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Tafel 3: Jüngstes Gericht aus: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland

Ident. Nr.: n/a

ObjID: obj:966004

n/a

Details (Expert)

Datierung
1979-1981
Weitere Titel
Sammlungstitel: Tafel 3: Jüngstes Gericht aus: Frühbürgerliche Revolution in Deutschland
Übersetzung: Tafel 3: Jüngstes Gericht From: Early Bourgeois Revolution in Germany
Material / Technik
Tempera und Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 139 x 244 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Unmittelbar auf die Schlacht folgt der Tag des Jüngsten Gerichts mit einer taumelnden, parteiischen Justitia auf der rollenden Welten-Kugel; unweit ihrer Füße im Mittelgrund steht ein Narr dem sich die Hände in Unschuld waschendem Pilatus als Repräsentant der irdischen Gerichtsbarkeit gegenüber. Göttliches und menschliches (Un-)Recht fallen hier buchstäblich zusammen, womit (nach Friedrich Schiller) die Weltgeschichte als ewiges Weltgericht gedeutet wird. Ausgerechnet in dieser Perspektive erscheint neben dem gehenkten Adelspaar das im Vordergrund sich Bahn brechende Bürgertum mit all seinen Errungenschaften, den Hafenkränen (nach einer Miniatur des flämischen Festkalenders, um 1500), den Bergbaumaschinerien (nach Agricola, „De re metallica …“, 1555), dem Buchdruck (nach Jost Amman, „Ständebuch“), den prosperierenden Handelsunternehmungen, außerdem eine von bescheidenem Wohlstand zeugende Bauernhochzeit. Weiter hinten erscheint die Kehrseite dieser Entwicklung, das aggressive Ausgreifen der Karavellen auf „neue“ Kontinente und, hinter einer emblematischen Schlachtszene, die dem Fabelreich entnommenen ewigen Heerlager der Katzen und der Hunde. Am Rande erscheint – gewissermaßen als Zaungast der Geschichte – der Maler selbst mit kritisch zum Betrachter gerichtetem Blick. Über ihm hält seine Frau hoch zu Ross als eine Art Seelenführerin eine erloschene Kerze in die Szenerie. Der Rauch steigt in absichtsvollem Parallelismus zur Szene im Hintergrund auf, wo ein Dämon einem Leichnam die Seele aus dem Rachen reißt. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson