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Gedankenflug

Ident. Nr.: NG 66/84

ObjID: obj:965514

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Hoetger (1874 - 1949),
Künstler*in
Datierung
1906
Weitere Titel
Sammlungstitel: Gedankenflug
Übersetzung: Flights of Thought
Geografische Bezüge
Material / Technik
Steinguß
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 49,3 x 44,5 x 25,5 cm
Erwerbung
1984 Ankauf vom Graphischen Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen, aus Mitteln des Landes Berlin

Objektbeschreibung

Eine junge Frau hält ihren Kopf seitlich nach oben geneigt, sodass ihr kräftiger Hals hervortritt. Ihre Haare liegen in schmalen, strähnigen Wellen eng am Kopf an. Die Oberfläche der überlebensgroßen Gusssteinplastik ist glatt, unterhalb der Halspartie wirkt die Büste wie abgeschnitten. Anschließend kommt der raue, unbearbeitet aussehende Stein als Sockel zum Vorschein, der einen starken Kontrast zur ebenen Haut bildet. Für den Kopf soll Clara Haken (um 1885 – um 1960) Modell gestanden haben, die Schwester von Hoetgers Ehefrau Helene. Dennoch erscheint das Gesicht stark stilisiert und keiner konkreten Person zuzuordnen. Im Werk des Künstlers markiert die Büste eine Wende, die von der rauen Oberflächengestaltung im Stil Auguste Rodins in seiner Pariser Zeit hin zu einer glatten Oberfläche bestand. Hoetger war ein enorm vielseitiger Bildhauer, er schuf in unzähligen stilistischen Variationen und Materialien, zudem widmete er sich der Malerei und Grafik. Zunehmend begann er sich mit dem Entwurf von expressionistischen Gebäuden samt zugehöriger Bauplastik sowie mit Kunsthandwerk zu befassen und erhielt zahlreiche Aufträge. Nachdem sein selbst erbautes Wohnhaus in Berlin, in dem er seit 1934 gelebt hatte, im Krieg zerstört worden war, siedelte er in die Schweiz um, wo er 1949 starb. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson