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Breite Schmurchel

Ident. Nr.: FNG 7/79

ObjID: obj:965897

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Kurt Schwitters (1887 - 1948),
Künstler*in
Hans Arp (1886 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1923
Weitere Titel
Sammlungstitel: Breite Schmurchel
Übersetzung: Broad Schmurchel
Provenienz
Sammlung Hannah Höch, Berlin,
1924–1978
Erbengemeinschaft Hannah Höch,
1978–1979
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 39 x 55 x 9 cm
Erwerbung
1979 Ankauf aus dem Nachlass Hannah Höch, Berlin (West), durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Arp und Schwitters lernten sich 1918 in Berlin kennen. In der Folgezeit arbeiteten sie gemeinsam an einigen poetischen und bildkünstlerischen Projekten. Zusammen mit Schwitters’ Familie und Arps Frau, Sophie Taeuber-Arp, verbrachten sie im August 1923 den Sommerurlaub in Sellin auf der Ostseeinsel Rügen. Auch die Künstlerin Hannah Höch kam für eine Woche dazu. Wie Schwitters später schrieb, beendeten er und Arp damals ihren Text „Franz Müllers 'Drahtfrühling'“ und schufen „Bilder mit Treibholzstücken aus dem Meer“ (Brief an Raoul Hausmann, 14.11.1946, in: Ernst Nündel [Hrsg.], Kurt Schwitters, Wir spielen, bis uns der Tod abholt. Briefe aus fünf Jahrzehnten, Frankfurt am Main u. a. 1975, S. 248). Eines dieser „Bilder“ ist die „Breite Schmurchel“. Die Materialmontage setzt sich aus unterschiedlich geformten Treibholzstücken zusammen, die auf einer unregelmäßig geformten Grundplatte montiert sind. Durch die abstrakte Komposition erhalten die am Strand gefundenen, vermeintlich wertlosen Abfälle eine neue Wert- und Eigenständigkeit. Dabei gibt die Assemblage keine eindeutige Lesart vor, vielmehr soll sie – wie die humorvoll-sinnlose Wortschöpfung „Breite Schmurchel“ unterstreicht – unterschiedlichste Assoziationsketten bei den Betrachter:innen auslösen. Schwitters und Arp schenkten das Relief Hannah Höch 1924 in Erinnerung an ihren gemeinsamen Sommerurlaub. Fotografien aus der Mitte der 1920er-Jahre zeigen es, zusammen mit Arps „Konkretem Relief“ (FNG 5/79) und Schwitters’ „Kleiner schwarzer Säule“ (FNG 8/79), in ihrem Berliner Atelier (Eberhard Roters, Paris-Reisen, in: Hannah Höch. Eine Lebenscollage, Band II: 1921–1945, Berlin 1995, S. 157). | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson