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Sitzender männlicher Akt

Ident. Nr.: B III 90

ObjID: obj:965470

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Gustav Weidanz (1889 - 1970),
Künstler*in
Datierung
1961
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sitzender männlicher Akt
Übersetzung: Seated Male Nude
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 21 x 20 x 23 cm
Erwerbung
1970 Ankauf vom Künstler, Halle/Saale

Objektbeschreibung

Die Aktdarstellung eines sitzenden Mannes war das zweite Werk des Bildhauers, das in die Sammlung der Nationalgalerie (Ost) aufgenommen wurde. 1970 wurde die kleinformatige Bronzeskulptur aus dem Spätwerk von Weidanz direkt erworben. Der dargestellte Mensch sitzt auf einer langen, schmalen Plinthe. Er beugt sich mit rundem Rücken über die angestellten Beine und hat seine Arme im rechten Winkel zwischen diesen eingeklemmt. Sein Blick geht zum Boden, sodass der Gesichtsausdruck verborgen bleibt. In der symmetrischen Haltung, die durch die Position der Beine und Arme entsteht, wird eine besondere Körperspannung erkennbar. Der gekrümmte Rücken und die verschränkten Gliedmaßen deuten eine verschlossene Figur an, lediglich über die Zehen, die über die Kante der Plinthe hinausragen, scheint sie Kontakt zu ihrer Umwelt aufzunehmen und aus ihrer Geschlossenheit auszubrechen. Wie in anderen seiner Werke zeigte Weidanz auch in dieser Kleinplastik den Bezug zwischen äußerer Haltung und innerer Verfasstheit auf. In der ebenso spannungsreichen wie in sich gekehrten Körperhaltung scheint sich der emotionale Zustand des Mannes widerzuspiegeln. | Stefanie Meisgeier

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Große Felslandschaft

Große Felslandschaft

Im März 1933 verlor Lange seine Professur an der Kunstschule in Plauen. Gemeinsam mit zwei ebenfalls entlassenen Kollegen klagte er gegen diese Willkür, was am Ende ohne Erfolg blieb und die Annahme anderer Lehrämter unmöglich machte. Auch an Ausstellungen beteiligte er sich nicht mehr; er blieb für die folgenden Jahre damit weitgehend unerwähnt und sein Werk unbekannt. Lange zog zurück nach Dresden, übernahm verschiedene Dekorationsaufträge, und er begann, wie bereits als Student, wieder mit ausgedehnten Wanderungen durch die nahe Sächsische Schweiz. Die skurrilen Felsen dieser Region hatte er schon um 1913 mit Sinn für Form und Struktur in seinen Radierungen festgehalten. Nun entstanden zahlreiche sorgfältig ausgeführte Gemälde derselben Gegenden. Das Winterbild „Große Felslandschaft“ ist bestimmt von dem Weiß des Schnees und den unter einem Abendhimmel beleuchteten Felsen. Lange zeichnete mit dem Pinsel deren Struktur und färbte das Gestein in sehr dünner, lasierender Malerei reichfarbig ein. Will Grohmann hatte schon 1922 auf die Beziehungen zur sächsischen Romantik verwiesen, man könne leicht „auf den verwegenen Gedanken kommen, seiner sächsischen Abstammung weiter nachzugehen und eine Beziehung zur besten Dresdner Landschaftsmalerei nach 1800 feststellen. Wäre es ein Wunder, wenn Otto Lange nach so vielen Jahren in Dresden etwas von der Musik dieser Landschaft und ihrer Entdecker in sich einfließen ließe?“ (Will Grohmann, Handzeichnungen von Otto Lange, in: Der Cicerone, 14. Jg. [1922], H. 22, S. 900). | Angelika Wesenberg

Wald

Wald

Bereits 1962/1963 hatte Uecker Nägel in hölzerne Alltagsgegenstände geschlagen. Tische, Stühle, Fernsehapparate oder Konzertflügel erhielten dadurch die Anmutung afrikanischer Nagelfetische. Arbeiten mit naturbelassenem Holz entstanden erst später: „Angefangen hatte es ja mit einem Baum 1980, der starb in Wuppertal, der gefällt werden mußte. Da ich aufgefordert wurde, in der Galerie Brusten eine Ausstellung zu machen, habe ich diesen Baum in den Ausstellungsraum gestellt, oben rund geschlagen und mit der Asche der übrigen verbrannten Teile der Äste – mit Leim versehen – behäuft, so wie Asche aufs Haupt, und bekrönt. Ich habe ihm damit ein nekrophiles Dasein gegeben, ein künstliches Leben. […] Mehr assoziativ die geschundene Natur; auch Christus, der geschundene Leib, der einfach warnend vor uns steht. Ich nannte das Ganze auch Kunstpranger. Mit Hilfe der Kunst ist da etwas angeprangert.“ (Uecker in: Günther Uecker, Kann Fruchtbarkeit auf Asche gründen, Ausst.-Kat., Lübeck, 1990, S. 19) Seit 1984 entstanden verschiedene mehrteilige Gruppen unter dem Titel „Wald“, beginnend mit der achtteiligen Fassung der Nationalgalerie. Deren Direktor sah darin „ein kritisches Environment als Mahnmal gegen das Waldsterben“ (Dieter Honisch, Über einige Neuerwerbungen, in: Verein der Freunde der Nationalgalerie, Heft 6, 1989, S. 13). Die großflächige Schädigung des Baumbestandes führte mit zur Gründung der westdeutschen Umweltschutzpartei Die Grünen 1980 und zu deren erstmaligem Einzug in den Bundestag 1983. | Dieter Scholz

Fischreiher

Fischreiher

Der dänische Bildhauer und Medailleur Malinowski studierte von 1918 bis 1921 an der Bildhauerschule der Kopenhagener Akademie und besuchte Paris, Berlin und London. Bekannt wurde er vor allem für Schmuckdesign. In wessen Auftrag oder für welchen Zweck er das Flachrelief „Fischreiher“ (B III 256) schuf, ist nicht bekannt. Malinowski hat hier mit Grau- und Schwarztönen gearbeitet. Oben lässt die Sonne oder der Mond den Reiher zur dunklen Silhouette werden. In der unteren Hälfte kommt das Licht auch von der Betrachterseite, denn die beiden konzentrischen Wellen sind ebenso wie die Beine und Federn des Reihers hell gestaltet. Dieses ruhige, friedliche Bild des einsam im Wasser stehenden Vogels befindet sich in krassem Gegensatz zum „Militärgeistlichen“ (B III 255). Hier ruht ein Soldatenhelm nicht auf einem menschlichen Gesicht, sondern auf einem Totenkopf. Der Seelsorger der Soldaten ist selbst ein Toter. Seine Augenhöhlen versinken tief im Schatten des Helmrands, die Jochbeine stehen hervor. Die Basis der Skulptur bildet eine große, radförmige, wie eine Halskrause wirkende Struktur mit regelmäßigen Einkerbungen, die entfernt an eine Panzerkette denken lassen. Das Kreuz auf dem Helm kennzeichnet den Geistlichen, doch darunter verbirgt sich etwas Drohendes. Der Helm entspricht der Ausstattung deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg, erkennbar an dem tiefen Rand, der den Nacken schützt, sowie den Belüftungslöchern links und rechts. Malinowskis Sohn Kuno, der sich mit seinem Bruder Ivan, einem Schriftsteller, das Erbe des Bildhauers teilte, schenkte 1986 insgesamt drei Werke nach Ost-Berlin, da die Eltern des Künstlers aus Berlin stammten, vor allem aber aus politischen Gründen, wie er selbst hervorhob: „Wichtiger noch ist allerdings, dass in unserer Zeit die DDR die Hauptträgerin der deutschen Kulturtradition ist“ (SMB-ZA, II A/NG 336, Bl. 414). | Emily Joyce Evans

