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Pariser Platz in Berlin

Ident. Nr.: A III 465

ObjID: obj:966103

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Oskar Kokoschka (1886 - 1980),
Künstler*in
Datierung
1925/1926
Provenienz
Paul Cassirer, Berlin, und Jakob Goldschmidt, Frankfurt am Main (Joint Venture),
16.2.1926
Hermann Lange, Krefeld,
16.2.1926 - wohl 16.6.1928
Georg Caspari, München,
wohl 16.6.1928 - 1930
Nachlass/Vermächtnis: Annie Caspari, München,
1930–25.3.1932
Übereignung: Bankhaus Hardy & Co., München,
368136
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale München,
15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
15.8.1935
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 76,5 x 110 cm
Erwerbung
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Annie Caspari, München

Objektbeschreibung

1924 begann Kokoschkas Serie der Reisen durch europäische Metropolen, von Schottland bis zu den ägyptischen Pyramiden, von Lissabon bis nach Jerusalem, die die Berliner Galerie Paul Cassirer zwischen 1923 und 1933 finanzierte. Auf der vorliegenden Ansicht geht der Blick von Kokoschkas Zimmer im Hotel Adlon schräg über den Pariser Platz zum Elternhaus und Atelier Max Liebermanns neben dem Brandenburger Tor. Ganz links ist die Akademie der Künste im Palais Arnim angeschnitten, unmittelbar dahinter der Giebel des neuen Rohdich‘schen Legatenhauses, am rechten Bildrand ist der Reichstag zu sehen. Den Fluchtpunkt in der Ferne bilden die Siegessäule, damals noch auf dem Königsplatz (heute Platz der Republik), und das Dach der Krolloper in etwa dort, wo heute das Kanzleramt steht. Der erhöhte Standpunkt der Metropolenbilder stellt den Gegenpol zur Perspektive des Soldaten im Schützengraben des Ersten Weltkriegs dar. Kokoschka soll sich dort geschworen haben, „nach dem Krieg Europa von den höchsten erreichbaren Standorten aus zu malen“, um zu zeigen, was nach den Zerstörungen von dem Erdteil noch übrig war (zit. nach Heinz Spielmann, Oskar Kokoschka und Skandinavien, in: Gerhard Wietek [Hrsg.], Symposium Skandinavien und der deutsche Expressionismus, Schleswig 1985, S. 79–96) – ein Projekt, das der Künstler nach den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs unter veränderten Vorzeichen fortsetzen sollte. | Oliver Seifert

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz

Bauer, Weihwasser nehmend

Bauer, Weihwasser nehmend

Den Türrahmen fast vollständig ausfüllend, mit schweren Pantinen und großem Hut bekleidet, tritt ein Bauer auf dem in dunklen, erdigen Farben gehaltenen Gemälde von Egger-Lienz über die Schwelle einer einfachen Holzstube. Dabei taucht er seine Hand in ein Weihwasserbecken neben der Tür, ein durchaus übliches Ritual der Reinigung in katholischen Privathaushalten zur Entstehungszeit des Bildes. Ebenso wie dieses Spätwerk des Künstlers ist das gesamte Œuvre des Malers, der an der Münchner Akademie der bildenden Künste studiert hatte, von einer religiös gefärbten, realistischen und gleichsam idealisierenden Darstellung der bäuerlichen Alltagswelt geprägt. Die Formensprache ist dabei auf das Wesentliche reduziert. 1909 schrieb der damals im österreichischen Exil lebende Leo Trotzki anlässlich einer Ausstellung der Wiener Secession über Egger-Lienz’ Arbeiten: „Bei Egger gibt es nichts Überflüssiges. Er hält sich keinen Augenblick bei Einzelheiten auf. Die Farben sind ohne Nuancen, die Schatten der Gestalten nur schematisch angedeutet“ (Leo Trotzki, Die Wiener Secession, in: ders., Literatur und Revolution, Essen 1994, S. 478). Der Künstler selbst sagte über sich: „Ich male keine Bauern, sondern ‚Formen‘, so scheint es mir“ (Brief an O. Kunz, 12.5.1924, zit. nach Wilfried Kirschl, Albin Egger-Lienz, Wien 1977, S. 436). Wahrgenommen wird Egger-Lienz’ Werk dennoch vor allem durch das dominierende Sujet des Bauern und einfachen Mannes, das letztlich auch die konservative, teils nationalistische Rezeption seiner Arbeit bestimmt hat. | Maike Steinkamp