu stellen, wie er es selbst formuliert hat (Ernest Neuschul. Von der „Neuen Sachlichkeit“ zur neuen Unsachlichkeit, Ausst.-Kat., Berlin [West], 1966, o. S.). | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

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Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz