Vogelwarte
Ident. Nr.: B 486
ObjID: obj:965537
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1954
- Material / Technik
- Öl auf Zeitungspapier auf Pappe
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 26 x 36 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/965537
Objektbeschreibung
In der Art einer Flagge ist das kleine Querformat in drei Farbstreifen gegliedert: Unten ein erdschweres Braun, oben ein sonniges Gelb, dazwischen ein helles Blau mit farbigen Flecken. Während Erd- und Sonnenzone in sich ruhen, vibriert die Mitte förmlich: Alles scheint zu fliegen, tanzen, flattern und wallen, nur die Hütte der titelgebenden Vogelwarte ist fest mit der Erde verbunden. Ein großer schmaler Vogelkörper schwebt über dem bunten Treiben, grün gefärbt, verbindet er das Gelb mit dem Blau, das ihn wie Wasser trägt. In den 1950er-Jahren malte Fritsch zahlreiche solcher fast skizzenhaften kleinen Ölbilder auf Zeitungspapier. Sicher ist es kein Zufall, dass in diesem Gemälde just das Wort „Aufruhr“ aus einer gedruckten Schlagzeile mittig unter der Malschicht lesbar ist. „Vogelwarte“ ist stiltypisch für die Nachkriegsphase in Fritschs Werk. Das Trauma der NS-Zeit, die der als „entartet“ diffamierte Berliner Künstler teils als Lehrer an der Reimann-Schule (1939 aus antisemitischen Beweggründen umbenannt in Kunst und Werk Privatschule für Gestaltung), teils als Soldat und Kriegsgefangener erlebte, lässt sich in seinem Schaffen als klare Zäsur ablesen: Die neusachlich-kühlen Alltagsporträts der Jahre vor 1933 werden nach 1945 abgelöst von lyrischen Bildern im locker malerischen Gestus, die von Traum, Hypnose und anderen Zwischen- und Schwebezuständen erzählen. Flächigkeit und Farbkraft des Spätwerks erinnern ein wenig an gebrauchsgrafische Entwürfe, wie Fritsch sie um 1910 als Lehrling in einem Atelier für Wandstoffe und Tapeten gezeichnet hatte. | Christina Thomson
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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Neue Nationalgalerie
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