Mutter und Kind mit Taube und Blumen

Mutter und Kind mit Taube und Blumen

Das Motiv der Taube als Friedenssymbol beschäftigte Lachnit schon einige Jahre lang, als dieses Gemälde entstand. 1949 hatte der von ihm verehrte Pablo Picasso für den Weltfriedenskongress in Paris die Lithografie einer stilisierten Taube entwickelt und damit ein uraltes Friedenssymbol neu aufgenommen. Noch im selben Jahr zeichnete Lachnit in Tusche „Mutter, Kind und Taube“. Die Neujahrskarte 1950 der Dresdner Künstler an alle deutschen Künstler zeigte unter anderem dieses Motiv von Lachnit (Abb. in Wilhelm Lachnit, Ausst.-Kat., Dresden, 2012, S. 162). In veränderter Ausführung wiederholte er die Komposition für dieses Gemälde, das anlässlich der im August 1951 in Berlin stattfindenden Weltfestspiele der Jugend für den Frieden entstand und das dann Ende des Jahres in der Ausstellung „Künstler schaffen für den Frieden“ im Museumsbau am Kupfergraben (Pergamonmuseum) in Berlin gezeigt wurde. Im Vergleich zu der Tuschzeichnung ist das Gemälde weniger stilisiert und symbolisch aufgeladen: Die Mutter scheint entspannt und dem Betrachter zugewandt, die Taube sitzt zutraulich vor dem Kind. Fast im Zentrum des Bildes befindet sich der große Strauß aus Flieder, Pfingstrosen und Iris, davor ein weißes drapiertes Tuch. Dem heiteren Gesamtklang entspricht der Hintergrund in Blau und Rosé mit gliedernden Streifen. Ein Holzschnitt „Mutter und Kind mit Taube“ entstand nach dem Gemälde. Aber in dem Temperablatt „Taube auf Krücken“ (Privatbesitz) mit den drei Spöttern am rechten Rand zeigte er die Taube und damit den Frieden auch als ständig bedroht. | Angelika Wesenberg

Junger Schakal
Verso: Schaubude

Junger Schakal Verso: Schaubude

1937 wurden auch Arbeiten Hegenbarths aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, von ihrer Einbindung in die Schandausstellungen „Entartete Kunst“ blieb er verschont. Um weiteren Restriktionen zu entgehen, konzentrierte sich Hegenbarth fortan ganz auf Tierdarstellungen, ohne die bildnerische Konfrontation mit den menschlichen Betrachtern. Als Maler von Tieren, wenngleich er diese so überscharf charakterisierte wie vordem Personen, blieb er relativ unbehelligt und konnte weiterhin an Ausstellungen teilnehmen. Für die Wiedergabe der intensiv beobachteten Tiere hatte Hegenbarth eine eigene Technik entwickelt und perfektionierte sie fortwährend: Die eher trockene, oft krümelige Farbpaste ist pastos aufgetragen, mit hartem, abgenutztem Pinsel verrieben und erst auf dem Bild zu einer schrundigen, vielfarbigen Oberfläche vermischt. Oft verwendete der Künstler eingeritzte Linien, zur Anlage des Motivs auf dem Untergrund oder, deutlicher sichtbar, am Arbeitsende zur Betonung von Details, der Barthaare etwa. Zwei dieser eindrücklichen Studien konnte die Nationalgalerie (Ost) 1970 von Johanna Hegenbarth, der Witwe des Künstlers, erwerben: Eines der „Maultiere“ (A IV 255) stellte Hegenbarth ruhig grasend auf gelber Erdkruste mit sparsamem Grün dar, vor einem verhangenen dunkelblauen Himmel. Bildbestimmend ist hier der charakteristische Kontur. Die Rückseite zeigt eine Studie mit Felsbrocken und Gebüsch. Dem „Jungen Schakal“ (A IV 254) dagegen, offensichtlich in seinem Käfig beobachtet, sehen wir bei scheinbarer Verspieltheit eine lauernde Aggressivität an. Farblich verbindet sich das gefangene Tier mit dem Hintergrund, nur der Kopf mit dem geöffneten Maul hebt sich ab. Auf der Rückseite dieser Studie sieht man eine wartende Menschenmenge vor einer Schaubude. | Angelika Wesenberg

Bildnisrelief Max Jordan

Bildnisrelief Max Jordan

Wurden die Geschicke der Nationalgalerie anfänglich von Künstlern der Berliner Akademie der Künste bestimmt, berief man 1874 erstmals einen Kunsthistoriker zum Direktor: Max Jordan (1837–1906), der bis dahin das Städtische Museum in Leipzig geleitet hatte. Mit seinem Schwerpunkt auf idealistischer Kunst setzte der Wissenschaftler und Museumsmann neue Akzente. Unter Jordan fanden vor allem große Konvolute der Nazarener Eingang in die Sammlung, darüber hinaus tätigte er erste grundlegende Erwerbungen von Arnold Böcklin und Adolph Menzel. Das Porträtrelief Jordans schuf Lederer 1906/1907. Es zeigt den Kunsthistoriker im zeitgenössischen Anzug und in strengem Profil nach rechts gewandt. Scharf gezogene Kontur- und Binnenlinien verleihen den hageren, bereits vom Alter gezeichneten Gesichtszügen einen gewissen harschen Charakter. Das Relief findet sich unter anderem auch auf Jordans Grabstein (ursprünglich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, 1938/1939 umgebettet auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf). Ein zweiter Bronzeguss der Grabmalfassung (B II 463) sowie eine Gipsversion (B I 548 a) wurden 1933 der Nationalgalerie von der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst geschenkt, darüber hinaus gelangten zwei Exemplare einer verkleinerten Fassung in Weißmetall (SKG 16/79) und Gips (B I 548 b) in die Sammlung. Die kleine Erinnerungsplakette stellte die Grundlage für die größere Grabmalfassung dar und fand in unbekannter Zahl Verbreitung. Eine Gipsausführung der rückseitigen Plaketten-Widmung (B I 548 d) gibt Aufschluss über den Auftragsanlass: „ZUM . 25. JAEHRIGEN / JUBILAEUM . GEWID. / VON DER VERBIND.G FUER / HISTOR . KUNST. / JUNI . 1906“. Auf der Hauptversammlung der Verbindung am 12./13. Juni 1906 hatte man beschlossen, das 25-jährige Engagement Jordans als deren Geschäftsführer zu ehren; der Kunsthistoriker starb noch im November desselben Jahres. Doch war Lederer offensichtlich nur die zweite Wahl, hatte man doch zunächst geplant, den Bildhauer Hermann Hahn um einen Entwurf zu bitten (Paul Schumann, Die Verbindung für historische Kunst, in: Die Werkstatt der Kunst, 5. Jg. [1905/1906], H. 39, S. 539). | Yvette Deseyve

Das Trojanische Pferd

Das Trojanische Pferd

Immer wieder hat Corinth der antiken Literatur Motive entlehnt. Als bedeutendes Alterswerk entstand kurz vor seinem Tod die seltsam modern und gegenwärtig wirkende Geschichtsdarstellung „Das Trojanische Pferd“. Zu sehen ist eine Szene aus dem Kampf um Troja nach dem uralten Epos „Ilias“ von Homer: Nach jahrelanger Belagerung der Stadt gibt das Heer der Griechen scheinbar auf und stellt ein riesiges hölzernes Pferd als Siegesgabe vor die unüberwindlichen Mauern. Corinth zeigt die Verhaftung des als Boten zurückgelassenen Griechen und einen schwer bewaffneten Trupp der Hellenen, der sich aus einem der Stadttore nähert und später das Ungetüm in die Stadt ziehen wird. Nachts werden die darin verborgenen Griechen die Tore öffnen und damit den Untergang der Trojaner einleiten. Die Darstellung, durch etliche Zeichnungen vorbereitet, bleibt bewusst unbestimmt und durch die kurzen, nervösen Pinselstriche skizzenhaft. Trotz ironischer, ja karikierender und vieler farbpoetischer Momente ist eine hintergründige Vision von Bedrohung und Untergang entstanden. Der festungsartigen, von einem blau schimmernden Meer umgebenen Stadt unter einem rot und gelb geschlierten Himmel steht der schiefergraue Koloss des Pferdes der Griechen entgegen. Die agierenden Personen verunklären absichtsvoll die Komposition. Das Licht der niedrig stehenden Sonne umfängt Boote, Krieger und das hölzerne Pferd mit einem schimmernden Lichtrand. Corinth hat selbst noch das ursprünglich seiner Frau, Charlotte Berend-Corinth, zugedachte Gemälde als Leihgabe in die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais gegeben. In der Gedächtnisausstellung der Nationalgalerie im Jahr 1926 war das Bild dann ein Hauptwerk. Direktor Ludwig Justi fasste die Wirkung des Gemäldes zusammen: „[…] der ganze Bildraum funkelnd, als wäre ein Tau farbiger Edelsteine gefallen“ (Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin, 1926, S. 9). Aus der Gedächtnisausstellung kam das Werk als Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers in die Sammlung der Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg