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Selbst mit Friseuse

Ident. Nr.: A IV 600

ObjID: obj:966188

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Sighard Gille (1941 ),
Künstler*in
Datierung
1972
Weitere Titel
Sammlungstitel: Selbst mit Friseuse
Übersetzung: Self Portrait with Hairdresser
Material / Technik
Öl auf Hartfaser
Abmessungen
Höhe x Breite: 123 x 91 cm
Erwerbung
1988 Ankauf vom Künstler, Leipzig, aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Mit dem Titel „Selbst mit Friseuse“ scheint Gille auf den ersten Blick ein Selbstporträt zu bezeichnen, und tatsächlich kommt der Künstler – sogar zweimal – im Bild vor: Links sitzt er und wird frisiert, rechts sieht man sein Spiegelbild. Doch das eigene Gesicht hat Gille am Bildrand jeweils angeschnitten. Auch aufgrund des Frisierumhangs ist wenig von ihm zu sehen. Alle Aufmerksamkeit zieht die in der Bildmitte stehende Frisörin im tief ausgeschnittenen Minikleid auf sich. Es handelt sich um die damalige Geliebte Gilles, die Ingenieurin Bärbel Besser. Der Künstler hat sie mit einem überlangen Hals dargestellt, der ihren Unterkiefer, in einer Linie mit ihren Locken, unwahrscheinlich weit nach vorne schiebt. Warum Gille eine Ingenieurin zur „Friseuse“ werden ließ, ist ungewiss. In jedem Fall ist die Szene erotisch aufgeladen, einerseits durch das symbolische Rot ihres Kleides und andererseits durch den phallusförmigen Fön, mit dem sie seine Haare trocknet. Der sitzende Mann scheint der großen, mit muskulösen Armen und Schultern seinen Kopf bearbeitenden Frau geradezu ausgeliefert. Die etwas verzerrt wirkende Darstellung erinnert an Porträts im Stil der Neuen Sachlichkeit von Otto Dix. Mit leichter Übertreibung und durchaus schonungslos, ohne jedoch negativ zu wirken, wird aus einer Alltagssituation eine leicht skurrile Begegnung zweier sehr unterschiedlich dargestellter Menschen. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson