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Die schwebende Mauer

Ident. Nr.: A IV 361

ObjID: obj:965697

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Edgar Ende (1901 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1933
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die schwebende Mauer
Übersetzung: The Floating Wall
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1937
Kauf: Privatbesitz,
1937
Wolfgang Koschel, Berlin,
1978
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 75 x 120 cm
Erwerbung
1978 Ankauf von Wolfgang Koschel, Berlin

Objektbeschreibung

Das Gemälde verstört durch die Umkehrung von Objekteigenschaften und Sehgewohnheiten: Während vorn die eigentlich grazilen Schwäne leblos zu einem Wall aufgehäuft liegen, hat eine Mauer im Hintergrund zu schweben angefangen. Das Agile ist erschlafft, die tote Materie hingegen ist scheinbar lebendig geworden. Auf der öden Ebene dazwischen stehen drei nackte Männer, die in enger Umarmung Schutz vor der eigenen Exponiertheit und Beistand angesichts der bedrohlich-mysteriösen Situation suchen. „Die Anregungen zu meinen Themen entstammen nicht systematischen Überlegungen, sondern einem Hineinschauen in die Welt des Unbewussten“, schrieb der Maler 1948 (Brief an J. Plagge, 30.1.1948, in: Axel Hinrich Murken, Edgar Ende. Sein Leben und sein Werk [1901–1965]. Seine kunsthistorische Stellung in der Malerei des 20. Jahrhunderts, Herzogenrath 2001, S. 95). Mit seinen Bildfindungen jenseits der Vernunft und seiner Faszination vom Traumentsprungenen stand Ende dem Surrealismus nahe. Seine Bilder führen in fantastische Welten, in denen er sich in symbolträchtiger Rätselhaftigkeit mit existenziellen Grundfragen auseinandersetzte, inspiriert etwa von Sigmund Freuds Traumdeutung oder den Schriften Ernst Cassirers. Auf Rudolf Steiners Theorie der sozialen Dreigliederung hatte sich der von Ende mit zwei Vertrauten gegründete Geheimbund „Der weiße Schwan“ bezogen, worauf vielleicht auch dieses Gemälde anspielt. In den 1930er- und 1940er-Jahren, in denen der Künstler unter Armut und Depression durch Zwänge in der NS-Zeit sowie den Kriegsdienst litt, verdichteten sich die apokalyptischen Elemente in Endes Werk. | Christina Thomson

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson