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Das Trojanische Pferd

Ident. Nr.: A II 488

ObjID: obj:967284

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Lovis Corinth (1858 - 1925),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1924
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Das Trojanische Pferd
Übersetzung: The Trojan Horse
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Provenienz
Nachlass des Künstlers,
bis 1926
Schenkung: Nationalgalerie, Berlin,
1926 - 1937
Rückgabe an die Nationalgalerie, Berlin,
1939
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 105 x 135 cm
Erwerbung
1926 Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers anlässlich der Gedächtnisausstellung von Lovis Corinth in der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Immer wieder hat Corinth der antiken Literatur Motive entlehnt. Als bedeutendes Alterswerk entstand kurz vor seinem Tod die seltsam modern und gegenwärtig wirkende Geschichtsdarstellung „Das Trojanische Pferd“. Zu sehen ist eine Szene aus dem Kampf um Troja nach dem uralten Epos „Ilias“ von Homer: Nach jahrelanger Belagerung der Stadt gibt das Heer der Griechen scheinbar auf und stellt ein riesiges hölzernes Pferd als Siegesgabe vor die unüberwindlichen Mauern. Corinth zeigt die Verhaftung des als Boten zurückgelassenen Griechen und einen schwer bewaffneten Trupp der Hellenen, der sich aus einem der Stadttore nähert und später das Ungetüm in die Stadt ziehen wird. Nachts werden die darin verborgenen Griechen die Tore öffnen und damit den Untergang der Trojaner einleiten. Die Darstellung, durch etliche Zeichnungen vorbereitet, bleibt bewusst unbestimmt und durch die kurzen, nervösen Pinselstriche skizzenhaft. Trotz ironischer, ja karikierender und vieler farbpoetischer Momente ist eine hintergründige Vision von Bedrohung und Untergang entstanden. Der festungsartigen, von einem blau schimmernden Meer umgebenen Stadt unter einem rot und gelb geschlierten Himmel steht der schiefergraue Koloss des Pferdes der Griechen entgegen. Die agierenden Personen verunklären absichtsvoll die Komposition. Das Licht der niedrig stehenden Sonne umfängt Boote, Krieger und das hölzerne Pferd mit einem schimmernden Lichtrand. Corinth hat selbst noch das ursprünglich seiner Frau, Charlotte Berend-Corinth, zugedachte Gemälde als Leihgabe in die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais gegeben. In der Gedächtnisausstellung der Nationalgalerie im Jahr 1926 war das Bild dann ein Hauptwerk. Direktor Ludwig Justi fasste die Wirkung des Gemäldes zusammen: „[…] der ganze Bildraum funkelnd, als wäre ein Tau farbiger Edelsteine gefallen“ (Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin, 1926, S. 9). Aus der Gedächtnisausstellung kam das Werk als Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers in die Sammlung der Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 25.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Unistische Komposition

Unistische Komposition

Der polnische Künstler Strzemiński und seine Frau, die Bildhauerin Katarzyna Kobro, hatten um 1928 die Theorie des Unismus entwickelt, die sich an mathematischen Kategorien wie Maß, Fläche und Proportion sowie deren Verhältnis zum Raum orientiert. Die danach entstandenen Kunstwerke folgten einer den Bildern innewohnenden organischen Einheit, die sich völlig autonom gegenüber außerkünstlerischen Begebenheiten verhalten sollte. Für Strzemiński war ein Kunstwerk kein Zeichen von etwas, sondern es existiert nur durch sich selbst, wie er schon 1924 erklärte (zit. in: Władysław Strzemiński. 1893–1952, Ausst.-Kat., Bonn, 1994, S. 24). Linien und Farben stehen dabei – ebenso wie zum Bildträger – in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander. Auch die „Unistische Komposition“ von 1932 folgt diesen Prämissen. Sie ist in einem monochromen Grün gehalten, das ein pastos aufgetragenes, amorphes Liniengeflecht ausfüllt, welches den Bildraum wie einen in sich geschlossenen Organismus belebt. Trotz oder gerade wegen seiner Selbstreferenzialität hatte das unistische Bild für Strzemiński auch eine gesellschaftliche Bedeutung: In seiner Homogenität spiegelte sich darin für ihn die gesellschaftliche Utopie einer einheitlichen Organisation der Gesellschaft. Indem das unistische Bild nicht Abbild, sondern nur „es selbst“ war, konnte es dem aktuellen Zustand der Gesellschaft vorausgreifen und so Bauplan und Modell für eine bessere Welt sein. Die kleinformatige Komposition der Nationalgalerie stammt aus dem Familienbesitz des polnischen, seit 1976 in (West-)Berlin lebenden Bildhauers Karol Broniatowski. | Maike Steinkamp

Lustige Vorgänge

Lustige Vorgänge

Asger Oluf Jørgensen nannte sich ab 1945 Asger Jorn. Er betrachtete die vereinfachte Form als praktischer auf der internationalen Bühne. Meist betitelte er seine Werke in der Sprache des Landes, in dem sie entstanden waren, oder in erfundenen Sprachen, wie er sie etwa in James Joyces 1939 veröffentlichten Roman „Finnegans Wake“ vorfand. Diese Herangehensweise spiegelt sein Interesse am Internationalismus wider sowie seinen spielerischen und experimentellen Umgang mit Kunst und Sprache. Zu den häufig für Titel verwendeten Sprachen gehören neben seiner Muttersprache Dänisch auch Französisch, Englisch, Italienisch, Niederländisch und Deutsch. Die beiden expressiv-emotionalen Gemälde „Lustige Vorgänge“ und „Gitterleute“ entstanden in München, als Jorn sich über Weihnachten und Neujahr 1957/1958 im Haus des Galeristen und Sammlers Otto van de Loo aufhielt. Die herzliche, ausgelassene Stimmung und die bodenständige bayerische Volkskultur amüsierten ihn derart, dass die von ihm ersehnte „Orgie des Malens“ tatsächlich stattfand: Während dieser kurzen, äußerst produktiven Phase soll Jorn 24 Leinwände bemalt haben (Brief Jorn an Otto van de Loo, 12.12.1957, in: Guy Atkins, Asger Jorn. The Crucial Years: 1954–1964, London 1977, S. 40, Anm. 2). Das humorvolle, verspielte Gemälde „Lustige Vorgänge“ mit seinen leuchtenden Farben und dynamischen Formen stellt eine karikaturhafte Figur in den Mittelpunkt. Im Gegensatz dazu dominiert in dem engen, aus Grün, Blau, Rot und Weiß komponierten Farbraum von „Gitterleute“ eine mit harten schwarzen Linien gezeichnete, käfigartige Struktur. | Catherine Nichols

Sitzender Akt am Fenster

Sitzender Akt am Fenster

Sowohl das Bild „Sitzender Akt am Fenster“ (A IV 313) als auch „Selbstbildnis mit roter Kappe“ (A IV 421) besitzen Studiencharakter, sind aber vollwertige, signierte Bilder, welche die Nationalgalerie (Ost) beim Künstler erwarb. Das Motiv des Aktes kommt erst seit den 1960er-Jahren bei Niemeyer vor. Das „läßt die Vermutung aufkommen, der Künstler hätte seine Versuche in der Technik der Lichtwiedergabe auch und gerade am nackten Körper und im geschlossenen Raum für sich unter Beweis stellen wollen“. (Annie Bardon, in: Otto Niemeyer-Holstein, Malerei und Aquarelle, Ausst.-Kat. Rostock, 1995, S. 19) Es geht Niemeyer in dieser Bildreihe um Volumen und Formen, das Spiel der Farbe und, wie an dieser Figur vor lichtblauer Landschaft besonders deutlich wird, um atmosphärische Werte. Auch das Selbstbildnis ist mehr Farbereignis als Selbsterkundung. Das Gesicht ist wenig ausgeführt, wie auch auf vielen der Aktdarstellungen. Vielleicht können wir Skepsis erkennen. Diese auf koloristische Wirkung hin entstandenen Bildnisse sind nicht gefällig, keine Oberflächenschönheit ist angestrebt. Die Figuren sind aus übereinander gesetzten Mischtönen aufgebaut. Dennoch gibt es Haltungen und einen Handlungsraum: Der Akt sitzt im Lehnstuhl vor einer Fensterfront, der Maler steht mit seinem Malstock in dickem Mantel und der prägnanten hohen, roten Kappe in winterlicher Landschaft. Für beide Figuren gibt es Vorbilder in der Kunstgeschichte. | Angelika Wesenberg

Gudari

Gudari

Die abstrakte Eisenplastik „Gudari“ ist das einzige Werk des spanisch-baskischen Bildhauers Chillida in der Sammlung der Nationalgalerie. Das 3,5 Tonnen schwere Werk besteht aus einer Stele, aus der etwa in Augenhöhe drei Vierkantstreben seitlich herauskragen, die wie Tentakel oder Zangenköpfe als Winkel und Kurven ausgebildet sind. Charakteristisch für Chillidas Plastiken ist die Patina aus Rost, entstanden durch Oxidation im baskischen Regen. Die Formation wirkt mit sich selbst beschäftigt, zugleich konflikthaltig, wie in Balance gehalten. Sie beruht auf den typischen Prinzipien in Chillidas Schaffen, das fünf Jahrzehnte umspannt. Statik und Dynamik, Material und Raum treffen zusammen. Chillida, der 1943–1946 in Madrid Architektur studiert hatte, bevor er sich ganz der Kunst zuwandte, nannte sich selbst einen „Architekten der Leere“. Seine Werke streben nach allgemeingültigen Aussagen und sind offen für unterschiedliche Interpretationen. Allenfalls der Titel gibt einen Anhaltspunkt. So reflektiert das baskische „Gudari“ (dt. Krieger) 1979, im Jahr der Erwerbung, möglicherweise die „alte Rolle Berlins als Frontstadt des Kalten Krieges“ (Peter-Klaus Schuster, Eduardo Chillida, „Berlin“, 2001, S. 31). Über drei Jahrzehnte lang stand die Plastik an der Südostecke der Terrasse der Neuen Nationalgalerie. Chillidas Arbeiten zeichnen sich durch eine enge, oft ortsspezifische Verbundenheit mit der Musik, vor allem zu Johann Sebastian Bach, und mit der Natur aus. Passend dazu wurde „Gudari“ nach der Grundinstandsetzung 2021 in den Skulpturengarten umgesetzt. | Uta Caspary

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Während seines Aufenthalts auf dem Baumwollkolchos „Lenin“, den Vogeler auf seiner Reise in den Südkaukasus im Sommer 1939 besuchte, fuhr er auch in das angrenzende Hochgebirge. Dort hielt er die baumlose grüne Berglandschaft und das Leben der kurdischen und armenischen Hirten in schriftlichen Aufzeichnungen und etlichen Bildern fest. Ein Ergebnis dieser Eindrücke ist das Gemälde „Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin“ (A III 288), das eine Gruppe von Hirtinnen und Hirten auf einem Bergplateau zeigt. Dem vorausgegangen waren die Studie „Versammlung kurdischer Hirten“ (A III 287) sowie eine Vielzahl an Zeichnungen und Aquarellen, die sich ebenso wie die Studien zu seinen anderen Reisen zum Teil im Kupferstichkabinett, Berlin, befinden. Auch das Gemälde „Armenische Hirten“ (A III 289) ist diesem Entstehungskontext zuzurechnen. Mit den genannten Werken gab Vogeler einen Einblick in das einfache, traditionsverbundene Leben der Hirten sowie der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in dieser politisch so umkämpften Region aufeinandertrafen. Sie zeigen auch die Veränderungen auf, die mit der „Eingliederung“ in die Sowjetunion verbunden waren, die Dichotomie zwischen Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, wie sie in dem 1940 entstandenen Gemälde „Sowjetgut Lissogorsk, Armenien“ (A III 290) zu erkennen ist. Während sich im Hintergrund jenes Bildes vor den beeindruckenden grünen Bergrücken des Nordkaukasus die modernen weißen Stallgebäude des Sowjetgutes erstrecken, sieht man im Vordergrund die traditonellen braunen Jurten der einheimischen Bevölkerung. | Maike Steinkamp