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Jünglingskopf

Ident. Nr.: B III 4

ObjID: obj:965998

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilfried Fitzenreiter (1932 - 2008),
Künstler*in
Datierung
1960
Weitere Titel
Sammlungstitel: Jünglingskopf
Übersetzung: Head of a Youth
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 30 x 20 x 30 cm
Erwerbung
1962 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost), aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bildnisrelief Max Jordan

Bildnisrelief Max Jordan

Wurden die Geschicke der Nationalgalerie anfänglich von Künstlern der Berliner Akademie der Künste bestimmt, berief man 1874 erstmals einen Kunsthistoriker zum Direktor: Max Jordan (1837–1906), der bis dahin das Städtische Museum in Leipzig geleitet hatte. Mit seinem Schwerpunkt auf idealistischer Kunst setzte der Wissenschaftler und Museumsmann neue Akzente. Unter Jordan fanden vor allem große Konvolute der Nazarener Eingang in die Sammlung, darüber hinaus tätigte er erste grundlegende Erwerbungen von Arnold Böcklin und Adolph Menzel. Das Porträtrelief Jordans schuf Lederer 1906/1907. Es zeigt den Kunsthistoriker im zeitgenössischen Anzug und in strengem Profil nach rechts gewandt. Scharf gezogene Kontur- und Binnenlinien verleihen den hageren, bereits vom Alter gezeichneten Gesichtszügen einen gewissen harschen Charakter. Das Relief findet sich unter anderem auch auf Jordans Grabstein (ursprünglich auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg, 1938/1939 umgebettet auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf). Ein zweiter Bronzeguss der Grabmalfassung (B II 463) sowie eine Gipsversion (B I 548 a) wurden 1933 der Nationalgalerie von der Verbindung zur Förderung deutscher Kunst geschenkt, darüber hinaus gelangten zwei Exemplare einer verkleinerten Fassung in Weißmetall (SKG 16/79) und Gips (B I 548 b) in die Sammlung. Die kleine Erinnerungsplakette stellte die Grundlage für die größere Grabmalfassung dar und fand in unbekannter Zahl Verbreitung. Eine Gipsausführung der rückseitigen Plaketten-Widmung (B I 548 d) gibt Aufschluss über den Auftragsanlass: „ZUM . 25. JAEHRIGEN / JUBILAEUM . GEWID. / VON DER VERBIND.G FUER / HISTOR . KUNST. / JUNI . 1906“. Auf der Hauptversammlung der Verbindung am 12./13. Juni 1906 hatte man beschlossen, das 25-jährige Engagement Jordans als deren Geschäftsführer zu ehren; der Kunsthistoriker starb noch im November desselben Jahres. Doch war Lederer offensichtlich nur die zweite Wahl, hatte man doch zunächst geplant, den Bildhauer Hermann Hahn um einen Entwurf zu bitten (Paul Schumann, Die Verbindung für historische Kunst, in: Die Werkstatt der Kunst, 5. Jg. [1905/1906], H. 39, S. 539). | Yvette Deseyve

Das Trojanische Pferd

Das Trojanische Pferd

Immer wieder hat Corinth der antiken Literatur Motive entlehnt. Als bedeutendes Alterswerk entstand kurz vor seinem Tod die seltsam modern und gegenwärtig wirkende Geschichtsdarstellung „Das Trojanische Pferd“. Zu sehen ist eine Szene aus dem Kampf um Troja nach dem uralten Epos „Ilias“ von Homer: Nach jahrelanger Belagerung der Stadt gibt das Heer der Griechen scheinbar auf und stellt ein riesiges hölzernes Pferd als Siegesgabe vor die unüberwindlichen Mauern. Corinth zeigt die Verhaftung des als Boten zurückgelassenen Griechen und einen schwer bewaffneten Trupp der Hellenen, der sich aus einem der Stadttore nähert und später das Ungetüm in die Stadt ziehen wird. Nachts werden die darin verborgenen Griechen die Tore öffnen und damit den Untergang der Trojaner einleiten. Die Darstellung, durch etliche Zeichnungen vorbereitet, bleibt bewusst unbestimmt und durch die kurzen, nervösen Pinselstriche skizzenhaft. Trotz ironischer, ja karikierender und vieler farbpoetischer Momente ist eine hintergründige Vision von Bedrohung und Untergang entstanden. Der festungsartigen, von einem blau schimmernden Meer umgebenen Stadt unter einem rot und gelb geschlierten Himmel steht der schiefergraue Koloss des Pferdes der Griechen entgegen. Die agierenden Personen verunklären absichtsvoll die Komposition. Das Licht der niedrig stehenden Sonne umfängt Boote, Krieger und das hölzerne Pferd mit einem schimmernden Lichtrand. Corinth hat selbst noch das ursprünglich seiner Frau, Charlotte Berend-Corinth, zugedachte Gemälde als Leihgabe in die Neue Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais gegeben. In der Gedächtnisausstellung der Nationalgalerie im Jahr 1926 war das Bild dann ein Hauptwerk. Direktor Ludwig Justi fasste die Wirkung des Gemäldes zusammen: „[…] der ganze Bildraum funkelnd, als wäre ein Tau farbiger Edelsteine gefallen“ (Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin, 1926, S. 9). Aus der Gedächtnisausstellung kam das Werk als Geschenk der Witwe und der Kinder des Künstlers in die Sammlung der Nationalgalerie. | Angelika Wesenberg

Italienische Landschaft

Italienische Landschaft

1905 reiste Großmann erstmals nach Paris, wo er mit Unterbrechungen acht Jahre lang blieb. Hier gehörte er zum Künstlerkreis des Café du Dôme und schloss mit Hans Purrmann, dem Begründer der Matisse-Schule in Paris, eine lebenslang währende Freundschaft. Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs trafen sich viele der „Dômiers“ in Berlin wieder, so auch diese beiden. 1922/1923 weilte Großmann in Italien, zeitweise gemeinsam mit Purrmann, danach lebte er wieder in Berlin. Zeichnungen und Lithografien von Großmann zum Thema Italien erschienen 1925 in zwei Kunstmappen, jeweils mit einem Text von Annette Kolb: „Veder Napoli e partire. Italienische Reiseskizzen“ im Pontos-Verlag und „Spitzbögen“ bei S. Fischer. Die Ansicht einer Sitzenden auf dem Balkon, die in eine Landschaft mit einem See vorn und Bergen im Hintergrund schaut, zeigt aber vermutlich nicht die Schriftstellerin, sondern Großmanns junge Gattin. Seine Malweise ist stets durch eine zeichnerische Situationserfassung gekennzeichnet. Ludwig Justi schätzte an Großmann, dass „dessen Malerei durch ihre spielende Leichtigkeit und Durchsichtigkeit einer bestimmten Einstellung des heutigen Großstädters entspricht, der wir auch sonst begegnen. Seine Begabung ist nicht nur auf das Ölbild gerichtet; er zeichnet viel, gern Bildnisse, mit Hang zum Karikieren“ (Ludwig Justi, Von Corinth bis Klee, Berlin 1931, S. 95). In der Nationalgalerie wurden 1937 fünf Arbeiten Großmanns als „entartete Kunst“ beschlagnahmt, ein Schicksal, dem dieses Italien-Gemälde und einige Zeichnungen entgingen. | Angelika Wesenberg

Komposition: Die Taube

Komposition: Die Taube

Ab 1909 war der Italiener Severini eines der führenden Mitglieder der Futuristen gewesen. Von deren Formensprache ist diese „Komposition“ jedoch weit entfernt. Vielmehr steht das Bild für die Rückbesinnung auf das klassische Erbe und die „Rückkehr zur Ordnung“ der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, die auch Severinis 1921 in Paris veröffentlichtes Buch „Du cubisme au classicisme“ verdeutlicht: eine Verbindung zwischen der Moderne und dem klassischen Erbe. Anfang der 1930er-Jahre schuf Severini mehrere Gemälde, die in Komposition und Motivwahl ähnlich sind und diese Beziehung zwischen Kubismus und Klassizismus auf den Punkt bringen (WVZ Fonti 1988, 507–524). Zeigen die ersten acht jener Bilder im Hintergrund noch erkennbare Stadtansichten, tritt in weiteren zehn eine Fantasielandschaft an deren Stelle – so auch im Werk der Nationalgalerie. Im Vordergrund hat Severini ein kubistisch anmutendes Stillleben aus Gefäßen, einem Saiteninstrument, Trauben, beschriebenen Blättern und einer Taube arrangiert. Nach links und rechts ist eine Art dichte Wolkendecke wie ein Vorhang zur Seite gezogen, um den blauen Himmel freizugeben. Davor stehen antik aussehende Architekturfragmente: ein blockhaftes Tor, eine klassizistische Ruine mit Säulen und dahinter eine graue Fläche mit der Zeichnung eines antik wirkenden Frauenaktes, alles in ganz unterschiedlichen Maßstäben und Dimensionen. Vorder- und Hintergrund haben keinen räumlichen, sondern einen gedanklichen Bezug zueinander. | Emily Joyce Evans

Stahl 4/63

Stahl 4/63

Hauser absolvierte von 1945 bis 1948 eine Lehre als Stahlgraveur und belegte ab 1949 Kurse an der Freien Kunstschule Stuttgart. Bald gewann er Preise für seine Arbeiten: 1953 den Kunstpreis der Jugend, 1963 den Kunstpreis „Junger Westen“ in Recklinghausen, 1969 den Großen Preis der X. Kunstbiennale von São Paulo. Er nahm dreimal an der Documenta teil. „Stahl 4/63“ (NG 60/85) gehört zur Gruppe der freistehenden Plastiken, die Hauser von 1962 bis 1967 aus Edelstahl schuf, gleich betitelte und durchnummerierte. Die Form ist auf den ersten Blick abstrakt und schwer definierbar. In Begriffen der Geometrie ist dieses Objekt mit seinen unregelmäßigen Flächen, Kanten und Winkeln nicht zu fassen. Die Oberfläche zeigt Spuren der Bearbeitung wie Unebenheiten und Kratzer. Sie lassen den Stahl umso massiver erscheinen, wie ein Wesen, das nicht nachgibt. Die Arbeit war im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie aufgestellt, ohne Sockel oder Plinthe direkt auf dem grauen Granit. Das Werk ohne Titel, das Hauser fast 20 Jahre später schuf, besteht ebenfalls aus Stahl (FNG 23/82). Der Glanz der glatt polierten Oberfläche, die Aufhängung an der Wand und die präzisen Formen – der Kreis als Grundform, in der Mitte wie von einem scharfen Keil durchtrennt, der auf eine Spitze zuläuft, – lassen es graziler und leichter erscheinen als „Stahl 4/63“. Beide Skulpturen fordern die Betrachtenden dazu auf, sich in aller Offenheit hinsichtlich der Deutung mit dem Material Stahl und dessen Wirkkraft auseinanderzusetzen. | Emily Joyce Evans

Informelle Struktur

Informelle Struktur

Der als „Nagelkünstler“ bekannt gewordene Uecker hatte nach einer Lehre als Reklamegestalter zunächst an der Fachschule für angewandte Kunst in Wismar und an der Kunstakademie Berlin-Weißensee studiert, bevor er nach dem Aufstand des 17. Juni 1953 die DDR verließ und nach West-Berlin ging. 1955 setzte er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie fort. Dort experimentierte er mit Materialcollagen und pastoser Malerei, zu deren Bearbeitung ihm der Pinsel nicht mehr ausreichte. Uecker nutzte auch Kämme und fertigte eine Bürste aus Nägeln an, wobei er feststellte, dass dieses Handwerkszeug einen eigenen ästhetischen Ausdruck besaß. „So kehrte sich einfach das Instrument um zu dem, was ich eigentlich wollte, und wurde dann die Basis meines weiteren Tuns. Ich hatte nun ein Material, das in den wirklichen Raum eindringt – nicht in den illusionistischen Raum, der durch die Leinwand sichtbar wird.“ (Günther Uecker, Schriften. Gedichte – Projektbeschreibungen – Reflexionen, hrsg. v. Stephan von Wiese, St. Gallen 1979, S. 144f.) 1956/57 begann Uecker damit, Holzplatten mit Leinwand zu beziehen, sie monochrom zu grundieren und Nägel hineinzuschlagen. Der radikale Wandel in der Bildauffassung zeigt sich in „Informelle Struktur“, einer der frühesten Nagelarbeiten Ueckers. Während an den Bildrändern Abstände und Richtungen der Nägel relativ gleichmäßig sind, gibt es im Zentrum unterschiedliche Einschlagswinkel, sodass keine Regelmäßigkeit auszumachen ist, nur Widerborstigkeit. | Dieter Scholz

Kriegsblinder
Verso: Landschaft

Kriegsblinder Verso: Landschaft

Die Folgen des Ersten Weltkriegs für den Einzelnen fanden auch in der Kunst ihren Ausdruck, vornehmlich durch drastische Darstellungen versehrter Kriegsheimkehrer. Strempels späte Bearbeitung des Themas steht unverkennbar in dieser Tradition, zu deren Ikonen die Invalidenbilder von George Grosz oder Otto Dix’ „Streichholzhändler“ (1920; Staatsgalerie Stuttgart) zählen. Den Kopf in einen Verband, den Körper in einen ärmlichen Mantel gehüllt, läuft der „Kriegsblinde“ eine verschneite nächtliche Straße entlang, direkt auf die Betrachter:innen zu. Vor sich umklammert er eine Tasche oder ein Kästchen, möglicherweise mit einem kargen Warenangebot, den letzten Habseligkeiten oder den Betteleinkünften des Tages. Dass sein Gesicht die Assoziation an einen Totenkopf weckt, unterstreicht die Trost- und Ausweglosigkeit seiner Lage und Herkunft und verleiht der Figur in der Düsternis eine fast bedrohliche Wirkung. Die skizzenhafte Darstellung des Blinden ähnelt früheren Arbeiten des Künstlers zu verwandten Themen (etwa „Musizierender Kriegskrüppel mit Frau und Kind“, 1932; Standort unbekannt), die typische Ausdruckform seiner Figuren in späteren Bildern hingegen lässt sich lediglich erahnen. Auf der Rückseite ist eine Szene zu sehen, die kaum gegensätzlicher sein könnte: eine Landschaft in hellen Farben mit Bäumen, die idyllisch ein Flussufer säumen. Diese Darstellung ist unsigniert; möglicherweise stammt sie nicht von Strempel. | Sven Haase