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Am Bahnhof

Ident. Nr.: A IV 89

ObjID: obj:965494

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Paul Fuhrmann (1893 - 1952),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1930
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Am Bahnhof
Übersetzung: At the Train Station
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Elisabeth Fuhrmann, Berlin,
1966
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 111 x 86 cm
Erwerbung
1966 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

In seinem Bahnhofsbild von 1930 hat Fuhrmann sein malerisches Interesse an klaren Flächengliederungen und eleganten Farbkombinationen mit dem inhaltlichen Bemühen, soziale Fragen der Zeit ins Bild zu setzen, verbunden. Während bürgerlich gekleidete Personen entspannt am Wasser flanieren, bittet ein am Kopf Bandagierter um eine milde Gabe, wartet die Kioskverkäuferin auf Kundschaft, müht sich ein Schiffer mit seinem Lastkahn, drängen sich Arbeiter in überfüllten Wagons. Hinter den eleganten Ingenieurskonstruktionen für den Verkehr signalisieren Fabrikschornsteine am Horizont, dass großstädtisches Leben und industriekapitalistische Produktion eng zusammenhängen. Gezeigt ist der Berliner Bahnhof Bellevue mit Stadtbahnbrücke, Gerickesteg und Moabiter Brücke (auch Bärenbrücke genannt wegen der Bärenskulpturen an den Brückenköpfen). Der Blick geht vom Bellevue-Ufer über die Spree zur Meierei Bolle in Moabit. Fuhrmann vereinfachte die Strukturen, monumentalisierte die Gebäude und führte auf der anderen Flussseite das Helgoländer Ufer, welches an der Moabiter Brücke endete, weiter vor dem Firmengelände entlang. Stilistisch übersetzte er die Ästhetik des Konstruktivismus in die zeittypische Sprache des Art déco. Seine Werke konnte Fuhrmann nach 1933 nicht mehr zeigen, seine Tätigkeit erst nach 1945 weiterführen, zuletzt als Grafiker im Ministerium für Arbeit der DDR. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Und sie bewegt sich doch! (Galilei II)

Im Jahr 1968 erhielt Cremer den Auftrag für eine öffentliche Großplastik im Zentrum von Karl-Marx-Stadt (heute erneut Chemnitz), die dem Thema „Befreiung der Wissenschaft“ gewidmet sein sollte. Gleichzeitig wurde Horst Zickelbein beauftragt, ein Wandbild zum Thema „Leben des Galilei“ zu entwickeln. Schnell stieß Cremer auf die angebliche Aussage Galileo Galileis (1564–1642) „und sie bewegt sich doch“ und nahm sie zum Ausgangspunkt; wichtig war auch Cremers Verbundenheit Verbundenheit mit Bertolt Brecht, der 1938 „Das Leben des Galilei“ verfasst hatte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Astronomen, der das heliozentrische Weltbild des Kopernikus bestätigte, und der Prozess der römisch-katholischen Kirche gegen ihn, in dessen Verlauf die Inquisition ihn zwang, seinen Theorien abzuschwören, sind das Thema von Brechts Theaterstück wie auch von Cremers Plastik. Galilei kniet und erhebt die Hand zum Schwur. Die Falten seines Gewandes gehen in den Scheiterhaufen über, dem er als Strafe für die „Häresie“ übergeben werden soll. Der Titel der Arbeit und die Sonnenkugel auf der linken Hand weisen jedoch auf die spätere Anerkennung der Leistungen Galileis hin. An der Sonne befindet sich eine kleine Erdkugel; beide Elemente dieser Plastik können sich drehen. Wie in vielen seiner Arbeiten verbindet Cremer zwei scheinbar entgegensetzte Momente: Galileis erzwungenen Widerruf sowie die spätere Bestätigung und Würdigung seiner Forschung. | Emily Joyce Evans

Abstraktion

Abstraktion

Das rhythmisch bewegte Bild ist das erste abstrakte Gemälde von Münter. Es entstand am 25. April 1912 in der Münchner Ainmillerstraße 36, wo sie mit ihrem Lebensgefährten Wassily Kandinsky seit 1909 zusammenwohnte. Dem Werk vorausgegangen war ein Besuch des Kunsthändlers Hans Goltz mit seiner Gattin und deren Freundin. Goltz hatte kurz zuvor „Die zweite Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter“ gezeigt. Bei seinem Besuch fertigte Münter zahlreiche Zeichnungen an, auf deren Basis mehrere Gemälde entstanden. Das erste, „Nach dem Tee I“ (Toyota Sogo Co., Ltd., Toyota-shi), bildete den Ausgangspunkt für „Abstraktion“. Im Vergleich lässt sich erkennen, dass die schwarzen Striche und farbigen Flächen zurückgehen auf die Darstellung der Teegesellschaft. Links ist an einem Fenster mit grünem Vorhang Münters Gesicht in Ocker angedeutet, darunter ihre blaue Bluse; davor als schwarzer Schatten Gertrude Goltz in einem Lehnstuhl mit dunkelroter Bespannung. Die kurvig schwingenden schwarzen Parallelen bezeichnen einen leeren Schaukelstuhl, zentral positioniert finden sich ein Schränkchen mit rotem Blumenstrauß und seitlich darüber Bilder an der Wand; rechts an einer Tischplatte Goltz und Kandinsky im Zwiegespräch. Letzterer ist durch strahlendes Weiß überhöht und gleichzeitig ausgelöscht. Die extreme räumliche Kluft zwischen Münter und Kandinsky wurde interpretiert als Zeichen der Krise ihrer Partnerschaft, die 1914 auseinanderging (vgl. Reinhold Heller, Innenräume. Erlebnis, Erinnerung und Synthese in der Kunst Gabriele Münters, in: Gabriele Münter 1877–1962. Retrospektive, Ausst.-Kat. München, 1992, S. 47–66). 1915 stellte Münter ihre Experimente mit abstrakter Malerei für fast vier Jahrzehnte ein. | Dieter Scholz

Gebeugter männlicher Torso

Gebeugter männlicher Torso

Fleck studierte in Leipzig und Dresden und ließ sich 1966 in Frankfurt (Oder) nieder, wo ihre Laufbahn als freischaffende Künstlerin begann. Als der „Gebeugte männliche Torso“ entstand, hatte sie soeben erst begonnen, in Sandstein zu arbeiten. Zu der Form des Torsos sagte sie: „Die ziemlich kleinen Blöcke selbst bringen einen ja auf diese Idee“ (Regina Fleck, gesehen von Manfred Tschirner, in: Sonntag, 13.6.1976). Fleck begriff ihre Torsi nicht als Fragmente, sondern als in sich vollständigen Ausdruck. Der damals verwendete Untertitel „Studie zu einem Gequälten“ offenbart, dass es ihr neben der Beschäftigung mit dem menschlichen Körper auch um eine psychologische Bedeutung ging. Der Fokus auf Emotionen und einen Teil des Körpers hat den Effekt einer konzentrierten Momentaufnahme, die gleichzeitig viele Bilder von der Haltung der gesamten Figur vorstellbar macht. 1979 wurde Fleck der Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste der DDR verliehen. In der Begründung der Jury heißt es, Fleck komme „in neuen Arbeiten [wie ‚Gebeugter männlicher Torso‘] zu Lösungen, in denen die geschlossene Form der klassischen Skulptur aufgegeben ist“. (Akademie der Künste, Berlin, AdK-O 1836, Bl. 2) Verfasser der Laudatio war der Kunstwissenschaftler Manfred Tschirner, der damals in der Galerie Junge Kunst, Frankfurt (Oder), arbeitete und die Künstlerin kannte; später wechselte er zur Nationalgalerie (Ost), die den Torso 1985 erwarb. | Emily Joyce Evans

Sturm auf Hiddensee
Verso: Landschaft

Sturm auf Hiddensee Verso: Landschaft

1892 in München geboren, kam Cassel 1909 nach Dresden. Dort setzte er seine zuvor in Erfurt begonnene Ausbildung an der Kunstgewerbeschule fort, in deren Verlauf er Otto Dix, Otto Griebel und Bernhard Kretzschmar kennenlernte. Nach dem Ersten Weltkrieg bewegte er sich im Kreis der Dresdner Sezession Gruppe 1919, ohne dass er dieser beigetreten wäre. 1921 zog er sich mit seiner jungen Familie nach Wehlen in der Sächsischen Schweiz zurück. Fortan verlebte er die Sommermonate in einem einfachen Schmiedehaus im Steinbruch. War der Ortswechsel ursprünglich finanziell motiviert, wurden die unmittelbare Nähe zur Natur und die Zivilisationsferne mehr und mehr zum Bedürfnis, welches sich auch künstlerisch Bahn brach. Dabei bediente sich Cassel alternierend Ausdrucksweisen, die expressionistisch, von Emil Nolde, aber auch naiv geprägt sein konnten. Eine lineare Entwicklung des Œuvre gab es nicht; mit diesem Stilpluralismus überraschte Cassel schon seine Zeitgenossen. Unmittelbare Naturerfahrung ist auch in dem Bild „Sturm auf Hiddensee“ das Thema. Zwei Figuren beschauen die überwiegend in intensiven Blau- und Grüntonen gehaltene Szenerie, die durch die grelle Beleuchtung von Laubwerk und Haus im rechten Vordergrund dramatisch aufgeladen ist. Ohne den roten wehenden Mantel der linken Figur würde das Paar farblich und gestalterisch vollständig in die Komposition eingebunden sein und somit in Gänze in diesem Naturschauspiel aufgehen. Ein Aufenthalt Cassels auf Hiddensee lässt sich für 1927 nachweisen, ob er auch im Folgejahr dort weilte oder es sich hier um eine künstlerische Nachlese handelt, ist nicht feststellbar. | Katharina Wippermann

Schlafzimmer

Schlafzimmer

Um 1963 bezog Böttcher sein erstes Berliner Wohnatelier, es lag in der Kastanienallee im Bezirk Prenzlauer Berg. Der Malerkollege Wolfgang Leber erinnert: „Das Atelier war einfach und glich eigentlich eher einer Notunterkunft aus der Nachkriegszeit. Es schien mir immer wie ein ehemaliger Laden oder eine Produktenhandlung, ein nicht sehr großer hoher Eckraum ohne Heizung […], und ein schmaler einfenstriger Raum dahinter, welcher über eine kleine Treppe erreichbar war. […] Dieses Atelier hatte für Manfred Böttcher, neben der Enge, noch einen weiteren Nachteil. Es lag in unmittelbarer Nähe des Künstlerbedarfs Weise.“ (Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 1992, S.14 f.) Der ehemals berühmte Laden für Künstlerbedarf verstärkte noch den damals üblichen Kontakt der Künstlerfreunde über häufige Besuche in den Ateliers. Böttcher hat Atelier und Schlafraum um 1967 mehrfach dargestellt. Bestimmt werden diese Bilder durch die für den Maler typische Farbmodulation aus Braun- und Weißtönen. Die Enge des Ateliers (A IV 476) führte zu kleinteiligen Kompositionen von poetischem Klang, die über eine einheitliche Farbgebung zusammengehalten sind. Bilder und Möbel bilden ein flirrendes Flächenmuster. Das Bild „Schlafzimmer“ (A IV 320) erinnert in der Komposition – Akt vor dunklem Hintergrund zwischen weißen Flächen – an das Bild „Sitzender Akt“ des Malerfreundes Harald Metzkes von 1966 (A IV 348). Auch von diesem Motiv schuf Böttcher Varianten. | Angelika Wesenberg