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Berliner Stillleben II

Ident. Nr.: B III 126

ObjID: obj:965723

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Christa Sammler (1932 -),
Künstler*in
Datierung
1964/1965
Weitere Titel
Sammlungstitel: Berliner Stillleben II
Übersetzung: Berlin Still Life II
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18,5 x 15 x 4,5 cm (unregelmäßig)
Erwerbung
1970 Ankauf von der Künstlerin, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Nach dem Studium der Bildhauerei in Dresden und Ost-Berlin war Sammler ab 1958 freiberuflich tätig. Während sie zunächst vor allem freistehende Bronzefiguren geschaffen hatte, wandte sie sich ab der Mitte der 1960er-Jahre dem Bronzerelief zu, das ihre Arbeit in der Folge maßgeblich bestimmte. Den Auftakt hierzu bildete die Serie der „Berliner Stillleben“, von denen sie drei in den Jahren 1964 und 1965, sowie ein viertes (aus Aluminium) 1971 schuf. Die ersten beiden davon versammeln ähnliche Elemente: Auf leicht hochrechteckiger Grundfläche zeigen sie links einen Kristallkelch im Halbrelief, der über einer schräg abgesenkten Platte positioniert ist. Die kleine Schublade darunter lässt an einen schmalen Konsoltisch denken. Auf der rechten Seite oben finden sich in den beiden Stillleben zwei verschiedene Bildzitate, die auf Sammlers Abformungen vom Blücher-Denkmal in Berlin zurückgehen. Das „Berliner Stillleben II“ zeigt das Detail eines jungen Mannes im Profil. Sammler schätzte das Relief als Medium, weil es ihr „Raum für Mitteilungen [gab] […]. Jedes Erlebnis verlangt seine ihm gemäße Form, die mit Mühe gesucht werden muß. Das Suchen im Unbekannten ist Teil jeder schöpferischen Tätigkeit.“ (Zit. n. Christa Sammler. Skulptur, Berlin 1994, o. S.) Die einzelnen Elemente ihrer Reliefs sind insofern weniger als Teile eines kohärenten Bildraums zu sehen denn als zu einer geschlossenen Komposition kombinierte Bildzeichen, deren Zusammenhänge nur der Fantasie zugänglich sind. | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson