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Kopf der Marthe

Ident. Nr.: NG 26/65

ObjID: obj:965375

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Amedeo Modigliani (1884 - 1920),
Künstler*in
Datierung
1915
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf der Marthe
Originaltitel: Jeune femme
Übersetzung: Head of Marthe
Originaltitel: Jeune femme, la main au menton - dite "Marthe"
Provenienz
Etienne Bignou, Paris,
396876
Reid and Lefevre Gallery, London,
1938
The Earl of Sandwich,
1938 - um 1965
Roland, Browse & Delbanco, London,
396875
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 40,5 x 33 cm
Erwerbung
1965 Ankauf von Roland, Browse & Delbanco, London

Objektbeschreibung

Eine Frau hat nachdenklich ihren Kopf in die Hand gestützt. Sie hält ihn leicht schräg, sodass auch ihr hochgestecktes Haar zu sehen ist, wodurch eine perspektivische Verschiebung entsteht. Die Augen sind, typisch für Modigliani, dunkel und lassen keine Pupillen erkennen, sodass der Blick diffus wird und die Abgebildete den Betrachter:innen als leere Gestalt entgegenwirkt, die kaum Identifikationsmöglichkeiten bietet. Die dünn nachgezogenen Augenbrauen, der kleine rot geschminkte Mund und die dicken schwarzen Umrisslinien, die die Form des Gesichts umrahmen, lassen sie als puppenhafte Kunstfigur erscheinen. Der aus Livorno stammende Maler, der 1920 mit nur 36 Jahren starb, bewegte sich seit 1906 im Pariser Zentrum der Avantgarde, wo er seinen unvergleichlichen Stil entwickelte: überlange Figuren mit schlanken, langen Hälsen und einer geometrischen Vereinfachung der Gesichtszüge, die stets der alles konturierenden Linie treu blieben. Modiglianis ausschweifendes Leben, seine Beziehungen zu Frauen und der frühe Tod hatten einen ebenso großen Anteil an seiner nachträglichen Mythisierung wie seine Malerei. Zur Zeit der Entstehung des Bildes erhielt er erstmals größere Anerkennung, als er den Galeristen Paul Guillaume kennenlernte, der sein Förderer wurde. „Kopf der Marthe“ ist eines von unzähligen Porträts, die Modigliani nahezu seriell schuf. Die Sichtbarkeit der Hand, die in vielen seiner Bildnisse fehlt, fügt der Figur einen emotionalen, nachsinnenden Charakter hinzu, der den Betrachter:innen seiner Bilder sonst verwehrt bleibt. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson