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Klage

Ident. Nr.: B I 443

ObjID: obj:965562

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Kolbe (1877 - 1947),
Künstler*in
Datierung
1921 (Guss 1921)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Klage
Übersetzung: Lament
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1921
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 40 x 56 x 28 cm
Erwerbung
1921 Ankauf vom Künstler

Objektbeschreibung

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Kolbe in stilisierten, vereinfachten Formen. Anders als zuvor und danach schuf er seine Figuren damals nicht direkt nach einem Modell, sondern bereitete sie zeichnerisch vor. Aus seiner sogenannten expressionistischen Phase sind zahlreiche stark bewegte Federzeichnungen bekannt. Mehrere Blätter stehen mit der Figur „Klage“ in engem Zusammenhang (Mensch – Figur – Raum. Werke deutscher Bildhauer des 20. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin [Ost], 1988, Nr. 182, 183, Abb. S. 62, 88). Die ausgreifenden Gesten sind vom Ausdruckstanz beeinflusst: Kolbe war ein häufiger Gast in entsprechenden Aufführungen, und einige der Protagonistinnen dieser Bewegung – wie Charlotte Bara oder Gret Palucca – besuchten sein Atelier. Aber auch seine anderen Modelle folgten in jenen Jahren dem gleichen Bestreben: Gefühlsausdruck in körperliche Bewegung zu übersetzen. Im Fall der „Klage“ war die enge Verbundenheit von Künstler und Modell vermutlich der Grund für die Ausdrucksstärke der Plastik. 1921/1922 wurde die geplante Auflage von zwölf Güssen in der Berliner Gießerei Noack hergestellt. Die Bronze der Nationalgalerie ist 1921 direkt vom Künstler erworben worden. Zwei Exemplare gelangten nach New York, sowohl in das Museum of Modern Art (aus der Sammlung von Edward M. M. Warburg) als auch in die Privatsammlung Rockefeller. Der befreundete Maler Karl Schmidt-Rottluff tauschte ein Ölbild gegen eine „Klage“ (Verbleib unbekannt). Die Georg-Kolbe-Stiftung ließ posthume Surmoulagen herstellen; außerdem gibt es etliche Fälschungen und unautorisierte Editionen, gegossen sowohl vor als auch nach dem Ende der Urheberschutzfrist. | Ursel Berger

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson