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Selbstbildnis

Ident. Nr.: NG 56/81

ObjID: obj:965772

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Selbstbildnis
Übersetzung: Self Portrait
Provenienz
im Besitz der Künstlerin,
1965
Nachlass/Vermächtnis: Magdalena Goldmann, Berlin,
1965–1981
Material / Technik
Stukko
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 44 x 17,5 x 21,5 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1981 Vermächtnis Magdalena Goldmann, Berlin (West), aus dem Nachlass Renée Sintenis

Objektbeschreibung

Sintenis war Mitte der 1920er-Jahre bestens in der Berliner Gesellschaft etabliert. Sie verkaufte gut, war weithin vernetzt und ein gern gesehener Gast auf den verschiedensten Veranstaltungen und Partys der Stadt. Morgens ritt sie auf ihrem Pferd durch den Berliner Tiergarten, flanierte in Anzug und mit ihrem Terrier über den Kurfürstendamm oder fuhr in ihrem Sportwagen zur Bildgießerei Noack. Ihr Leben wie ihr Schaffen wurden in den verschiedenen Gesellschaftsblättern der Zeit, „Querschnitt“, „Vogue“ oder „Die Dame“, dokumentiert und kommentiert, verkörperte sie mit ihrem modischen kurzen Haar, dem androgynen Aussehen und selbstbewussten Auftreten doch geradezu den Prototyp der modernen Frau der Weimarer Republik. Sie selbst betrachtete sich eher als schüchtern, mehr den Tieren als den Menschen zugewandt (vgl. Ada Schmidt-Beil, Die Kultur der Frau, Berlin 1931, S. 275). Diese Selbstwahrnehmung lässt sich an ihrem 1926 modellierten „Selbstbildnis“ nicht ablesen. Ganz im Gegenteil: Es entspricht mit Kurzhaarschnitt und geradem, ernstem Blick, der keine Gefühlsregung verrät, vollkommen dem durch die Presse vermittelten Bild der modernen selbstbewussten Künstlerin. Neben der Stukkofassung befindet sich eine Bronzeversion des Selbstbildnisses in der Sammlung der Nationalgalerie (NG 57/81). | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp