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Porträt Rosa Schapire

Ident. Nr.: A IV 90

ObjID: obj:966143

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Walter Gramatté (1897 - 1929),
Künstler*in
Datierung
1920
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt Rosa Schapire
Übersetzung: Portrait of Rosa Schapire
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Sonia Eckhardt-Gramatté, Winnipeg, Kanada,
1929–1966
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 74,7 x 67,5 cm
Erwerbung
1966 Geschenk aus dem Nachlass von Sonia Eckhardt-Gramatté und Dr. Ferdinand Eckhardt, Winnipeg (Kanada)

Objektbeschreibung

Die künstlerische Laufbahn Gramattés hatte im Krieg begonnen, als er – aufgrund eines chronischen Knochenleidens zeitweise vom Wehrdienst befreit – anfing, Kunst zu studieren. 1920 war ein ereignisreiches Jahr für ihn: Ferdinand Möller richtete ihm in seiner Berliner Galerie eine erste Werkschau ein, der Ausstellungen in Hamburg folgten. Dort lernte der Maler auch Rosa Schapire (1874–1954) kennen, die 1904 in Heidelberg als eine der ersten Frauen in Kunstgeschichte promoviert hatte. Ab 1905 lebte sie, die aus einem vermögenden jüdischen Elternhaus stammte, in Hamburg und wurde zu einer bedeutenden Mäzenin der Künstlergruppe Brücke. Schapire veröffentlichte einen Aufsatz über Gramattés Werk im „Cicerone“ und blieb bis zu seinem frühen Tod seine Förderin und enge persönliche Vertraute. Das „Porträt Rosa Schapire“ entstand Ende August 1920 in Malente-Gremsmühlen, einem Kurort in der Holsteinischen Schweiz, in dem Gramatté und seine Frau Sonia gerade ihre Ferien verbrachten. Elegant in Weiß gekleidet, geschmückt mit Kette und Rose am Ausschnitt sitzt Schapire in klassisch melancholischer Pose im Lehnstuhl, die Finger der linken Hand an Mund und Wange gelegt. Der fragend-kritische Blick ihrer großen dunklen Augen verrät den Respekt des Malers vor der Kunstkennerin. Weißhaarig, knochig und ernst wirkt sie älter und schmaler, als sie damals war. Der blaue Hintergrund ist durchzogen vom sphärischen rot-gelben Leuchten eines Sonnenuntergangs über einem großen Gewässer (vermutlich der Dieksee); die Zacken der Wellen auf der Wasseroberfläche führen die wellenförmige Borte von Schapires Kleid fort. | Christina Thomson

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson